Kliniken auf Partnersuche

Kreiskliniken Unterallgäu wollen künftig mit Kempten/Oberallgäu sondieren

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Schließt sich der Klinikverbund Kempten Oberallgäu künftig mit den Kreiskliniken Unterallgäu zusammen?

Allgäu – Zwölf Jahre haben die Fusionsgespräche zwischen den Kreiskliniken Unterallgäu und dem Klinikum Memmingen schon angedauert. Nun scheinen sie vorläufig beendet. Wie der Verwaltungsratsvorsitzende der Kreiskliniken Unterallgäu Landrat Hans-Joachim Weirather

am Dienstag vergangener Woche an Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder schrieb, hat „der Verwaltungsrat nach eingehender Diskussion entschieden, die Verhandlungen mit der Stadt Memmingen auszusetzen und in Sondierungsgespräche mit dem Landkreis Oberallgäu und der kreisfreien Stadt Kempten einzutreten.”  Eine Fusion des Klinikum Memmingen mit den Kreiskliniken in Mindelheim und Ottobeuren scheint in weite Ferne gerückt.

Dabei hatten sich die Beteiligten viele Vorteile von einem Zusammenschluss erhofft. Neben dem Wegfall des Wettbewerbs zwischen den Häusern hätten auch Kosten bei Einkauf und Verwaltung eingespart werden können. Mit verschiedenen Spezialabteilungen verteilt auf die drei Häuser wollte man eine medizinische „Vollversorgung“ anstreben, sodass Patienten sich nicht in München oder Augsburg operieren lassen müssen. Zuletzt war zum Beispiel die Rede davon gewesen, dass ein Endoprothetik-Zentrum in Ottobeuren und ein Traumazentrum in Memmingen eingerichtet werden könne. Einer Hauptabteilung für Neurochirurgie in Memmingen hatte das Bayerische Gesundheitsministerium bereits zugestimmt. Auch für Ärzte sind Spezialabteilungen attraktiv und somit auch für die Patienten.

Weirather teilte in seinem Schreiben mit, dass am Montag vor einer Woche der Verwaltungsrat ausführlich über die strategische Weiterentwicklung des Kommunalunternehmens Kreiskliniken Unterallgäu beraten habe und dabei den Verhandlungsabbruch beschlossen habe.

Noch Ende September hatten sich Vertreter des Landkreises, der Stadt Memmingen sowie der Direktorien der Kreiskliniken und des Klinikums Memmingen in einer internen Sitzung getroffen, die von Oberbürgermeister Manfred Schilder und verschiedenen Kommunalpolitikern als „auf dem richtigen Weg” aufgenommen wurde. Die Fusion des Klinikums Memmingen mit den beiden Kreiskliniken in Mindelheim und Ottobeuren schien damit in greifbare Nähe gerückt. Eine Einschätzung, die der Verwaltungsrat anscheinend nicht teilt.

„Mein und unser Bemühen zu einer engen Zusammenarbeit mit der Stadt Memmingen im Bereich der Kliniken zu kommen, reicht bis in das Jahr 2006 zurück. Ernüchtert stelle ich fest, dass alle Anstrengungen ohne Erfolg blieben. Auf Phasen der Hoffnung folgten immer wieder herbe Rückschläge”, schreibt Weirather. Der Verwaltungsrat sei aber mehr denn je der einhelligen Überzeugung, dass den Herausforderungen im Krankenhauswesen nur im Schulterschluss mit einem anderen kommunalen Partner begegnet werden kann. Diesen sieht der Verwaltungsrat anscheinend in Zukunft eher im Klinikverbund Kempten/Oberallgäu, der die Häuser in Kempten, Immenstadt, Sonthofen und Oberstdorf betreibt.

Die Aufnahme der Sondierungsgespräche mit dem Klinikverbund Kempten/Oberallgäu sei ausdrücklich keine Absage an die bestehenden, medizinisch notwendigen und sinnvollen Kooperationen, heißt es in Weirathers Schreiben weiter. „Vielmehr ist mir sehr daran gelegen, die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt Memmingen und dem Landkreis Unterallgäu in den vielfältigen Handlungsfeldern zu pflegen und weiterzuentwickeln.”

Positive Signale

Im Oberallgäu steht man Gesprächen mit den Kreiskliniken offen gegenüber. „Vor dem Hintergrund der sich im Gesundheitswesen stetig wandelnden Herausforderungen und aufgrund der positiven Erfahrungen beim Zusammenschluss des Klinikums Kempten mit den Kliniken das Landkreises Oberallgäu im Jahr 2014 sind die kreisfreie Stadt Kempten und der Landkreis Oberallgäu zur Aufnahme solcher Gespräche gerne bereit“, schreibt der Aufsichtsratsvorsitzende Gebhard Kaiser.

Angestrebt würden laut Kaiser strukturell sinnvolle Größenordnungen und „echte Verbundstrukturen“ durch eine gesellschaftsrechtliche Verbindung der drei Gebietskörperschaften (Kempten – Oberallgäu – Unterallgäu) in 100-prozentiger kommunaler Trägerschaft. Medizinische Kooperationen insbesondere mit Memmingen sollen weiter forciert werden, heißt es vom Klinikverbund.

Situation neu bewerten

„Wir sind überrascht über die Entscheidung und bedauern diese sehr. Jedoch kann ich auch meine Enttäuschung darüber nicht verhehlen”, teilte Oberbürgermeister Manfred Schilder im Gespräch mit dem Kurier mit. Jetzt gelte es in Memmingen, die neue Situation in den entsprechenden Gremien zu bewerten und dann eine Entscheidung zu treffen, wie es mit dem heimischen Klinikum weitergehen soll. Allerdings sei für ihn mit diesem Schreiben das Thema Fusionsgespräche mit den Kreiskliniken Unterallgäu vorerst vom Tisch. Gespräche mit dem Oberallgäu stehen indes unmittelbar bevor, so Weirather.

Michaela Breuninger (MK) / Susanne Kustermann

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