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Überlebensfrage der Menschheit

Entwicklungsminister Gerd Müller spricht über Klimaschutz an der Hochschule Kempten

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Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, referierte an der Hochschule Kempten zum Thema Klimaschutz.

Kempten - Entwicklungsminister Gerd Müller spricht an der Hochschule Kempten von der "Überlebensfrage der Menschheit".

Dass das Auditorium an der Hochschule mit seinen hunderten Sitzplätzen nicht nur restlos belegt ist, sondern die Zuhörer bereit sind, auf den Treppenstufen Platz zu nehmen, ist kein gewöhnliches Bild im Hochschulalltag. Grund für den Besucherandrang war hoher Besuch: Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, referierte am vergangenen Montagabend zum Thema „Klimaschutz – eine Überlebensfrage für die Erde“. Neben dem ab März 2019 neu ins Amt tretenden Hochschul-Präsidenten Prof. Dr. Wolfgang Hauke, ließ es sich auch der noch amtierende Prof. Dr. Robert F. Schmidt kurz vor seinem Ruhestand nicht entgehen, dem Vortrag des Bundesministers zu lauschen und begrüßte diesen herzlich an der Hochschule. „Klimaschutz hängt eng mit Migration und Flucht zusammen – beides zentrale Themen der Zukunft“, leitete Schmidt kurz in den Abend ein, bevor er das Wort an den Minister übergab. 

Dieser präsentierte sich gleich zu Beginn humorvoll: „Ich gehe davon aus, dass das Mikrofon geht – Hochschule für Technik“, begrüßte Müller die Menge, zeigte sich von vielen Besuchern überwältigt und lobte die Entwicklung der Hochschule von einst einigen hundert zu aktuell über 6000 Studierenden. Als es dann um das eigentliche Thema, das sich rapide wandelnde Klima auf dem Planeten, ging, wurde er ernst und nahm das Wort „Apokalypse“ in den Mund. „Ich bin zuversichtlich, dass unsere Erde überleben wird. Die Frage ist nur, ob wir dann noch Teil davon sein werden“, sagte der Entwicklungsminister und nannte Fakten. 7,5 Milliarden Menschen bewohnen derzeit die Erde, wobei – bereits um die Sterbefälle bereinigt – täglich um die 230.000 Personen hinzukämen. Der Wasser- und Stromverbrauch sowie die Weltwirtschaft haben sich so weit vervielfältigt, dass zur Deckung des Ressourcenverbrauchs schon heute zwei bis drei Erden von Nöten wären. Einen Schuldigen für die prekäre Lage hat Müller gefunden: „Wir, die Reichen, sind die Hauptverursacher des Klimawandels.“ Die Folgen seien gravierend. Der CSU-Politiker erwarte in den nächsten 30 Jahren bis zu 100 Millionen Klimaflüchtlinge, beispielsweise aufgrund steigender Meeresspiegel. Die Artenvielfalt von Flora und Fauna sei bereits jetzt am Schrumpfen und der globale ökonomische Schaden im Jahr 2017 hätte 300 Milliarden US-Dollar betragen. 

„Die Politik muss sich die Frage stellen, ob diese nicht besser in den Klimaschutz investiert gewesen wären, als in die Schadensbegrenzung.“ Daraus ergeben sich für den Entwicklungsminister zwei primäre Fragestellungen, die er als „Überlebensfragen der Menschen“ bezeichnete. Erstens: Wie kann sichergestellt werden, dass genug Nahrung für alle da ist? Und zweitens: Auf welcher Basis ist die Menschheit künftig bereit zu wirtschaften und zu konsumieren, um die Umwelt und das Klima zu schützen? Für Müller ist klar, dass diese Fragen von der Bundesrepublik alleine nicht beantwortet werden können – im Gegenteil. „Deutschland emittiert lediglich zwei Prozent der Treibhausgase weltweit, China 26 Prozent und nimmt jede zweite Woche ein neues Kohlekraftwerk in Betrieb. Und auch die USA sind mit 18 Prozent vorne mit dabei“, so der Minister. Weniger wohlhabende Länder mit einer vergleichsweise hohen Einwohnerzahl wie Indien oder Nigeria produzierten derzeit deutlich weniger. „Dennoch entscheidet sich die Zukunft der Menschheit auf dem afrikanischen Kontinent und in Ländern wie Indien, denn dort wird sich Prognosen zufolge die Einwohnerzahl bis 2050 verdoppeln“, erklärte Müller und warf die Frage in den Raum, was passieren würde, wenn in diesen Regionen, in denen derzeit nur 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung über Elektrizität verfügen, der technische Fortschritt Einzug hält. „Die Menschen dort haben das gleiche Recht auf Strom wie wir hierzulande. Letztlich ist es eine grundlegende Basis für wirtschaftlichen Fortschritt.“ Dennoch habe Deutschland eine Vorbildfunktion und müsse zeigen, dass erneuerbare Energien die Zukunft seien, meinte Müller und verwies darauf, wie schwer es sonst sei auf internationaler Ebene zu argumentieren. „Wie können wir von einem Land wie Indien, das 1,3 Milliarden Menschen zu versorgen hat und über reichlich Kohleressourcen im eigenen Land verfügt, verlangen, in erneuerbare Energien zu investieren, wenn wir es selbst nicht besser machen?“, fragte der Entwicklungsminister und gab ein weiteres Beispiel, wie verflochten Klimaschutz auf globaler Ebene sei: „Es fängt am Morgen unter der Dusche an. 

