Konzert auf hohem Niveau

Marina Chiche überzeugt beim Konzert des Orchestervereins Kempten als Solistin. Kampfrath

Felix Mendelssohn Bartholdy und Max Bruch hätten am vergangenen Samstagabend im Stadttheater ihre helle Freude gehabt: Der Orchesterverein Kempten gab unter der Leitung von Mary Ellen Kitchens ein mitreißendes Konzert. Die Symphonie a-moll von Felix Mendelssohn Bartholdy und das Violinkonzert in g-moll von Max Bruch standen auf dem Programm. Bei letzterem wirkte die überragende Marina Chiche als Solistin.

Im Alter von 28 Jahren schrieb Max Bruch sein Konzert für Violine und Orchester g-moll. Die tiefen Streicher setzten den Herzschlagrhythmus zu Beginn des ersten Satzes (Allegro moderato – attacca) gekonnt um. Durch ihr empfind- sames Spiel brachte Marina Chiche den stark rhapsodischen Charakter schön zur Geltung. Die Solistin und das Orchester waren sicher und überlegt in der Dynamik. Beide unterstrichen die Lyrik des Themas, das dem balladenartigen Hauptgedanken gegenübersteht und zu einer Reihe effektvoller Gefühlsentladungen führt. Während ihres erleuchtenden Spiels wirkte die 30-jährige Marina Chiche wie im Gebet versunken. Nahtlos schließt sich der zweite Satz (Adagio) an den ersten an. Die Musiker interpretierten ihn voller Wärme und Glanz. So kam die süße und schwelgende Melodik dieser Romanze gut zur Geltung. Ein besonderes Lob gebührt den Hörnern für ihr klangvolles und sensibles Spiel. Die Sologeigerin offenbarte erneut ihr enormes Können und ihre Klangqualitäten, wobei sie das Orchester wirkungsvoll unterstützte. Das beliebte Hauptthema des dritten Satzes (Allegro energico) spielten die Musiker voller Freude und Lebenslust. So hoben sie den tänzerischen Charakter des Satzes, der größten- teils in G-Dur steht, angemessen hervor. Das anspruchsvolle Doppelgriffspiel des Themas meisterte Chiche mit Bravour. Dabei vermittelte die Französin den Eindruck von großer Leichtigkeit und Entspanntheit. Das festliche Strahlen des Seitenthemas, das das Hauptthema ergänzte, kam durch das Spiel der Solistin und des Orchesters, gut zur Geltung. In allen drei Sätzen brillierten die Musizierenden durch Sicherheit und Überlegtheit in der Dynamik. Der Wechsel zwischen langsamen und schnellen Tempi gelang stets mühelos. Das Publikum im fast voll besetzten Stadttheater spendete Chiche tosenden Applaus und Bravo-Rufe. Als Zugabe wählte sie die „Ballade“ des belgischen Komponisten und Violinisten Eugène Ysaÿe (1858 bis 1931). Dabei zeigte sie nochmals die Schönheit und Reinheit ihrer Linienführung. Bilder entstehen lassen Nach der Pause ließ das Orchester die Symphonie a-moll von Felix Mendelssohn Bartholdy erklingen, die auch den Beinamen „Schottische“ trägt. Dabei gelang es den Musikern, Bilder des schottischen Hochlands vor dem geistigen Auge der Zuhörer entstehen zu lassen. In der Entstehungszeit war für diese Symphonie ungewöhnlich, dass die vier Sätze ohne längere Unterbrechung aufeinander folgten. Das langsame und schwermütige Thema in der Einleitung des ersten Satzes (Andate con moto – Allegro un poco agitato – attacca) interpretierte das Orchester tragend und empfindsam, bevor es in den munteren Sonatensatz wechselte. Der zweite Satz (Vivace non troppo – attacca) erklang beschwingt mit einem gekonnt umgesetzten Wechsel zwischen Holz und Blechbläsern. Die Musiker hoben die Pentatonik des Hauptthemas bewusst hervor. Den dritten Satz (Adagio – attacca), der im späteren Verlauf fast hymnisch wird, spielten die Streicher sehr getragen. Der vierte Satz (Allegro vivacissimo – Allegro maestoso assai) in Sonatensatzform erklang jubilierend. Schade war nur, dass die Blechbläser gegen Ende viel zu laut spielten. Die hohe Qualität des Orchesters ist auch das Verdienst von Mary Ellen Kitchens. Sie dirigiert unglaublich kraftvoll und energisch und vermag, das Orchester mitzureißen. Vor lauter Enthusiasmus hüpft sie beim Dirigieren manchmal in die Höhe. Die verschiedenen Tempi setzt Kitchens stets geschickt um.

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