Haldenwang will teilweise Klimaneutralität 

Kommune schließt sich dem Bündnis klimaneutrales Allgäu 2030 an 

Der Bauhof in Haldenwang ist eine von zwei am Projekt beteilig- ten Liegenschaften der Gemeinde.
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Der Bauhof in Haldenwang ist eine von zwei am Projekt beteiligten Liegenschaften der Gemeinde.

Haldenwang – Die Gemeinde Haldenwang schließt sich dem Bündnis klimaneutrales Allgäu 2030 an. Diesen Beschluss fasste der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung, nachdem Sebastian Hartmann vom Energie- und Umweltzentrum (eza) das Projekt vorgestellt hatte. Doch in die allgemeine Zustimmung mischten sich auch kritische Töne. 

Der Startschuss für das Projekt, an dem sich Unternehmen, Kommunen und Institutionen im ganzen Allgäu beteiligen können (und sollen), fiel im Februar 2020. Schirmherr ist Bundesminister Dr. Gerd Müller, die Leitung und Koordination obliegt dem eza in Kempten. Trotz der anfänglichen Bremswirkung durch die Corona-Krise hat das Bündnis mittler- weile 63 Teilnehmer, von denen laut Sebastian Hartmann 30 bis 40 „schon komplett klimaneutral sind“. Ziel aller Teilnehmer ist es, freiwillig bis spätestens 2030 klimaneutral zu werden. Er erläuterte das Prozedere für Kommunen: „Im ersten Schritt legt jede Gemeinde fest, welche Verantwortungsbereiche in das Projekt einbezogen werden sollen, z.B. nur das Rathaus oder auch weitere Institutionen und Liegenschaften. Hierfür erstellen wir dann eine CO2-Bilanz, die jährlich fortgeschrieben wird.“ Im zweiten Schritt folge die Beratung durch das eza vor Ort. „Wir schauen gemeinsam an, wo welche Emissionen entstehen und wo welche Optimierungen bei der Reduktion der CO2-Emissionen möglich sind – etwa durch die Umstellung auf Ökostrom, neue Wärmeversorgungen, Anreizpro- gramme für Mitarbeiter zu umweltfreundlicher Mobilität und Ähnliches.“ Die Vorgabe sei, jedes Jahr zehn Prozent besser zu werden. „Das, was vor Ort nicht klappt, kann man über Kompensationsprojekte hier in der Region sowie in Entwicklungs- und Schwellenländern kompensieren“, so Hartmann weiter.

Regional stünden in Kürze Projekte des „Klimafonds Allgäu“ zur Auswahl. „Von jeder kompensierten Tonne CO2 fließen rund vier Euro in den Klimafonds Allgäu. Damit werden regionale Nachhaltigkeitsprojekte unterstützt.“ Über die Verteilung der Gelder entscheide der Klimabeirat, welcher sich aus Bündnispartnern zusammensetzt. Auf internationaler Ebene könne man Zertifikate von Projekten kaufen, die „höchste Standards“ erfüllten, nachweislich zu CO2-Einsparungen führten und auch die soziale und wirtschaftliche Entwicklung dort positiv beeinflussten. Als Beispiele führte er ein Projekt gegen Abholzung in Simbabwe sowie ein Solarprojekt in Indien an.

Haldenwangs 2. Bürgermeister Matthias Amann (FW), der die Gemeinderatssitzung leitete, (1. Bürgermeister Josef Wölfle befand sich in Quarantäne) schlug vor, dem Projekt zunächst mit dem Rathaus und dem Bauhof beizutreten. Das heißt, die projektbezogen angestrebten CO2-Einsparungen werden sich auf diese beiden Institutionen beziehen. Erweiterungen seien aber denkbar. Kostenpunkt: rund 1000 Euro. Mehrere Ratsmitglieder begrüßten diesen ersten Schritt ausdrücklich. Die Teilnahme bringe sofort die Motivation zu weiteren Verbesserungen – man habe ja schon Solar- und Windkraftanlagen und sei Fair-Trade-Gemeinde – und mache die Kommune überdies für potenzielle Arbeitnehmer attraktiver, befand 3. Bürgermeister Michael Hauke (CSU). Er erhoffe sich, dass die Vorbildfunktion der Gemeinde auch ortsansässige Unternehmen und die Bevölkerung zum Mitmachen animieren werde.

Ingo Schubert (FW) regte (vergeblich) an, auch die Grundschule in das Projekt aufzunehmen. Manfred Gabler (Bündnis 90/ Grüne) begrüßte die Idee grundsätzlich, in seinen Augen greife man mit Rathaus und Bauhof aber noch zu kurz. Um als Gemeinde glaubwürdig zu sein, reiche es nicht, dem Bündnis beizutreten, wenn man gleichzeitig an anderer Stelle vernässte Flächen, die wertvolle CO2-Speicher seien, für Baugebiete trockenlege. Auch Monika Schneid (Bündnis 90/Grüne) betonte, dies könne nur ein Start sein. Es sei wichtig, „nicht nur beizutreten und zu bezahlen“, sondern „dranzubleiben“ und sukzessive Firmen und Privathaushalte „mit ins Boot zu holen, damit wir richtig was bewirken“. Letztlich beschloss das Gremium, dem Bündnis zunächst mit Rathaus und Bauhof beizutreten, mit dem Ziel, für diese beiden Stellen bis 2029 Klimaneutralität zu erreichen, und der Option zur Ausweitung.

Sabine Stodal

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