Koks-Prozess wird kommenden Freitag fortgesetzt

Noch viele offene Fragen

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Gut bewacht von seinen Kollegen wird der wegen Drogenbesitz angeklagte ehemalige Leiter der Drogenfahndung Armin N. (hinten re.) in den Gerichtssaal geführt.

Kempten – Woher stammen die Drogen, die im Spind des wegen Drogenbesitzes, Körperverletzung, Vergewaltigung und Trunkenheitsfahrt angeklagten Armin N., der bis zu seiner Inhaftierung im Februar 2014 Leiter der Kemptener Drogenfahndung war, gefunden wurden?

Wie berichtet war es im Vorfeld des Prozesses zwischen dem Angeklagten und seiner Ehefrau bezüglich der ihr zugefügten Misshandlungen zu einer Absprache gekommen, die sich strafmildernd für den geständigen Armin N. auswirkt und ein Urteil bereits am dritten Prozesstag, am 9. Februar, ermöglichen könnte. Als Angebot stellte dessen Verteidiger Wilhelm Seitz dem Gericht ein zweites Geständnis in Aussicht, zur Herkunft der gefundenen 1,8 Kilo Kokain.

Bislang steht als Aussage im Raum, dass Armin N. das Kokain zu Schulungszwecken aus der Asservatenkammer erhalten habe und das vermutlich schon vor rund zehn Jahren. Bereits in einem Bericht vom 12. März 2014 in Focus-online heißt es, dass die zuständige Staatsanwaltschaft München I diese Aussage nicht für glaubwürdig halte. „Unserer Meinung nach ist das sehr unwahrscheinlich. Wenn Kokain zu Schulungszwecken weitergegeben wird, handelt es sich dabei um Mengen im Gramm-Bereich“, wird Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch in genanntem Artikel zitiert.

Weiter verweist die Journalistin Linda Wurster darin auf Recherchen des Politmagazins „Kontrovers“ des Bayerischen Rundfunks, die ergeben hätten, „dass der Hauptkommissar die Drogen selbst gekauft haben soll“, wie dessen Ehefrau ausgesagt habe. In jener „Kontrovers“-Sendung vom 12. März 2014 spricht der BR-Reporter Oliver Bendixen zudem von einem Fund „erstaunlich reinen Kokains“.

In der Anklageschrift dagegen ist die Rede von einem durchschnittlichen Wirkstoffgehalt von lediglich circa 23,5 Prozent. Andreas Ulrich schreibt am 10. Oktober 2014 auf Spiegel-online, dass der Stoff wohl nicht „aus den letzten großen Sicherstellungen aus 2002 und 2004, die eine solche Menge rechtfertigen können“, stamme. Auch stimme die Konsistenz des bei Armin N. sichergestellten Kokains mit den in diesem Zeitraum beschlagnahmten Kokainqualitäten nicht überein. Weiter heißt es, ein Indiz dafür, dass Armin N. mit dem Stoff auch gedealt haben könnte, sei, dass dieser „zahlreiche Reisen zu Raver- und Techno-Partys meist bar bezahlt habe, ohne entsprechende Summen vom Konto abzuheben“. Einen dienstlichen Grund zum Besitz des Kokains hatte der Angeschuldigte auch laut Anklageschrift nicht. Was die Drogen betrifft beschränkt sich die Anklage gegen Armin N. auf: „unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“. In wie weit es da für das Gericht überhaupt von Interesse und Relevanz ist, die Herkunft der Drogen zu erfahren?

Noch ergibt das Verfahren jedenfalls kein allzu stimmiges Bild. Vieles liegt (noch?) im Dunkeln. Unter anderem, was es mit den DNA-Spuren auf sich hat, die auf der Verpackung des sichergestellten Kokains gefunden wurden und von einer Polizistin stammen, mit der Armin N. vor seiner zweiten Ehe eine Beziehung hatte. Gegen die Ex-Geliebte, die in einer anderen Dienststelle arbeitete als der Angeklagte, wird gesondert ermittelt. Am kommenden Freitag, 6. Februar, wird der Prozess gegen Armin N., ab 9 Uhr, im Landgericht Kempten fortgeführt.

Von Christine Tröger

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