Mehr Leistungen und stärkere Nachfrage führen zu Versorgungsengpässen

Klinikverbund: 100 Prozent Auslastung – mehr geht nicht

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Auch 2017 wird im Klinikverbund Kempten-Oberallgäu kräftig investiert: Neue Operationssäle in Kempten und Immenstadt, Umbau des Gesundheitszentrums Immenstadt (GZI), Neubau der Pathologie in Kempten und eine Erweiterung um 30 Betten am Klinikum Kempten.

Kempten/Landkreis – Für jeden Unternehmer wäre es ein Anlass zur Freude. 100 Prozent Auslastung bedeutet vollständige Inanspruchnahme der vorhandenen Produktionskapazitäten. Aber ein Krankenhaus ist kein Unternehmen, das nach diesen Prinzipien funktioniert. Ein Krankenhaus ist kein Standort, an dem Gesundheit produziert wird, ein Krankenhaus ist ein Ort, an dem Behandlungsmöglichkeiten für den Krankheitsfall vorgehalten werden sollen. Bei 100 Prozent Auslastung gibt es aber nicht mehr viel Spielraum für Notfallpatienten. Vor diesem Problem standen am Mittwoch zum wiederholten Male die Verantwortlichen am Klinikum Kempten.

Es war ein schwieriger Spagat, den Aufsichtsratsvorsitzender Gebhard Kaiser und Klinikverbund-Geschäftsführer Andreas Ruland zu bewältigen hatten. Einerseits durften sich Kaiser und Ruland über die hohe Inanspruchnahme der Allgäuer Krankenhäuser und die gute Auslastung der Betten freuen, was sich wiederum positiv im Geschäftsbericht des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu wiederspiegelt. Auf der anderen Seite waren sie wiederholt mit einer Ausnahmesituation konfrontiert: 100 Prozent Auslastung. Das bedeutet, dass kein reguläres Bett mehr zur Verfügung steht. Und für Notfallpatienten kann das bedeuten, dass sie nicht im nächstgelegenen Krankenhaus in Kempten aufgenommen werden, sondern in dem Krankenhaus, in dem freie Behandlungskapazitäten zur Verfügung stehen. Der Geschäftsführer des Klinikverbundes bestätigte, dass am Mittwochmorgen eine solche 100-Prozent-Auslastung eingetreten war und das Krankenhaus Kempten vorübergehend bei der Integrierten Leitstelle abgemeldet war.

Dieses Detail macht deutlich, dass für ein Krankenhaus nicht die selben ökonomischen Regeln gelten können wie für eine Brauerei oder ein Maschinenbauunternehmen. Trotzdem dürfen sich natürlich alle Verantwortlichen freuen, wenn sich die Investitionen in Menschen, Infrastruktur und Ausstattung in einer zunehmenden Wertschätzung bei Patienten und Angestellten niederschlägt. Und dazu hatten Ruland und Kaiser reichlich Anlass. „Es ist sehr erfreulich, dass das Vertrauen der Patienten in die medizinische und pflegerische Behandlung unserer Kliniken weiter zunimmt“, so Ruland.

Mit einem geplanten Umsatz von 200 Millionen Euro und angepeilten 3030 Arbeitsplätzen gehört der Klinikverbund zu den größten Arbeitgebern in der Region. Auf die gestiegene Inanspruchnahme der Krankenhäuser und ihrer medizinischen Leistungen reagierte der Klinikverbund mit neuen Arbeitsplätzen. So wurden im vergangenen Jahr 123 neue Mitarbeiter eingestellt, davon 25 AbsolventInnen der Krankenpflegeschule Kempten. Für das laufende Jahr sind weitere Neueinstellungen geplant. Kräftig investiert wird aber auch in die Infrastruktur. Für die Modernisierung der Klinikstandorte wurden seit 2012 98,7 Millionen Euro ausgegeben und im Jahr 2017 geht diese Entwicklung weiter: Im Rahmen des „Tages der offenen Tür“ werden der Öffentlichkeit am Samstag, 11. Februar, die neuen Operationssäle am Klinikum Kempten präsentiert und schon im Frühjahr beginnen die Bauarbeiten für eine Erweiterung um 30 Betten. In Immenstadt wird der OP-Bereich ebenfalls durch einen Erweiterungsbau vergrößert. Umfangreiche Baumaßnahmen stehen für das Gesundheitszentrum Immenstadt (GZI) an.

Damit diese Investitionen in diesem Umfang möglich sind, leisten die Stadt Kempten und der Landkreis Oberallgäu einen bedeutenden Beitrag. „Die Träger des Klinikverbunds halten es für wichtig, den Klinikverbund finanziell zu unterstützen um die Standorte zu erhalten und deren Zukunftsfähigkeit zu sichern“, erläuterte Aufsichtsratsvorsitzender Kaiser.

Klinikverbund Kempten-Oberallgäu 2016 (Veränderung zum Vorjahr):

Stationäre Behandlungen: 44.215 (+1,5 Prozent)

Mitarbeiter (mit Tochtergesellschaften): 2976 (+123)

Umsatz: 168,9 Mio. Euro

Materialaufwand: 47,16 Mio. Euro

Jahresüberschuss: 993.000 Euro (+13 Prozent)

Geplante Investitionen in 2017: 20,813 Mio. Euro

Michael Schropp

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