Stargeiger Benjamin Schmid tritt zu Ehren von Konzertorganisator Dr. Franz Tröger zweimal im TIK auf

Zwei Konzerte zum 80. Geburtstag

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Benjamin Schmid tritt zweimal anlässlich des 80. Geburtstags von Dr. Franz Tröger im TIK auf.

Kempten – Stargeiger Benjamin Schmid wird zweimal Im TheaterInKempten (TIK) auftreten. Am Donnerstag, 21. April, mit seinem „Austria String Trio“ (Karten gibt‘s beim Kreisbote) und am Freitag, 22. April, mit den „Smetana Philharmonikern Prag“ unter der Leitung von Hans Richter. Auf dem Programm steht u.a. ein Violin-Konzert von Max Reger, ein Favorit von Konzertorganisator Dr. Franz Tröger und Schmid gleichermaßen. Über diese ungewöhnlichen Verbindungen von Veranstalter, Musiker, Jazz und Klassik sprach der Kreisbote mit Benjamin Schmid.

Herr Schmid, wie ist Ihre Verbindung zu Dr. Franz Tröger entstanden? 

Schmid: „Ich glaube, dass ich schon über zwanzig Jahre immer wieder bei ihm spielen darf – er ist einer der beschlagensten, geistreichsten, mutigsten und noch dazu erfolgreichsten Konzertveranstalter im europäischen Raum. So hat man sich über zum Teil sehr verwegene, aber auch etablierte Programme immer besser kennen- und schätzen gelernt und es erfüllt mich mit ungemeiner Freude, an seinem großen Geburtstag mitwirken zu dürfen.“

Wie ist das „Austria String Trio“ zustande gekommen, welche Musikrichtung wird gespielt? Sind die Stücke geschrieben und arrangiert und wie groß ist der Spielraum zum Improvisieren? 

Schmid: „Wir probten Triostücke für ein größeres Bandprojekt 2013 („Vienna World“) und da gefiel uns allen der neue, kammermusikalische Sound der Besetzung so sehr, dass wir den Triogedanken weiter dachten. Man könnte es simpel ‚Kammermusik in time‘ nennen. Wir spielen hauptsächlich Kompositionen von Wolfgang Mutspiel, einem der größten Jazzgitarristen der Gegenwart. Alle drei kommen wir ja ursprünglich aus der Klassik und so ist es unser Anliegen, die klangliche Subtilität einer ‚klassischen‘ Situation mit der rhythmischen und improvisatorischen Situation im Jazz zusammenkommen zu lassen, dort wo möglich. Es gibt also viel Auskomponiertes und fast ebenso viel Platz für Improvisation, die hauptsächlich Wolfgang und ich übernehmen. Florian ist ein wunderbarer Cellist mit echtem Puls und Groove Gefühl, er bereitet uns eine Art Basso Continuo. Aber wir spielen auch über Musik von J.S.Bach, Kurt Weill, Florian Eggner.“

Wie oft wird geprobt und wie entwickelt sich die Musik innerhalb der Proben? 

Schmid: „Geprobt wurde anfangs in Blöcken, um viele Gedanken auszuprobieren. Seit dem das Programm steht, gibt es die Proben immer einige Tage vor den Konzerten. Das Repertoire wird ständig erweitert, wir wollen auch Kompositions-Aufträge vergeben, da die Besetzung ein ganz eigenes Profil hat.“

Wie kommen Sie als „Klassiker“ zum Jazz und zur Improvisation? 

Schmid:  „Ich spiele schon mein Leben lang Jazz, habe schon als Kind damit angefangen. Natürlich ist es für mich ein Nebengleis zur Klassik, aber eines, an dem ich kontinuierlich arbeite, das mich fast jeden Tag beschäftigt und dem ich als Musiker Wesentlichstes verdanke – der Kunstform Jazz, die die Eigenkreativität noch viel stärker fordert als die Klassik und das Hier und Jetzt wie im richtigen Leben mit einbezieht, aber auch den Jazzmusikern, die anders und deshalb so ungemein aufregend ihre Musik leben.“

Was begeistert Sie an der Musik von Max Reger ? 

Schmid: „Regers harmonische Musiksprache ist so aufgebaut, dass man immer im unmittelbaren Nachhören versteht, warum musikalische Abläufe so passiert sind. Das ist faszinierend und macht den Hörer ständig neugierig. Reger manipuliert und steuert unser harmonisches Denken, das ist eine tolle Leistung. Darüber hinaus ist es fast immer gewichtig, epochal, mit im besten Sinn meisterhafter teutonischer Pranke komponiert. Der Mann wusste was er tat, das sieht man schon an seinen unheimlich gelungenen Geigen-Parts. Er wusste über Effekte, Möglichkeiten, Doppelgriffe und vielen anderen technischen Details der Geige offenbar sehr genau Bescheid, obwohl er Organist und Pianist war. Als Geiger liebe ich es, seine Partituren stundenlang zu üben, es macht instrumental Sinn, fordert sehr und macht großen Spaß. Auch seine Chaconne für Violine Solo, die ich immer wieder spiele und auf ondine eingespielt habe. Sein Klarinettenquintett oder die Mozartvariationen sowie viele Orgelwerke zähle ich zur größten Musik. Das Violinkonzert ist mächtig, schön und mit 55 Minuten überdimensional, eine Art gedopter Brahms. Der dritte Satz hat richtig Schmiss, eine herrliche Reise.“

Welche Geige spielen Sie? 

Schmid: „Ich spiele abwechselnd eine Stradivari, eine Vuillaume, und eine moderne Wiltrud Fauler Geige, die vielleicht die Beste ist.“

Vielen Dank für das Gespräch! 

Von Jürgen Blasinski

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