70 und kein Bisschen leise(r)

Konstantin Wecker macht auf seiner Jubiläumstour Halt in Kempten

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„Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“; hier ist nicht Konstantin Wecker gemeint. Das Wiggensbacher Duo Vivid Curls hat für den Kinofilm der Augsburger Puppenkiste mit diesem Titel das Lied „Schneeflockennacht“ geschrieben. Und Konstatin Wecker nahm die beiden Allgäuer Musikerinnen und ihren „Eine-Welt“-Song am vergangenen Freitag in sein Programm in der bigBOX auf.

Kempten – Konstantin Wecker nimmt nach wie vor kein Blatt vor den Mund. So auch an diesem Abend in der sehr gut gefüllten bigBOX. Mit „Poesie und Widerstand“ tourt einer der bedeutendsten Liedermacher Deutschlands durch die Lande, zusammen mit seinen treuen Bandgefährten.

Der Ur-Bayer hat eine illustre Musikertruppe zusammengestellt: Severin Trogbacher, der auch für Hubert von Goisern seine Kunst an der E-Gitarre zelebriert; ebenfalls aus Linz Marcus Wall, der unter anderem mit VSOP unterwegs ist, an der Violine; Konzertmeister Jo Barnikel, ein deutscher Pianist, Keyboarder und Filmkomponist auch für den Tatort: Wolfgang Gleixner, Perkussion, und Fany Kammerlander am Cello, die sowohl bei den Münchner Philharmonikern oder dem Bachkollegium spielte als auch in Jazzformationen wie La Rose Rouge.

Diese virtuosen Musiker, die alle mindestens zwei Instrumente beherrschen, hatten an diesem langen Abend auch Gelegenheit, mit eindrucksvollen Solos zu glänzen. Als absoluter Chef erwies sich einmal mehr Konstatin Wecker, Musiker, Autor und Schauspieler, seit dem Wintersemester 2007/2008 auch Dozent an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, der sich anlässlich seines 70. Geburtstags am 1. Juli auf großer Tournee durch Deutschland, Österreich und er Schweiz befindet. Er habe 50 Jahre – seine ersten 20 Jahre könne man nicht voll zählen – darauf gewartet, endlich 70 zu werden.

Wecker erzählte viel aus seinem Leben, zelebrierte alte Songs mit aktuellem Hintergrund. Lieder in D-Dur hatte er umgeschrieben, weil die Dreiklang-Noten mit einer ihm nicht so naheliegenden Partei gleichklingen. Immer wieder zitierte er aus seinen zahlreichen Büchern und ließ sein schillerndes Leben Revue passieren.

Einige Bilder aus seiner prallgefüllten Vergangenheit hätte er gerne gelöscht, zum Beispiel, als er mit Nerzmantel und dickem Auto durch München flanierte. Anders als vor Jahren in Kempten an der Burghalde, wo er sein Open-Air-Konzert ohne Zugabe in einer Strechlimo verlassen hatte, war an diesem Abend erst nach fast vier Stunden ein ganz besonderer Abend zu Ende.

Wecker nahm noch ein Bad in der Menge, erklomm die Tribüne mit dem Kommentar, „toll, seine Band auch mal von oben zu betrachten“. Beseelt von viel Gesang, Poesie und Musik machten sich die Besucher auf den Heimweg.


Achim Crispien

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