Klimaschutz- und Sozialprojekt vereint

Initiative "100 Euro Ticket auch für Kempten" gegründet

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Benjamin Gras (l.) und Rüdiger Dittmann vertreten die Initiative „100 Euro Ticket auch für Kempten“ nach außen.

Kempten – Im Oberallgäu soll es ab April 2020 ein Nahverkehrsticket für 100 Euro im Jahr geben. So hat es der Kreistag Anfang November einstimmig beschlossen. Für Kempten wird das neue Ticket für den Bus- und Bahnverkehr nicht gelten, da die Stadt andere Möglichkeiten für ein einheitliches Tarifsystem prüft. Doch auch in Kempten gibt es Bürgerinnen und Bürger, die von der 100-Euro-Ticket-Lösung überzeugt sind und sich am 25. November zu einer Initiative zusammengeschlossen haben, an der sich 15 verschiedene Gruppen beteiligen. Der Kreisbote hat bei den beiden Sprechern der Initiative, Rüdiger Dittmann und Benjamin Gras, nachfragt, wie ihr zukünftiges Vorhaben aussieht.

„Unser Ziel ist es, dass Kempten das gleiche Ticket wie das Oberallgäu bekommt“, erklärte der 58-jährige Dittmann. Bis zum 8. März 2020 – und somit bis kurz vor den Kommunalwahlen – will die Initiative so viele Unterschriften wie möglich von Befürwortern sammeln. 

Bei einer ersten Unterschriftensammelaktion im Zuge der Klimademonstration am vergangenen Freitag in Kempten gaben 297 Personen ihre Unterschrift für das Ticket ab, 156 Bürgerinnen und Bürger kamen direkt aus Kempten, 123 aus dem Oberallgäu und die restlichen Stimmen wurden unter anderem von Ostallgäuern gesammelt. „Die Verteilung der Stimmen bestärkt uns darin, dass Kempten und das Oberallgäu ein gemeinsames Ticket brauchen. Wir hoffen, dass die Politiker die Initiative wahrnehmen“, meinte Dittmann, der bereits bei Landrat Klotz und OB Kiechle um persönliche Gespräche gebeten habe. 

Außerdem gebe es seitens des Freistaats ein neues Förderprogramm für flächendeckende Verkehrsverbünde, worüber er die beiden ebenfalls in Kenntnis gesetzt habe. Wer an einer Grundlagenstudie des Freistaats teilnehme, erhalte bis zu 90 Prozent an Zuschüssen. Außerdem würden die teilnehmenden Städte und Landkreise bei positivem Abschluss der Studie auch darüber hinaus bei der Umsetzung der Verbundintegration finanziell unterstützt. 

„Natürlich ist das 100-Euro-Ticket ein Klimaschutzprojekt. Aber es ist eben auch ein Sozialprojekt. Wir wollen aufzeigen, dass beides miteinander vereinbar ist und sich nicht immer gegenseitig ausschließen muss“, betonte der 18-jährige Benjamin Gras, der sich momentan ein Jahr Auszeit nimmt, um sich als „Vollzeitaktivist“, wie er sich selbst bezeichnet, für den Klimaschutz einzusetzen. 

Auf die Frage, ob allein eine Preissenkung zu einer stärkeren ÖPNV-Nutzung beitragen würde oder ob zeitgleich die Taktung von Bus und Bahn optimiert werden müsse, sprach Gras vom „Henne-Ei-Problem“. Man könne entweder zuerst das Angebot optimieren oder den Preis senken, um die Nachfrage zu erhöhen. „Wenn wir es schaffen, dass durch ein günstiges Angebot mehr Personen auf den ÖPNV umsteigen, kann anschließend auch die Taktung erhöht werden“, so Gras. 

Bei den für das Ticket anfallenden Kosten bezog sich Dittmann auf die in einer Sondersitzung des Kreistags vorgestellte Präsentation, wonach die Einführung des 100-Euro-Tickets im Landkreis Oberallgäu mit Zusatzkosten in Höhe von 1,045 Millionen Euro verbunden wäre. Würde sich die Stadt Kempten ebenfalls daran beteiligen, beliefen sich die Gesamtkosten auf 1,9 Millionen Euro. Die Summen bezögen sich jedoch nur auf den Busverkehr. Für den Schienenpersonennahverkehr sei ihm noch keine Kostenhochrechnung bekannt, so Dittmann weiter. 

Letztlich sei es den beiden auch nicht so wichtig, ob das Ticket am Ende des Tages 100 oder 120 Euro kosten wird. „Ich habe seit geraumer Zeit das Gefühl – und das wurde bei der vergangenen Stadtratssitzung bestätigt –, dass bei dem Thema vielmehr übereinander als miteinander geredet wird. Am wichtigsten ist es, eine einheitliche Lösung zu finden, an der alle mitwirken“, forderte Dittmann. Alle Interessierten können auf der Webseite www.100euroticket.de eine Unterschriftenliste herunterladen. Außerdem ist die Initiative noch auf der Suche nach weiteren Gruppen, die das Vorhaben unterstützen wollen. Kontaktmöglichkeiten sind ebenfalls auf der Webseite einsehbar. Bisher mit dabei sind der Bund Naturschutz, der ADFC, der AK ÖKO, der LBV, Greenpeace, Pro Bahn, Unabhängige Bürger, extinction rebellion, Bündnis 90/ Die Grünen, der VCD, Fridays for Future, Parents for Future, Future for Kempten, die ödp und die Naturfreunde Kempten.

Dominik Baum

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