Kemptener Schüler werden für das Klauen einer griechischen Fahne bestraft und schreiben ein Buch darüber

"Knast und Kater" auf Korfu

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Julian Knischek (l.) und Roland Haug (M.) erzählten Moderator Dr. med. Johannes Huber (r.) von ihrem Fauxpas bei der letztjährigen Klassenfahrt auf die griechische Insel Korfu. Das dortige Herabnehmen der Fahne Hellas wurde unter anderem vor dem Hintergrund der griechischen Staatsschiuldenkrise mit nur wenig Verständnis aufgenommen.

Kempten/Korfu – Julian und Roland sind zwei ganz normale Allgäuer Burschen. Beide haben Spaß am Leben, lassen es gelegentlich mal richtig krachen und hatten auch schon erste Erfahrungen mit Alkohol. Zuviel Alkohol. Letztes Jahr hatten die beiden es dann in all diesen Punkten so übertrieben, dass sie dafür in den Knast kamen. In Griechenland. Auf Korfu. Für das mutwillige Herabnehmen der blau-weiß gestreiften Fahne Hellas, ausgerechnet vom Fahnemast auf der Festung Korfu, einer Stätte, ausgelobt als Weltkulturerbe durch die Vereinten Nationen.

Die beiden letztjährigen Abiturienten des Allgäu Gymnasiums weilten nämlich 2015 auf „Klassenfahrt“ auf Korfu, wo sie es in Begleitung ihrer Schulkameraden, so Julian Knischek: „…nach dem ganzen Abistress mal so richtig abgehen lassen wollten.“ An einem Abend dieser Hellassause, die beiden hatten in der Hotelkoje mit heimischem Bier und griechischen Ouzo vorgeglüht, reifte in beiden die Überzeugung doch auf die abgesperrte Feste Korfu zu pilgern und dort die Fahne der Helenen vom Fahnenmast herunterzunehmen, diese einzurollen und ins Hotelzimmer als Souvenir mitzunehmen. Gesagt, getan. Zurück im Hotel erhielten beide allerdings noch in selbiger Nacht Besuch der örtlichen Gendarmie, die beide Burschen mit aufs Polizeirevier nahmen.

Vergessenes Smartphone überführt die beiden

Der schnelle, für Griechenland eher untypische Fahndungserfolg, resultierte weniger auf einer polizeilichen Glanzleistung, als auf dem Wiederauftauchen von Roland Haugs Smartphone. Der hatte nämlich solches am Fahnenmast liegengelassen…Nach einigen Irrungen und Verwirrungen wurden beide der Tat überführt, erhielten zwei Tage Arrest im örtlichen Knast und in einer später anberaumten Gerichtsverhandlung wurden beide zu Bewährungstrafen verurteilt.

Interessierte können nun das Abenteuer von Julian Knischek und Roland Hauk in einem amüsanten Buch selbst nachlesen. „Knast & Kater“, so heißt das Buch der beiden Jungautoren, die sich selbst „…als nur mäßig motivierte Schüler“ bezeichnen würden. Erschienen ist das Buch im Lutzi Verlag Allgäu aus Betzigau und die Premiere des Buches wurde am vergangenen Sonntag in der Autofabrik Allgäu vom Brosch Autohaus gefeiert. „Als mir mein alter Bekannter von der Geschichte erzählte, dachte ich als Herausgeber des Mondscheinkalenders, dass es eigentlich nicht zu mir und zu meinem Verlag passt, aber die beiden Burschen und ihre Geschichte hatten mich schnell überzeugt, deren Abenteuer auf Korfu als Buch zu verlegen“, sagt Andrea Lutzenberger aus Betzigau.

Geführt wurde das humorige Premieren-Interview mit den beiden Allgäuer Burschen von Dr. med. Johannes Huber, der selbst drei Söhne hat und daher ein gewisses Grundverständnis für die Abenteuer der jungen Männer aufbrachte. „Knast & Kater“ ist kein Aspirant auf den Nobelpreis, aber das Buch ist ein amüsanter Zeitverteib. Es gewährt Einblicke in die Welten junger Abiturienten aus dem Allgäu und zeigt, dass „Reife“ bisweilen wohl erst Jahre nach dem Abitur heranreift. „Non scholae, sed vitae discimus“ („Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“) oder so ähnlich. „Knast & Kater“ kann über den Lutzi Verlag Allgäu bezogen werden.

Jörg Spielberg

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