Wo kommt der Fond an?

Zu einem Fachgespräch mit dem Thema: „Was bringt und kostet der Gesundheitsfonds den Versicherten?“ hat vergangene Woche Staatssekretär Dr. Gerd Müller (CSU) eingeladen. Fazit der Diskussionsrunde mit Vertretern von Kliniken, Krankenkassen, Ärzten und Apotheken: Es steht künftig zwar mehr Geld für die Gesundheit zur Verfügung, fraglich ist aber, ob es auch gerecht verteilt wird. Vor allem die niedergelassenen Ärzte klagen.

Anstatt an die Krankenkassen direkt, fließen ab dem 1. Januar die Beiträge der Versicherten in einen zentralen Fond, informierte Müller. Der verteile das Geld dann an die Krankenkassen. Egal bei welcher Kasse man ist, 15,5 Prozent werde dann der Beitragssatz lauten. 8,2 Prozent davon bezahlt der Arbeitnehmer. Elf Milliarden Euro mehr stehen für die Gesundheit im kommenden Jahr durch den Fond zur Verfügung, erklärte Müller. Ein Volumen von 170 Milliarden soll der Geldtopf insgesamt haben. Der Wettbewerb werde sich dann nicht mehr um die gesündesten Patienten drehen, wie AOK-Direktor Günther Erdtl ausführte. Der Grund dafür hört auf den komplizierten Namen „Morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich“ (Morbi RSA). Hinter dem Wortungetüm versteckt sich ein staatlicher Zuschuss, den die Kassen für Patienten bekommen, die bestimmten Risikogruppen angehören, dazu gehören auch Senioren. Und gerade die AOK versichere besonders viele Senioren, freute sich Erdtl. Auf einen Zusatzbeitrag, den jede Krankenkasse laut Gesetz noch zusätzlich erheben kann, werde die AOK im kommenden Jahr verzichten. Grund zur Klage hätten jedoch diejenigen Kassen, die vorwiegend junge Leute versichern, etwa die Techniker-Krankenkasse oder die Bosch Betriebskrankenkasse, so Müller. Diese könnten theoretisch auch niedrigere Beiträge erheben aber seien nun auf die besagten 15,5 Prozent festgelegt. Bedenken äußerte auch Dr. Rudolf Kappes, Sprecher der Kinder- und Jugendärzte für Bayerisch Schwaben. Die so genannten Regelleistungsvolumina (RLV), die jeder Arzt pro Patient und Quartal bekomme, schwanken je nach Fachgebiet des Arztes stark. Sie seien teilweise so niedrig, dass einige Fachrichtungen bereits in argen Schwierigkeiten seien. Bekomme ein Kinderarzt ein RLV von 36 Euro, erhalte ein Augenarzt etwa nur die Hälfte. Manche Sparten, wie etwa die Urologen, erwägen laut Kappes sogar, aus der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) auszusteigen, die für die Verteilung dieser Gelder verantwortlich ist. Das Problem liege bei der KV, warf AOK-Direktor Erdtl ein. Denn seit dem 12. Dezember bekomme die KV 280 Millionen Euro mehr von den Kassen, die sie an die Ärzte verteilen könne. Einen großen Teil behalte sie jedoch als Abschläge ein. Genau informieren Eher abwartend bezüglich Gesundheitsfonds gab sich Michael Schuler, Geschäftsführer des Klinikums Kempten. Den Patienten riet er, sich genau zu informieren, ob die eigene Krankenkasse auch das anbiete, was man selber braucht. „Besonders bei Programmen für chronisch Kranke“, so Schuler. Rein gar nichts ändere sich durch den Fond für den Patienten beim Gang in die Apotheke, meinte Ludwig Pfefferle, Sprecher der Kemptener Apotheken. Dass die Medikamentenpreise in Deutschland im allgemeinen hoch seien, liege an der Industrie. Nur etwas über 15 Prozent des Preises für ein Medikament bleibe beim Apotheker selbst, führte er aus. 16 Prozent nehme der Staat, vier Prozent der Großhändler. Den Rest kassiere der Hersteller. Der Kemptener Staatssekretär Dr. Gerd Müller will nach eigener Aussage verstärkt auf Prävention setzen, da ein großer Teil der Krankheiten einfach auf eine ungesunde Lebensweise zurück zu führen seien. Auch Programme wie etwa einen Ajurvedakurs der AOK dürfe man daher nicht ins Lächerliche ziehen. Ein Präventionsgesetz müsse endlich her. Dennoch dürfe man eines nicht vergessen, mahnte Kinderarzt Kappes: Die Gelder der Krankenkassen seien zunächst für die Kranken da.

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