Tag der offenen Tür

Viele interessierte Besucher

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An einer Puppe können die Besucher die Herzdruckmassage üben.

Kempten – Längere Wartezeiten für Notfallpatienten sollen am Klinikum Kempten der Vergangenheit angehören. Am 30. September eröffnet in einem neu errichteten Gebäudekomplex die zentrale interdisziplinäre Notaufnahme (Zina).

Drei Tage zuvor zieht die Radiologie des Krankenhauses in das darüber liegende Stockwerk um. Beim Tag der offenen Tür am vergangenen Samstag besichtigten viele Besucher die neuen Räume.

Die neue Notaufnahme erstreckt sich auf einer Fläche von 742 Quadratmetern. Dazu gehören zwei Schockräume, acht Behandlungsräume, drei Eingriffsräume und ein großer Überwachungsraum mit acht Betten. Dort kontrollieren Ärzte und Pflegekräfte über Monitore das EKG, den Blutdruck und die Sauerstoffsättigung der Patien-ten. Im Triage-Raum für die Ersteinschätzung stellen die Mediziner die Dringlichkeit der Behandlung fest. Weitere Neuheiten sind das digitale Notfallröntgen in den Schockräumen und der Computertomograf für Notfälle. Die Radiologie hat nun auf 931 Quadratmetern Platz. Die diagnostischen Geräte stehen zum Teil noch im Altbau. Neu ist die Angiografie, ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Gefäßen.

Die Kosten für den Neubau, der zwei Jahre dauerte, belaufen sich auf rund 30 Millionen Euro. „Eine unserer Hauptziel-setzungen der Baumaßnahmen war es, ein hochmodernes, zentrales Traumazentrum an einem Klinikstandort effizient zu organisieren und in den Klinikbetrieb optimal zu integrieren“, sagte Andreas Ruland, Geschäftsführer des Klinikverbunds Kempten-Oberallgäu. In den vergangenen drei Jahren habe sich die Anzahl der behandelten Patienten in der Notaufnahme um 25 Prozent erhöht. Die Prognose bis zum Jahresende liege bei über 30 000 Notfallpatienten. „Auch in der Radiologie nahmen die untersuchten Patienten von 2010 bis 2012 um 13 Prozent zu. Bis zum Jahresende erwarten wir insgesamt 26 000 Patienten, die in der Radiologie untersucht wurden“, erklärte Ruland.

Die Notaufnahme sei aufgrund der neuen Lage deutlich besser zu erreichen und biete für die Rettungsdienste optimale Bedingungen. „Die top-moderne Ausstattung und Infrastruktur ermöglichen einen verbesserten Betriebsablauf für eine optimale Versorgung unse-rer Notfallpatienten, somit profitieren auch die Mitarbeiter- innen und Mitarbeiter davon. Es ist unser Ziel, durch eine enge fachübergreifende Zu-sammenarbeit aller Disziplinen und durch kurze Wege die Qualität der medizinischen Versor-gung der Bevölkerung weiter zu verbessern“, so Ruland.

„Wir alle sind sehr froh, jetzt diese großzügig gestalteten und perfekt ausgestatteten Räume der neuen Zina zu bekommen und somit unser neues endgültiges Heim beziehen zu können“, betonte Dr. Dagmar Strauß, ärztliche Leiterin der zentralen Notaufnahme. Die Gruppe der Ärzte aus dem Fachbereich der Inneren Medizin und Unfallchirurgie sei eine Mischung aus Kollegen, die dauerhaft in der Notaufnahme arbeiten, und Rotationsassistenten, die das Team meist für ein halbes Jahr begleiten. Professor Andrik Aschoff, Chefarzt der Radiologie, freute sich über die neuen Geräte. „Allen ist gemeinsam, dass wir dank innovativer Technik mit noch weniger Röntgenstrahlung als bisher auskommen können, was bei gleichzeitiger Verbesserung der Bildqualität zukünftig allen 24 000 und mehr Patien-tinnen und Patienten des Klinikums pro Jahr zu Gute kommen kann.“

Den Besuchern war beim Tag der offenen Tür viel geboten. Unter der Anleitung von Rettungssanitätern konnten sie an einer Puppe die Herzdruckmassage üben, was sich für alle nach wenigen Minuten als schweißtreibende Arbeit erwies. Viele Kinder ließen sich im Gipsraum den Unterarm eingipsen. Auf dem Vorplatz führten der Rettungsdienst und die Freiwillige Feuerwehr Kempten vor, wie man einen Verletzten aus einem Unfallfahrzeug befreit. Peter Fraas, Leiter des Ret-tungsdienstes des Roten Kreuzes Kempten, erläuterte die Ausstattung eines Notarztwagens. Er zeigte Interessierten einen Überwachungsmonitor für das EKG, der auch als Defibrillator dient, ein Beatmungsgerät mit verschiedenen Beatmungs-rhythmen, einen Notfallkoffer mit Verbandszeug und Medikamenten zum Spritzen, eine Absaugpumpe und eine Knochenbohrmaschine, die nötig ist, falls kein Venenzugang gelegt werden kann.

„Die Wärmebehandlung mit Wärmedecke ist gerade bei Schwerstverletzten notwendig, da sie schnell auskühlen“, erklärte die Orthopädin und Unfallchirurgin Dr. Nicole Zirkel in einem der Schockräume. Mit dem digitalen Röntgengerät dort werde beispielsweise bei Thoraxverletzungen überprüft, ob die Lunge kollabiert ist und so eine Drainage gelegt werden muss.

Franziska Kampfrath

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