Kontrolle im Morgengrauen

Schulbusse stehen im Fokus der Polizei

+
Jessica Hecker und Frank Kästner von der Verkehrspolizei Kempten kontrollieren, ob der Bus ordnungsgemäß ausgestattet ist.

Betzigau – Sichtlich überrascht war Ilyas K., als er am vergangenen Freitag, um kurz nach sieben Uhr wie üblich die Kinder im Schulbus in die Grundschule nach Betzigau brachte. Denn dort auf dem Parkplatz stand ein Polizeifahrzeug und eine Beamtin mit reflektierender Warnjacke bat ihn um seinen Führerschein. Im Rahmen der Schulwegsicherheit würden sie Sicherheitskontrollen bei Schulbussen durchführen, erklärte Jessica Hecker, Polizeihauptmeisterin im Schwerlastkontrolltrupp der Verkehrspolizei Kempten, dem Busfahrer. Zusammen mit Polizeioberkommissar Frank Kästner nimmt Hecker seit einigen Wochen vor allem die Schulbusse in den ländlichen Bereichen des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West genau unter die Lupe.

„Wir kontrollieren hauptsächlich die Fahreignung vom Fahrer. Steht er unter Alkohol, Medikamenten, oder ähnliches? Hat er einen richtigen und gültigen Führerschein? Besitzt er eine Berufskraftfahrerqualifikation? Wenn dies alles in Ordnung ist, schauen wir uns den Bus und die Technik an“, erklärt Frank Kästner, Polizeioberkommissar und stellvertretender Leiter der Schwerlastkontrollgruppe bei der Verkehrspolizei Kempten.

Beim Prüfen des Führerscheins bemerkt Hecker durch einen entsprechenden Eintrag, dass der Fahrer eine Sehhilfe tragen müsste. Doch Brille – Fehlanzeige! Ilyas erklärt, dass er seit einer Operation keine Sehhilfe mehr tragen müsse. Eine medizinische Bestätigung habe er allerdings nicht dabei. „Die müssen Sie auf jeden Fall nachreichen“, sagt Hecker.

Den Feuerlöscher hat der Fahrer auf Nachfrage sofort parat. Er befindet sich dort, wo er sein soll und auch das Haltbarkeitsdatum passt, stellt die Beamtin zufrieden fest. Da hätte es bereits bei einer anderen Kontrolle einen ausländischen Busfahrer gegeben, der mit dem Wort „Feuerlöscher“ gar nichts habe anfangen können, erinnert sich die Kommissarin. Statt eines Feuerlöschers, hatte er ihr ein Dokument in die Hand gedrückt.

Während Kästner mit seiner Taschenlampe einen Rundgang um den Bus unternimmt, um die Reifenprofile, Beleuchtung und Warndreieck am Bus zu checken, kontrolliert Hecker die weiteren Ausrüstungsgegenstände im Innenraum. Neben einem Feuerlöscher müssen Notfallhämmer, zwei Verbandskästen, ein Unterlegkeil, eine Warnleuchte sowie eine Warnweste im Bus vorhanden sein. Beim Durchgehen bemerkt die Beamtin, dass im hinteren Bereich ein Notfallhammer in der Vorrichtung fehlt. „Das könnte auch eine Trophäe bei den Schülern gewesen sein“, bemerkt ihr Kollege später im Gespräch. Aber natürlich müsse dieser nachgerüstet werden, schließlich gehe es um die Sicherheit der Kinder im Bus. Denn auch Kinder könnten mit solch einem Hammer, die Scheibe des Busses mit Leichtigkeit zerschlagen, um sich im Notfall zu befreien.

Doch der Notfallhammer bleibt nicht das einzige Teil, das an diesem Morgen im Schulbus fehlt, auch der Unterlegkeil und die Warnleuchte bleiben unauffindbar. Busfahrer Ilyas öffnet die Klappen am Bus und sucht danach. „Leider fahre ich nicht jeden Tag mit demselben Bus“, sagt er. „Das ist eben oftmals auch das Problem, dass die Fahrer nicht immer mit den gleichen Bussen unterwegs sind“, erklärt Kästner. Dennoch wäre es, seiner Meinung nach wichtig, dass die Fahrer vor Fahrtantritt eine Abfahrtskontrolle durchführen, damit sie wissen in welchem Zustand der Bus und was vorhanden ist.

Fahrer Ilyas hat nun auch die allerletzte Klappe am Bus geöffnet, doch auch hier ist keine Spur der beiden fehlenden Gegenstände. Und obwohl die Zeit jetzt drängt und der Busfahrer weiß, dass die an der Haltestelle zugestiegenen Schüler zur Schule müssen, lässt er sich durch die Polizeikontrolle überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. „Wenn ich jetzt gestresst wäre, dann wäre ich als Busfahrer am falschen Platz“, sagt Ilyas. Er verspricht den Beamten, die Mängel zu beheben und die medizinische Bestätigung nachzureichen, damit geben sich die Polizisten für heute zufrieden und wünschen ihm: „Eine gute Fahrt!“ Meist bleibe es auch bei einer mündlichen Verwarnung und eine spätere Kontaktaufnahme mit dem Busunternehmen reiche aus, um die Mankos zu beheben.

Tamara Lehmann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bürger-Workshop entwirft ein neues Radwegenetz für Kempten
Bürger-Workshop entwirft ein neues Radwegenetz für Kempten
Corona-Ticker: In Kempten und im Landkreis Oberallgäu ist Warnstufe gelb erreicht.
Corona-Ticker: In Kempten und im Landkreis Oberallgäu ist Warnstufe gelb erreicht.
Aktuelle Infos zum Corona-Virus in Kempten und im Oberallgäu
Aktuelle Infos zum Corona-Virus in Kempten und im Oberallgäu
Bürgerbeteiligung in Pandmiezeiten bis zum Wettbüro im Denkmalensemble
Bürgerbeteiligung in Pandmiezeiten bis zum Wettbüro im Denkmalensemble

Kommentare