Schwierige Entscheidung

"Nicht abwatschn"

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Prägt das Bild in der Reichsstadt: Auf dem Haus Pulvergasse 2 werden wohl keine Photovoltaikanlagen erlaubt.

Kempten – Ein Konflikt, der die städtischen Gremien in Zukunft wohl noch häufiger beschäftigen wird, trat am Donnerstagabend im Bauausschuss erstmals zu Tage. Auslöser war der Bauantrag, auf dem Dach des Haus Pulvergasse 2 Photovoltaikanlagen zu installieren.

Während das Vorhaben auf der einen Seite dem Klimaschutz zu Gute kommt, wird auf der anderen Seite das historische Stadtbild beeinträchtigt. So lautete die Empfehlung der Bauverwaltung und des Landesamtes für Denkmalpflege dann auch, den Antrag abzulehnen. Doch damit ist das Problem nicht vom Tisch.

Fünf mal sieben Meter große, schwarze Photovoltaikanlagen will der Hausbesitzer auf seinem Dach in der historischen Reichsstadt anbringen, wie Thomas Klett vom Bauordnungsamt den Ausschussmitgliedern berichtete. In der Bauverwaltung tut man sich damit jedoch schwer, befürchtet man doch Beeinträchtigungen für das Stadtbild. „Das ist voll einsehbar von der Straße aus“, betonte Klett, der außerdem vor weiteren Folgeanträgen warnte. Auch das Landesamt für Denkmalschutz habe sich klipp und klar gegen die Anlagen ausgesprochen. Zwar ist die Behörde gegenüber der Stadt als Untere Denkmalschutzbehörde nicht weisungsbefugt. Über eine bloße Empfehlung geht die Expertise aber auch hinaus, wie Klett gegenüber dem KREISBOTEN auf Nachfrage erläuterte. „Um uns darüber hinwegzusetzen, bräuchten wir schon sehr gute Argumente.”

Kompromisse erwünscht

Baureferentin Monika Beltinger wies am Donnerstag darauf hin, dass es sich hierbei um eine Grundsatzfrage zwischen Klimaschutz und baukulturellem Erbe der Stadt handle. „Es geht um die Frage, wie wir künftig damit umgehen“, betonte sie. Beltinger warnte davor, beide Ziele gegeneinander auszuspielen. „Ich halte das Abwatschn von zwei Zielen nicht für richtig“, warnte sie.

Stattdessen schlug die Baureferentin vor, bei künftigen ähnlichen Fällen, jeweils eine individuelle Kompromisslösung zu finden. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) ergänzte: „Es geht darum, die Leitplanken für die künftigen Beratungen festzulegen.“ Das heiße, dass keinem der beiden widersprüchlichen Ziele grundsätzlich Vorrang eingeräumt werden, sondern ein Einklang erreicht werden soll. Deshalb sei das Thema auch gezielt auf die Tagesordnung genommen worden, obwohl der Bauausschuss in diesem Fall nichts zu entscheiden hat. „Wir wollen es bewusst diskutieren, da das in den nächsten Jahren noch öfter auf uns zukommen wird”, so Netzer.

Grünen-Stadtrat Hans Mangold, der von einem „Grundsatzproblem” sprach, reagierte indes ungehalten. Photovoltaik sei „ein ganz wesentlicher Beitrag zur Energiewende“, betonte er. Dem Umweltschutz sei grundsätzlich Vorrang einzuräumen. „Ich bin nicht bereit, dass Denkmalamt als oberstes Verfassungsgericht zu sehen“, polterte er. Außerdem könne er sich nicht damit abfinden, „so in die Eigentumsverhältnisse einzugreifen.“

Umweltbeauftragter Richard Hiepp (CSU) warnte dagegen davor, dem Antrag stattzugeben. „Wenn wir das generell zulassen, machen wir ein Fass auf.“ Fraktionskollege Thomas Kiechle sprach sich dafür aus, im Einzelfall abzuwägen. „Wir haben als älteste Stadt eine hohe Denkmalschutzverantwortung“, betonte er.

Aber wie geht es nun weiter? Laut Thomas Klett soll in der Bauverwaltung noch einmal über den Bauantrag gesprochen werden. Derzeit deute aber alles darauf hin, dass das Bauordnungsamt sein Veto einlegen werde.  Matthias Matz

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