20 000 kommen zum Gaudiwurm

Die Sulzberger Chinesen zogen mit einem rund 20 Meter langen Drachen am Samstag beim Kemptener Faschingsumzug durch die Innenstadt. Fotos: laz

Da lachten und scherzten sie, nahmen an der Rathausecke ein Bad an der Sonne: Rottachgilde-Faschingspräsident Horst Bräuninger und Bürgermeister Josef Mayr: „Besser hätte auch an diesem Samstag der Umzug durch das Herz der Stadt Kempten gar nicht laufen können“, sind sich beide einig. „20 000 Zuschauer waren es bestimmt gewesen, die über 60 Wagen und Fußgruppen begeistert in Empfang nahmen“, zog der Narrenboss sein erstes Fazit. Und er lobte Petrus einmal mehr für dessen Wohlwollen gegenüber der heimischen Faschingsgilde.

Von diesem guten Draht nach oben sind auch die „Seejockel“ aus dem „internettesten Stadtteil von Neu-Ulm“ überzeugt. „Zum siebten Male sind wir Pfuhler in Kempten dabei, und so gut wie immer hatten wir hier tolles Wetter, viele Zuschauer und wunderbare Stimmung!“, freut sich Präsident Stefan Mayer. Immerhin war er gleich mit 100 Mitgliedern seiner Narrenzunft im Allgäu – zum Hofstaat gesellten sich Seegeister, Venezianer und natürlich Clowns. (Die Clown-Damen der Rottachgilde waren übrigens nicht ganz so gut drauf, denn Teile des Publikums hätten nicht die richtige „Eintritts-Zahlungsmoral“ gezeigt, hieß es). Wenig war es ja nicht gerade, was da, angeführt vom Spielmannszug der hiesigen Feuerwehr, über die Pflaster marschierte und fuhr. Da sorgten auch noch andere für deftige und fröhliche Narrenmusik, man denke nur an die Musikkapellen aus Lenzfried und Sankt Mang, oder an die Verfechter echter Guggamusik, die aus Wuchzenhofen und der Ostalb. Dazwischen gerieten die Altusrieder Wetterhexen mit ihren knallroten Kopftüchern ebenso zum Hingucker wie 30 wuschlige, umtriebigen Löwen des Reitvereins aus demselben Ort. Mit ihrer Mähne entgingen sie wohl den rustikalen Gorillas, die viele junge Damen in einen „Blondinenkäfig“ sperrten. Andere mischten das Volk etwas sanfter auf, schlängelten sich mittendurch. So auch die „Sulzberger Chinesen“ mit einem rund 20 Meter langen Drachen, den die lustigen Männer und Frauen auf Stöckchen hoch über den Köpfchen zirkulieren ließen. Mit teils hohen Luftsprüngen machten die Dietmannsrieder Wühlmäuse auf sich aufmerksam. Und neben ihrem bunt verzierten Wagen gab’s auch Musik der Marke „Eigenbau“. Mit viel Engagement warben die rund 30 Hexen aus Lauben. Die Plakate auf ihrem Wagen, mit dem sie stets gerne auch Bürgermeister Berthold Ziegler am Gumpigen Donnerstag besuchen, verraten das Anliegen der Frauen: Wie kriegen wir die Leute nur von Sofa und TV-Kiste weg, damit sie die vielen attraktiven Angebote der Vereine vielleicht doch noch nutzen?, ist der Grundtenor. Dagegen muss Annemarie Hörl ihre Leute nicht zweimal bitten: Die Präsidentin der Ostallgäuer Faschingshochburg Ronsberg schöpft aus dem Vollen, kann an einem Tag gleich drei Gruppen an verschiedene Umzugsorte schicken. Wobei die flott eingekleideten Gardemädels die meisten Blicke auf sich zogen. Beim folgenden Prinzenpaar fetzten die Kinder eher wegen den Süßigkeiten mit. Später fegten Mitarbeiter des Kemptener Bauhofes die breite Spur aus Konfettiregen, Tierfedern und sonstigem Abfall-Allerlei. Der Fasching verliert seine Spuren – und das Rottachgilde-Prinzenpaar Carolin I. und Kevin I. ist dabei, die fünfte Jahreszeit gebührend zu verabschieden.

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