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Kommunikation zwischen Gemeinde und Kirche in Dietmannsried stockt

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Von: Sabine Stodal

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Südseite der Kita St. Blasius, Anbau, Dietmannsried, April 2022
Bis Ende 2023 soll der Anbau einer weiteren Gruppe an der Südseite der Kita St. Blasius abgeschlossen sein. „Wenn wir, wie ursprünglich geplant, 2020 losgelegt hätten, hätten wir jetzt wahrscheinlich schon die benötigte neue Gruppe“, so Bürgermeister Werner Endres. © Stodal

In Dietmannsried schwelen seit geraumer Zeit Unstimmigkeiten zwischen der Marktgemeinde und der örtlichen Pfarrkirchenstiftung zum Thema Kindertagesstätte.

Es geht um den Anbau einer weiteren Gruppe an der kirchlich getragenen Kindertagesstätte St. Blasius sowie um die Neugestaltung des Ortskerns (ein separater Artikel hierzu folgt in einer der nächsten Ausgaben). Eine konstruktive Kommunikation sei aus unerklärlichen Gründen schwierig geworden, man sei ratlos, so Erster Bürgermeister Werner Endres im Gespräch mit dem Kreisboten.

Die Problematik führte zuletzt dazu, dass die Marktgemeinde die Betriebsträgervereinbarung der Kita zum 1. April 2022 kündigte, derzufolge der Markt 90 Prozent des Defizits der Einrichtung trägt. Nun haben sich die Verantwortlichen der katholischen Kirche in Augsburg eingeschaltet. Zumindest in Sachen Kinderbetreuung scheint dadurch eine Lösung greifbar worden zu sein.

Krippen-Ausbau: Zusage und Rückzug

In den fünf Ortsteilen der Marktgemeinde Dietmannsried gibt es fünf Kindertagesstätten mit mehreren Kindergartengruppen sowie insgesamt 60 Krippenplätzen. Je zwei Krippengruppen befinden sich in den beiden Kitas im Hauptort Dietmannsried, der gemeindliche Kita „Regenbogen“ sowie der vor wenigen Jahren in einer Kooperation zwischen der Gemeinde und der Kirche neu gebauten katholischen Kita St. Blasius. „Schon beim Neubau haben wir perspektivisch eine spätere Erweiterung angedacht und die entsprechenden baulichen Voraussetzungen angelegt“, erklärt Rathauschef Werner Endres.

Als bei der vorausschauenden Bedarfsplanung im Jahr 2020 ein Engpass an Krippenplätzen prognostiziert wurde, habe man sich mit der Bitte an die örtliche Kirchenstiftung gewendet, den Anbau einer Krippen- oder altersgemischten Gruppe in die Tat umzusetzen. „Die Kirchenstiftung hat den Anbau im Juli 2020 dann auch einstimmig beschlossen“, so Endres. „Zwei Monate später widerrief Pfarrer Dr. Awa dann aber alle Zustimmungen mit der Begründung, für Krippenkinder finde man schlecht Personal. Zudem zweifelte er die von uns erhobenen Bedarfszahlen ohne Angabe von Gründen an.“

Woher das Misstrauen in die Zahlen komme, sei ihm leider nicht bekannt. „Mittlerweile hat sich gezeigt, dass die Prognosen zutreffend waren und wir tatsächlich Bedarf an weiteren Krippenplätzen haben.“ Die Kirchenstiftung habe hierauf mit dem Vorschlag reagiert, man könne die bereits bestehenden Gruppen ja überziehen und statt der eigentlich zwölf Kinder pro Gruppe bis zu 14 oder 15 Kinder aufnehmen. „Da zeigen sich die völlig unterschiedlichen Ansichten der Gemeinde und der Kirchenstiftung“, so Endres. „Wir vertreten die Meinung, je kleiner die Gruppen, desto besser für die Kinder und das Personal. Am liebsten wären uns acht Kinder pro Gruppe. Ein bewusstes Überziehen, das übrigens nur bei Vorlage eines triftigen Grundes mittels einer Ausnahmegenehmigung möglich ist, sehen wir sehr kritisch.“

