Gut aufgestellt

Der Klinikverbund Allgäu ist bereit für Covid-Patienten

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In „Prä-Zelten“ vor den Notaufnahmen in Kempten, Immenstadt und Mindelheim werden eintreffende Patienten einer ersten Sichtung unterzogen, bevor sie die Klinik betreten.

Kempten/Allgäu – Angesichts des erwarteten Anstiegs an Covid-19-Patienten, klingt es fast schon beruhigend, dass alle Häuser des Klinikverbunds Allgäu derzeit halbleer sind.

Auf Nachfrage sprach Geschäftsführer Andreas Ruland von einer insgesamt 40prozentigen Auslastung der Verbundskliniken Kempten, Immenstadt, Mindelheim, Ottobeuren, Oberstdorf und Sonthofen. Da man dem Aufruf gefolgt sei, alle elektiven Operationen auszusetzen, seien genügend freie Kapazitäten vorhanden, um Covid-19-Patienten aufnehmen zu können. Seit einigen Tagen stehen zudem „Prä-Zelte“ vor den Notaufnahmen in Kempten, Immenstadt und Mindelheim, in denen alle eintreffenden Patienten einer Sichtung unterzogen werden. Das Ziel ist, die an COVID-19 erkrankten Patienten frühzeitig zu identifizieren und von den anderen zu isolieren noch bevor sie die Klinik betreten (siehe Kreisbote vom 28. März 2020, S. 14). 

900 Menschen sind dem Helferaufruf bislang gefolgt 

Dass Zeiten wie diese auch Gutes hervorbringen, zeigt sich Ruland unter anderem an der großen Resonanz, die dem Aufruf gefolgt ist, sich als freiwilliger Helfer zu bewerben. Unter den bislang 900 Bewerbern seien sogar „200 mit medizinischer Asubildung“. Stand 1. April gibt es im Klinikverbund 21 nachgewiesene Covid-19-Patienten. Insgesamt fünf (dem insgesamt „klaren Bild“ folgend) ältere Menschen sind laut Ruland „mit“ Corona verstorben, d.h. der Virus hatte sich zu einer meist schweren Vorerkrankung gesellt. Geändert sind inzwischen die urspünglichen Vorgaben, Menschen aus „definierten Ländern mit Symptomen“ auf Covid-19 zu testen, da es, so Ruland, „jetzt nur noch ganz wenige Reiserückkehrer gibt“. Prinzipiell führt der Weg zum ambulanten Test über den Hausarzt (telefonisch anmelden) und das Gesundheitsamt, das gegebenenfalls an eine der Drive-in-Teststellen überweist, wo Speichel für einen sogenannten PCR-Test, der explizit nur auf für Covid-19 verantwortliche Coronaviren anspreche, abgestrichen wird. Die oft gehörte Kritik, PCR-Tests seien unsicher, bestätigt Ruland nicht. Sie seien vielmehr ziemlich sicher, abhängig „von der Qualität des Abstrichs“, da die Virenmenge nicht an allen Stellen gleich seien. 

Laborkapazität hoch, aber nicht ausreichend 

Wie Ruland betont, sind die Laborkapazitäten in Deutschland zwar „im internationalen Vergleich sehr hoch“, aber mit 350.000 bis 400.000 pro Woche „noch limitiert“ und nicht ausreichend. Es würden aber derzeit neue Verfahren entwickelt, mit denen auch schneller getstet werden könne. Als „Top-Standard“ bezeichnete Ruland die Versorgungssituation in Deutschland, das mit 258.000 Intensivbetten (kurz nach dem Gespräch kam die Meldung, dass Deutschalnd auf 40.000 Intensivbetten aufgestockt habe) – zum Vergleich nannte er insgesamt 5000 Intensivbetten in Italien – international „sehr gut aufgestellt ist“.

Lagebericht (Stand: 1. April)

Übersicht über die in den Kliniken behandelten COVID-Patienten (tagesaktuelle Zahlen unter www.kreisbote.de): Kempten: 4 (davon 1 Intensiv) Immenstadt 6 (davon 3 Intensiv) Mindelheim: 7 (davon 3 Intensiv) Ottobeuren: 4 (davon 1 Intensiv) Oberstdorf: 0 Sonthofen: 0

Christine Tröger

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