Konzert als Quintessenz

Klangerlebnis unter Leitung von Jan Scheerer in der Nikolaikirche

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Der Chor nach dem Vortrag vom „Totentanz“.

Isny – Das war nicht nur einfach ein Abend mit Chormusik. Da standen die Teilnehmer des Meisterkurses für Chordirigieren und Chormusik im Kirchenschiff und entführten die Zuhörer in eine andere Dimension der Musik. Bereits zum vierten Mal fand das Abschlusskonzert in der Isnyer Nikolaikirche statt

und wieder war das Vortragen „a cappella“ unbedingte Vorgabe, damit sich die Zuhörer auf die Stimmen des Chors konzentrieren konnten.

Begonnen wurde mit einem Sprechgesang, dem „Sonnengesang“ von Bernhard Lewkovitch, und schon faszinierten die Stimmen in der unglaublichen Akustik des Kirchenschiffs. Dann traten alle Teilnehmer als vierstimmiger Chor in die Mitte und trugen Hugo Diestlers „Totentanz“ nach Motiven der Lübecker Totentanzkapelle mit im Wechsel gesprochenen Wort- und Dialogtexten von Johannes Klöcking vor.

Da wuchs Jan Scheerer als ein professioneller Interpret über sich hinaus und hielt sich trotzdem zurück, um den Teilnehmern des Meisterkurses auch Platz für ihre zu übermittelnde Empfindung zu lassen. Er trat als Tod auf und hatte somit eine überzeugende und dominierende Rolle übernommen. Im Wechsel traten dann die einzelnen Charaktere in den Vordergrund. Ob Kaiser oder Bischof, Kaufmann, Bauer oder Kind. Der Chor in den musikalischen Passagen wurde jeweils von einem anderen Mitglied dirigiert und so konnten die verschiedenen Körpersprachen und deren Dynamik überzeugend vermitteln, was auf den Chor übertragen werden sollte.

Hugo Diestler hatte die Motette zum Totensonntag geschrieben und für vierstimmigen Chor a cappella ausgerichtet. Ein Konzert der Meisterklasse also, bei dem eigentlich jeder im Zentrum des Geschehens stehen konnte. Mit einem konnte man sich anschließend durchaus anfreunden: Die einzelnen Stimmlagen schmolzen zu einem gemeinsamen Klangerlebnis zweier Ereignisebenen zusammen, ergänzten sich und das Gefühl, dass nicht die Gesänge in der Kirche zuhause waren, sondern die Kirche in den Gesängen konnte da durchaus aufkommen.

Da war es Zeit für eine kurze Besinnung, ehe das Konzert mit dem „Fürchte Dich nicht“ von Johann Sebastian Bach einem weiteren Höhepunkt entgegenstrebte. Die darin enthaltene fröhliche Botschaft war Labsal fürs Gemüt. Eine kleine Zugabe hatten sich die Teilnehmer zurechtgelegt. „Die Nacht“ von Peter Michael Riehm entließ dann die Zuhörer in die beginnende Nacht vor den Türen der Nikolaikirche – mit einem Klangerlebnis im Ohr, wie es schöner nicht sein könnte.

Manfred Schubert

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