Gratiskonzert zum Start

"Jazzy" Groove weht durch die Stadt

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Jazz aus Frankreich: Emile Parisien Quartet.

Andreas Schütz blickt zufrieden auf das Programm, das vom 29. April bis 7. Mai in gut 60 Konzerten auf rund 40 Bühnen mit verschiedensten Stilrichtungen des Jazz zu hören sein wird. Er ist einer der drei „Booker“ und neben Tiny Schmauch, und Josef Ego zuständig für den Spielplan.

Wenn das Wetter – wie, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eigentlich ja jedes Jahr – passt, können sie und ihre vielen Helfer, die alljährlich als Arbeitskreis Jazzfrühling die Ärmel hochkrempeln, davon ausgehen, dass der Auftakt mit zahlreichen Gratiskonzerten vorwiegend unter freiem Himmel in der Innenstadt, einer Marching Band und Hauptbühne auf dem Rathausplatz, auch diesmal ein Selbstläufer wird. Heuer ist das Wetter wohl eher eine Zitterpartie bis zum Schluss.

Schwerer ist es, einige der Konzertsäle zu füllen, wie sich in den vergangenen Jahren gezeigt hat. So wurde immer wieder umstrukturiert, „bewusst“ auch in diesem Jahr, wie Schütz im Gespräch mit dem Kreisboten sagte. Nach der Kürzung um zehn Veranstaltungen im letzten Jahr, sind es heuer nochmals drei weniger. Zum Beispiel mache es „kaum Sinn“ am traditionell besucherschwachen Montag weiterhin sieben Veranstaltungen anzubieten. Die Verkaufszahlen nennt Schütz auch als Grund für die Streichung des Jazzballs, der seines Erachtens gut laufen könnte, wenn man „ein richtiges Event daraus macht“. Das sei aber auf ehrenamtlicher Basis kaum zu stemmen, da sich von den Ehrenamtlichen „keiner drei Wochen lang um nur eine Veranstaltung kümmern“ könne.

Top-Act als Auftakt

Alternativ gibt es diesmal drei statt der bisher zwei großen Konzerte im Stadttheater. Und auch hier gibt es gleich ein Novum, das allerdings rein organisatorischen Gründen geschuldet ist: das Hauptkonzert findet 2017 nicht am Ende des Festivals statt, sondern gleich am ersten Abend (Sa., 29.04., 20 Uhr) und dieser Abend verspricht einer der ganz „heißen“ zu werden. Einmal weil die Musiker von „Sakésho“ (im kreolischen Jargon soviel wie „es wird heiß werden“) mit dem Steelpan Virtuosen Andy Narell, Mario Canonge (Piano), Michel Alibo (Bass) und Jean Philippe Fanfant (Drums) ­Beguine-Rhythmen der französischen Karibik versprühen werden. Darüber hinaus wird die Ikone des afro-kubanischen Jazz mit von der Partie sein: der kubanischen Saxofonist, Klarinettist und 14-fache Grammy-Gewinner Paquito D’Rivera. Eine Lücke im Tourneeplan der Musiker hat es überhaupt möglich gemacht, sie zu einer finanzierbaren Gage nach Kempten zu locken.

"Musikalisches Erlebnis" statt "Leuchttürme"

Dass beim Jazzfrühling nicht mehr so viele „große Namen“, wie in der Vergangenheit auf der Bühne stehen, hat laut Schütz damit zu tun, dass man diese früher generell „günstiger haben konnte“. Dennoch ist er überzeugt davon, dass die Qualität darunter nicht leidet. Schließlich seien „große Namen nicht immer Verkaufsgarant und auch nicht immer Qualitätsgarant“, weshalb man „bewusst weg von diesen Leuchttürmen“ gehen und lieber darauf achten wolle, „dass das musikalische Erlebnis stimmt“. Das Festival werde in der Jazzszene „auch ohne die ganz große Namen“ nach wie vor „beäugt“, zumindest unter den Musikern schon allein wegen des immer weiter überregional ausstrahlenden Wettbewerbs. Auch bei der breiten Masse der Kemptener finde das Festival „immer mehr Gehör“, wenn er da auch noch Luft nach oben sieht. Er schätzt, dass aktuell um die drei Prozent der Kemptener ein oder mehrere Konzerte besuchen. Sein angestrebtes Ziel sind zehn Prozent. „Es ist noch nicht so das Festival der Kemptener, wie wir das gerne hätten“, meinte er und begrüßt, dass in der Jazznacht (Freitag, 05.05., 20-24 Uhr) mit neun Bands in neun Locations erneut „mehr Kneipen dabei sind“.

