Mehr Parkplätze, das Gebäude am Spielplatz gekürzt und niedriger

Kompromiss für Breslauer Straße

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Die beiden Pläne im Vergleich: links der ursprüngliche Siegerentwurf, rechts der aktuelle Planungsstand mit gekürztem Gebäude im Nord-Westen des Grundstücks, größerem Spielplatz an angestammter Stelle, Parkplätzen an der Breslauer und der Oskar-Maria-Graf-Straße und leicht verändertem Gemeinschaftsgebäude als unterer Abschluss des Dorfangers.

Kempten– Die BSG-Allgäu – Bau- und Siedlungsgenossenschaft hat die Entwürfe für die Wohnbebauung an der Breslauer Straße noch einmal überarbeitet. Während der Gestaltungsbeirat den ursprünglichen Wettbewerbs-Siegerentwurf in seiner Sitzung Ende November im Großen und Ganzen für gut und verfolgenswert geheißen hatte, hatte der Bauausschuss als entscheidendes Gremium bereits zuvor Anpassungen gefordert, bei denen es nach aktuellem Stand weitgehend bleibt.

„Es war ein zähes Ringen, um eine Lösung, die den Spagat schafft, zwischen dem Siegerentwurf und dem Gefühl, dass man den Interessen der Anwohner Rechnung trägt“, sagte Oberbürgermeister Thomas Kiechle in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung. 

Die Nachbarschaft hatte heftig gegen die ihrer Meinung nach zu großflächigen und hohen Gebäude aus dem Siegerentwurf für die Bebauung an der Breslauer Straße protestiert (der Kreisbote berichtete). 60 bis 70 Wohneinheiten entstehen in den geplanten Reihenhäusern und Geschosswohnungsbauten. 50 Prozent der Wohngebäude sollen nach dem Willen der Pfarrkirchenstiftung Mariä Himmelfahrt, der das Gelände gehört, geförderter Wohnungsbau sein. Das Hanggrundstück bietet Sicht auf die Allgäuer Berggipfel, die mit den teils geplanten Geschosswohnungsbauten für die Nachbarn zumindest stellenweise verlorengeht. Schon der Verlust des Bolzplatzes hatte die Anwohner getroffen. 

Dass nun auch der am oberen Rand des Grundstücks gelegene Spielplatz weiter nach unten rutschen sollte, dagegen hatten sie sich gewehrt. Nun bleibt der Spielplatz an seiner angestammten Stelle. 

Um die Fernsicht an dieser nord-westlichen oberen Grundstücksecke zu erhalten, fällt das dort vorgesehene Gebäude, ähnlich wie im vorhergegangenen Bauausschuss vorgeschlagen, nun um acht Meter kürzer aus. Der an den Spielplatz angrenzende kleinere Teil des Hauses wird nun drei statt vier Geschosse hoch werden. Welche der geplanten Gebäude als Kompensation höher werden, das steht noch nicht fest. 

Bereits in der ersten Überarbeitung des Entwurfs waren entlang der Oskar-Maria-Graf-Straße am östlichen Grundstücksrand Parkplätze hinzugekommen. Dafür ist der rechte Baukörper um die Breite der Parkplätze nach links gerutscht. Der Dorfanger verschmälert sich dadurch ein wenig. 

Auch den linken Baukörper um sieben Meter in die Mitte zu schieben, davon hatte der Gestaltungsbeirat abgeraten und stand in der Bauausschuss-Sitzung nicht mehr zur Debatte. Dafür sind in der aktuellen Version der Pläne noch einmal fünf weitere Stellplätze entlang der Breslauer Straße eingezeichnet. 

Während Karl Sperl (CSU) sich bei der BSG-Allgäu dafür bedankte, dass „ein gangbarer Weg gefunden wurde“, und Siegfried Oberdörfer (SPD) seine Wertschätzung zum Ausdruck brachte, dass 20 zusätzliche Parkplätze geschaffen wurden, sorgten die Äußerungen von Michael Hofer (ÖDP) für Aufregung, der dem Kompromissvorschlag als einziger seine Zustimmung versagte. Ihm gefiel nicht, dass das am oberen Gebäude wegfallende Geschoss „unten wieder drauf“ muss – sprich auf eines der Gebäude am unteren Rand des Grundstücks. 

„Drei Sachen“ hatten bei den vielen auch informellen Treffen unter einen Hut gebracht werden müssen, so Hofer: Die Interessen der Bauherren, die ihr Geld gut anlegen wollten, die Interessen der Anwohner und ein ins Stadtbild passender Entwurf. „Diese Unterstellung ist unerträglich, auch wenn sie nicht so gemeint war“, reagierte darauf Oberdörfer. Es sei nicht richtig, die BSG als Unternehmen abzutun, das nur auf Gewinn aus sei. „Dass die BSG ihr Kapital billig verzinst, ist völlig daneben“, erzürnte sich der SPD-Mann. 

Auch Hans-Peter Hartmann (FW) widersprach Hofer vehement: „Es gibt Unternehmen in Kempten, die diese Fläche nicht so locker bebauen würden“, sagte Hartmann, „die BSG ist nicht auf Maximierung aus.“ Oberdörfer kam auch auf das neue Baugesetzbuch zu sprechen, das nächstes Jahr komme, mit Bauhöhen, „die mit den aktuellen Abstandsflächen gar nicht möglich wären“. 

Für Thomas Hartmann (Grüne) sind höhere Gebäude eine Notwenigkeit, denn 13 Hektar betrage der tägliche Flächenverbrauch in Bayern. „Wir müssen den Wohnraumbedarf, gerade in den Städten, mit Geschosswohnungsbau realisieren.“ Nach Hartmanns Aussage gebe es in den Siedlungen „zu wenig Parkplätze, oder auch zu viele Autos“, was am unzureichenden ÖPNV liege. Mit dem nun getroffenen Beschluss gilt die Überarbeitung als Grundlage für ein vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren.

Susanne Lüderitz

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