Entscheide ich mich für Shampoo, unterstütze ich die Rodung des Regenwaldes, denn in dem Produkt befindet sich Palmöl, wofür in Indonesien Plantagen geschaffen werden müssen.“ Der technologische Fortschritt sei noch immer eine Stärke Deutschlands, in die weiter investiert werden müsse, so der Politiker. Er räumte jedoch ein, dass die Elektromobilität ein Stück weit verschlafen wurde. „Ich bin jedoch überzeugt, dass nachhaltigere Mobilitätssysteme mit synthetischen Kraftstoffen die Zukunft bestimmen werden“, meinte er weiter und erwähnte danach die Baubranche, die sich ebenso weiterentwickeln und auf energieärmere Formen des Bauens zurückgreifen müsse. Wie weit Theorie und Praxis häufig auseinanderklafften, offenbarte die auf den Vortrag folgende Diskussionsrunde. Ein Teilnehmer hatte von einem Referenten im Bayerischen Landtag gehört, dass das Klimaschutzgesetz in Bayern größtenteils auf Freiwilligkeit beruhen würde und fragte Müller, was ihn zuversichtlich stimme, dass das kommende Gesetz auf Bundesebene ambitionierter sei. Diese erste Frage aus dem Plenum vermochte der Minister nur indirekt zu beantworten, indem er darauf verwies, dass nur ein verbindlicher Pfad die Lösung sein könne. Auch die nächste Aussage eines Allgäuer Bio-Landwirts war für den erfahrenen Politiker nicht leicht zu entkräften. Der Landwirt erzählte von der Misere, dass ab 2025 die Gülle nicht mehr wie bisher ausgefahren werden dürfe, alternative Methoden jedoch mit dem Einsatz von Lachgas verbunden seien, was 30-fach schädlicher als das problematische Methan sei. „An der Wortmeldung merkt man, wie schwierig es ist, Zielen gerecht zu werden und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, da jede Branche berechtigte Einwände vorzubringen hat“, setzte Müller an und versuchte zu erläutern, dass man hier bei der Intensivlandwirtschaft ansetzen müsse. 

„Mit mir hätte es eine solche Gülleverordnung nicht gegeben. Ich werde mein Möglichstes tun, für das Allgäu eine angepasste Regelung zu finden“, versprach er weiter und erntete Applaus. Viele weitere Themen, wie die Fahrverbote in Städten, die Photovoltaik-Industrie, die von den günstigen Angeboten der Chinesen dominiert würde, obwohl die Technik ursprünglich aus Deutschland stamme und der ökologische Landbau, der im Vergleich zum konventionellen nicht stärker gefördert würde, beschäftigten das Plenum. Der Entwicklungsminister stellte sich allen Fragen, konnte jedoch nicht immer eine befriedigende Antwort liefern. Er hatte schon während seines Vortrags den Mut zuzugeben, dass Politiker nicht immer auf alles eine Antwort haben könnten. Es hatte den Anschein, dass die Mehrheit der Gäste diese Tatsache als legitim erachtete und sich mit den abschließenden Worten Müllers identifizieren konnte: „Es wird immer nur lamentiert. Heute Abend wurde nicht lamentiert. Der Abend hat mir Mut gegeben, ich hoffe, Ihnen auch. Lasst uns aufbrechen, lasst es uns angehen.“ 

Dominik Baum

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