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Besuch des Ministerpräsidenten ruft Demonstranten auf den Plan

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Von: Christine Tröger

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Ministerpräsident Markus Söder (mittig mit Krawatte) wird von Demonstranten – pro Radentscheid und gegen den Ausbau der B 12 – auf dem Residenzplatz empfangen.
Ministerpräsident Markus Söder (mittig mit Krawatte) wird von Demonstranten – pro Radentscheid und gegen den Ausbau der B 12 – auf dem Residenzplatz empfangen. © Tröger

Kempten – Eine kleine, ziemlich unscheinbare „Rote-Linie“-Abordnung wartete auf die Ankunft von Ministerpräsident Markus Söder am Stadttheater.

Dort wurde er von den Festgästen als Hauptredner zur Eröffnungszeremonie der 71. Allgäuer Festwoche erwartet.

Nicht zu übersehen und -hören dagegen waren die Demonstranten, die ihn am Residenzplatz erwarteten, den Söder am Kopf des Festzuges auf dem Weg zum Festwochengelände passierte. Mit großen Transparenten und selbstgeschriebenen Pappschildern hatten sich Hunderte von Menschen versammelt, die zum einen ihrem Unmut über den geplanten Ausbau der B 12 zu einer 28 Meter breiten „Allgäu-Autobahn“ mit Trillerpfeife, Fahrradklingeln und Stimmbändern Ausdruck verliehen, zum anderen für den Rad­entscheid warben. Aufgerufen hatten die auch mit Redebeiträgen vertretenen BUND Naturschutz, ­ADFC, ProBahn sowie Fridays For Future, Omas For Future, Freundeskreis für ein familienfreundliches Kempten und die Parteien die Grünen, die Linke und ÖDP.

Landesvorstand BUND Naturschutz Richard Mergner wunderte sich darüber, wie man in einem Land, in dem Teile verdörrten, weiterhin auf Straßenausbau setzen könne. Diesen auch „finanzpolitischen Irrsinn“ wolle man verhindern. Noch vor wenigen Jahren habe Ministerpräsident Söder einen Baum umarmt, setze sich aber heute für eine längere Laufzeit von Atomkraftwerken ein. Mergner vermisste dagegen einen stärkeren Ausbau von erneuerbaren Energien in Bayern und dem Allgäu.

Auch das Allgäu sei von der Klimakrise betroffen, betonte Mergner, dass dies bedeuten müsse: „Energie sparen, Energie sparen, Energie sparen“ bzw. Energie „effizient einzusetzen“. Eine Priorität müsse auf der Elektrifizierung der Bahn liegen und „kein neuer Straßenbau im Allgäu“ lauten.

„Wir können den B 12-Ausbau noch stoppen“, rief er dazu auf, vor Wahlen mit den Kandidaten zu sprechen und die Stimme nur denjenigen zu geben, „wer für eine andere Verkehrs- und Klimapolitik steht“. Momentan würde in diesen Bereichen nämlich leider die der vorangegangenen Politiker fortgeführt, in der Regel mit der Begründung, es sei kein Geld für z.B. die Fortführung des 9-Euro-Tickets da.

Im direkten Gespräch

Verwegen nutzte Michael Finger, stellvertr. ÖDP-Kreisvorsitzender Oberallgäu-Kempten und Vorsitzender BUDN Naturschutz Ortsgruppe Oberstdorf, eine Lücke im Tross und sprach den Ministerpräsidenten direkt an. Es seien „reine Inklusions- und Beteiligungsfakten“ gewesen, die er ihm „um die Ohren gehauen habe“, meinte Finger auf Nachfrage des Kreisboten. Zwar habe Söder gemeint, dass es nicht so schnell gehe, aber er habe ihm das „Versprechen abgenommen die Barrierefreiheit in Bayern innerhalb von zwei Jahren auszubauen“. Und daran „wird er gemessen“, schmunzelte Finger.

Die Redner hatte Söder verpasst, denn als letzter hatte Mergner kurz vor dessen Eintreffen das Mikro aus der Hand gelegt. Der lautstarke Protest der friedlichen Demonstranten war jedenfalls auch für Ministerpräsident Markus Söder in Begleitung des Bayerischen Gesundheitsministers Klaus Holetschek, Oberbürgermeister Thomas Kiechle und den weiteren zahlreichen Festgästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hörbar.

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