"Unverzichtbares Instrument"

Klimawandel erfordert Starkregengefahrenkarte für Kempten

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Kempten – Eine Starkregenkarte sei eigentlich „ein unverzichtbares Instrument für die Stadtplanung“, denn „wer schonmal drin gestanden hat, wird wissen, das macht Angst“, verdeutlichte Reinhard Beck vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Wuppertal.

Im Auftrag der Stadt hat er eine Starkregenanalyse für Kempten durchgeführt, die aufzeigt, wo Gefahrenstellen für Wasseransammlungen bei Starkregen sind. Denn mit Blick auf den Klimawandel sei in Zukunft mit häufigeren wie auch intensiveren Starkregenereignissen zu rechnen. 

Deren verstärktes Auftreten und Folgen habe in den vergangenen Jahren in bebauten Gebieten zudem bereits hohe Schäden verursacht, auch in Kempten. Laut Statistik müsse zwar nur alle zehn Jahre mit einem Starkregenereignis gerechnet werden, aber das sei eben nur eine Statistik, der er drei Starkregen innerhalb von fünf Jahren in Solingen gegenüberstellte. 

In seiner Präsentation verdeutlichte Beck mit Bildern die Wucht, mit der 2018 Starkregen in seiner Heimatstadt niedergegangen war und erläuterte das Phänomen von überfluteten Straßen und leerer Kanalisation darunter. Das Wasser komme dort schlicht nicht an, da es einfach über die Kanaldeckel hinwegschieße. Wasser von Starkregen sei auch für die Bewässerung verloren, da es „die Erde nicht durchwässert, sondern es „liegt darauf“ beziehungsweise „fließt ab“. 

In die Karten, die Überflutungsschwerpunkte im gesamten Stadtgebiet Kempten aufzeigen, sind Daten zur Landnutzung (Oberflächenparameter), Niederschläge und auch ein digitales Oberflächenmodell inklusive Bestandsgebäuden eingeflossen. Die Analyse der Fließwege und Senken sowie eine 2D-Oberflächenberechnung erlaubt eine detaillierte Einschätzung der Starkregengefahr im Stadtgebiet. 

Für die 2D-Oberflächenberechung wird das Geländemodell direkt beregnet und liefert zu bestimmten Starkregenereignissen zu erwartende Wasserstände im Stadtgebiet. Laut Beck sind für den Innenstadtbereich die tiefer liegenden Innen- und Hinterhöfe typisch, die nur über die Kanalisation (wie weiter oben bereits angemerkt spielen sie bei Starkregen keine Rolle) entwässert würden. Im Starkregenfall sammle sich das Wasser deshalb dort.

Ein besonderes Augenmerk wurde auf öffentliche und vulnerable Einrichtungen wie z.B. Kindergärten, Krankenhäuser oder Altenheime gelegt. Zum Beispiel liegt die Bebauung des Kindergartens und der Jugendkirche im Freudental niedriger als die Straße. Ein gefährdeter Punkt liegt auch an der Max-Schaidhauf-Straße in Sankt Mang, wo die angrenzenden Felder bei Starkregen überfluten. Und auch der Hauptbahnhof liege in einer Senke, die auf der Starkregengefahrenkarte zwar als Überflutungsfläche ausgewiesen sei, bislang aber keine Überflutungen bekannt seien. 

Vielmehr gelte die Parkplatzentwässerung als sehr leistungsfähig. Um Schäden zu vermeiden, empfiehlt Beck, in ermittelten Überschwemmungsbereichen aus Starkregen möglichst auf eine Bebauung zu verzichten. Werde dennoch gebaut, wird eine hochwasserangepasste Bauweise empfohlen, u.a. bezüglich der Baumaterialien, dem Verzicht auf Untergeschosse oder einer Anpassung der Topografie. Erstellt wurde diese Starkregengefahrenkarte für drei Szenarien: einen seltenen, einen außergewöhnlichen und einen extremen Starkregen. Für ein umfangreiches Starkregenkonzept empfiehlt Beck im nächsten Schritt eine auf den Berechnungsergebnissen basierende Risikoanalyse und ein Handlungskonzept. Damit sich Kemptener BürgerInnen gegebenenfalls gegen Starkregen rüsten können, soll die Karte auch öffentlich im Internet zugänglich gemacht werden. 

Christine Tröger

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