Aber nochmals zurück zum Stadttheater: das zweite große Konzert bestreiten dort die „Singin’ Birds“ (04.05., 20 Uhr) mit flockigem Swing und zum Abschluss auf der großen Bühne verschmelzen südindische Klänge mit westlichem Jazz im Spiel von „Karnataka College of Percussion“ und Matthias ­Schriefl an der Trompete.

Indisch-deutsch ist auch im TheaterOben angesagt. Dort startet das „Trio Benares“ (30.04., 20 Uhr) die Reihe mit Roger Henschel (Saxophone), Deobrat Mishra (Sitar) und Prashant Mishra (Tabla). Eine wilde Mischung aus Free Jazz, Avant-Funk, Rock... kommt einmal mehr aus Frankreich in Form des „Émile Parisien Quartet“ (02.05., 20 Uhr) und als Drittes präsentiert das „Quartetto Trionfale“ (05.05., 20 Uhr) „italienische Energie“ mit „deutscher Abgeklärtheit“. Am 03.05. treten hier ab 20 Uhr die Kontrahenten des Hansjürg-Hensler-Jazz-Wettbewerbs zum Wettstreit an: das „Vincent-Eberle-Quintett“ (der Pianist Leo Betzel spielte bereits im Vorjahr in der Gewinnerformation und mit dem Kontrabassisten Maximilian Hirning tritt ein Kemptener an); „Coastline Paradox“, die laut Schütz etwas von „Programm- oder Filmmusik haben, ohne feste Song-Struktur“; „Turn“, ein Klaviertrio mit „sehr lyrisch modernem Jazztrio-Sound“; „Ark Noir“, die elektronischen und akustischen Jazz verschmelzen lassen und „ein bisschen aus dem Rahmen fallen“.

Vertrautes & Neues

Rein akustisch bleibt die Reihe „Jazzperlen“ in der AÜW-Stadtsäge, von denen eines der Konzerte Teil der Jazznacht ist und Freunde des Blues dürften im „Bluescafé“ im Stift finden was sie suchen – unter anderem Abi Wallenstein & Henry Heggen (06.05., 20.30 Uhr) zum krönenden Abschluss. Drei Konzerte gibt es auch wieder im Haus Hochland, zum Beispiel „Norisha“ (30.04., 20 Uhr), die nach einer Karriere als Profivolleyballerin nun mit ihrer Soulstimme punkten will.

Neu bei den vertrauten klecksNights ist, dass es neben den Sessions auch zwei späte Konzerte – „Organ Explosion“ (30.04., 22 Uhr) und „Jazzrausch Bigband“ (04.05., 22 Uhr), die „in München in der Jazzszene gerade total aufräumen“, wie Schütz schwärmte – mit Ticket(vor)verkauf gibt. Freien Eintritt bei der klecksNight bekommen Besucher eines Hauptkonzerts am selben Tag, bei Vorlage der Eintrittskarte.

Und wie immer gibt es von Veranstaltungen bei der BSG-Allgäu, mySkylounge, Altstadthaus.... noch zahlreiche Nebenschauplätze, nicht zu vergessen der Jazz-Gottesdienst in St. Lorenz mit dem „Barbara Ehrlich Trio“ am 30.04. um 19 Uhr. Alle Infos zum 33. Kemptener Jazzfrühling gibt es auf der neu und übersichtlich gestalteten Website unter www.klecks.de. 

Christine Tröger

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