Umbenennung verschoben 

Kommission für Erinnerungskultur soll sich erst mit Knussertstraße befassen 

Das Straßenschild der Knussertstraße mit angefügter Kontextualisierung
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Hier wird künftig ein neuer Name stehen.

Kempten – In der Sitzung des Planungs- und Bauausschusses sollte aufgrund der Ergebnisse aus dem wissenschaftlichen Gutachten zu Richard Knussert in der NS-Zeit die Knussertstraße umbenannt werden. Von Stadträtinnen und Stadträten wurden insgesamt acht Vorschläge eingebracht. Im Vorfeld hatte man sich auf zwei Personen geeinigt. 

Paul Strenkert war seit 1930 Arbeiter- und Diözesansekretär sowie Geschäftsführer beim Diözesanverband in Augsburg. 1933 wurde kurzzeitig in „Schutzhaft“ genommen und 1939 aus seinem Amt als Arbeitersekretär entlassen. Von 1939 bis 1945 nahm er als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil. Zuletzt geriet er in Gefangenschaft. Er war Mitbegründer des Bayerischen Gewerkschaftsbundes (BGB) und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Er war von 1946 bis 1957 erneut als Arbeiter- und Diözesansekretär in der katholischen Arbeiterbewegung der Diözese Augsburg tätig und setzte sich gleichzeitig für den Aufbau christlicher Arbeitnehmerorganisationen ein. Daneben fungierte er von 1950 bis 1957 als Vorstandsvorsitzender der AOK Kempten und als Vorstandsmitglied der Landesversicherungsanstalt Schwaben. Ferner war er von 1953 bis 1957 Präsident der Allgäuer Katholikentage, 1958 Vizepräsident des 78. Deutschen Katholikentages in Berlin und im Anschluss Präsident der Katholischen Sozialen Woche Deutschlands.

Ernst Lossa, ein Allgäuer Euthanasieopfer, stammte aus Augsburg und gehörte der Minderheit der Jenischen an. Er wuchs in Kinderheimen auf und wurde in der Nervenanstalt Irsee im Alter von 14 Jahren mit einer Giftspritze ermordet. Für Andreas Kibler (FW) steht Ernst Lossa exemplarisch für die Brutalität der NS-Zeit.

Wolfgang Hennig (SPD) könnte sich auch Ellen Ammann, Gründerin des KDFB (Katholischer Deutscher Frauenbund) und ehemalige Landtagsabgeordnete vorstellen. Wesentlich sei es aber, die Umbenennung auf eine breite Basis zu stellen.

Stephan Prause (CSU) wünscht sich für die Umbenennung einen ehemaligen Bürger aus Kempten. Für Franziska Maurer (Grüne) wäre es schön, eine einvernehmliche Lösung zu finden. „Man muss nicht jetzt und heute entscheiden. Sie beantragte, das Thema abzusetzen und zunächst in der Kommission für Erinnerungskultur zu behandeln. Der Vorschlag zur Absetzung der Umbenennung der Knussertstraße und Behandlung in der Kommission für Erinnerungskultur wurde einstimmig beschlossen.

Helmut Hitscherich

Lesen Sie auch: „Man muss buddeln und graben“

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