Seit 2021 sei die Zusammenarbeit zwischen Kirchenstiftung und Gemeinde zusehends schwieriger geworden, bedauert er. Im Jahr 2021 habe es allein vier jeweils konträre Beschlüsse der örtlichen Kirchenstiftung zum Thema Anbau gegeben. „Wenn wir planen und bauen wollen, können wir aber nicht alle zwei Monate neue Beschlüsse auf den Tisch bekommen“, stellt er klar. Darüber hinaus sei es schwierig gewesen, an die üblicherweise von der Kita St. Blasius übermittelten Bedarfszahlen zu gelangen. „Da kam trotz mehrfacher Nachfragen einfach nichts. Wir mussten uns letztlich an die katholische Kirchenstiftung St. Simpert in Augsburg wenden.“

Kommunikationsproblem kommt hinzu

Ein weiterer Tropfen im überlaufenden Fass war die Tatsache, dass jüngst beide Krippengruppen in St. Blasius aufgrund von Krankheit, Quarantäne und Kündigungen kurzfristig für zwei Wochen geschlossen wurden, ohne dass die Gemeinde hierüber informiert wurde. „Einige aufgebrachte und ratsuchende Eltern kamen morgens ins Rathaus und wir wussten gar nicht, worum es ging. Glücklicherweise konnten wir den Eltern, die ein echtes Betreuungsproblem hatten, kurzfristig helfen.“ Ein derartiges Kommunikationsdefizit sei ihm unerklärlich und überdies nicht tragbar.

Die Kündigung ist erfolgt

Aufgrund all dessen habe man die Betriebsträgervereinbarung gekündigt. „Wir haben immer wieder das Gespräch mit Pfarrer Dr. Awa gesucht und versucht, die Gründe für das plötzlich schwierige Verhältnis zu eruieren – ohne Erfolg.“ Dass die Kommunikation überhaupt nicht oder nur noch über Dritte – in diesem Fall über die entsprechenden Stellen des Bistums Augsburg – möglich sei, sei angesichts der zuvor jahrzehntelangen guten Zusammenarbeit zwischen Kirche und Gemeinde unverständlich und bedauerlich. Den Verantwortlichen in Augsburg sei daran gelegen gewesen, die Kündigung abzuwenden. Dies habe sich auch in einem Gespräch Ende März zwischen Vertretern von Gemeinde, örtlicher Kirchenstiftung und der Stiftung St. Simpert Augsburg im Dietmannsrieder Rathaus gezeigt.

Lösungsansatz

Als Folge daraus liegt nun ein Vorschlag aus Augsburg vor. Dieser besagt, dass die Kirchenstiftung die Kindertageseinrichtung St. Blasius bis Ende 2023 um eine Krippengruppe oder altersgemischte Gruppe erweitert. Bauträger wird die Kirchenstiftung St. Blasius sein – die Abwicklung, Planung etc. erfolgt komplett über das Kita-Zentrum St. Simpert in Augsburg.

Bis zum Abschluss der Arbeiten soll die Gruppenbelegung in Abstimmung mit der Gemeinde bei Bedarf ausgeweitet werden. Als alleiniger Ansprechpartner für den laufenden Betrieb für die Gemeinde ist ab sofort das Kita-Zentrum St. Simpert vorgesehen, wobei die Einrichtungsleitung am Datenaustausch mit der Gemeinde und den anderen gemeindlichen Einrichtungen teilnehmen soll, mit dem Ziel, einer einvernehmlichen Lösung der Belegung.

„Wenn wir den entsprechenden Beschluss zu den Vorschlägen gefasst haben, ziehen wir die Kündigung zurück“, stellt Bürgermeister Endres in Aussicht. Die Eltern in Dietmannsried müssten sich keine Sorgen machen, beruhigt er. „Wir können allen Kindern einen Platz anbieten.“

Lesen Sie auch: Projekt »Windkümmerer« - Richtungsweisende Entscheidungen in Dietmannsried

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