"Eine Herzenssache"

Koordinierender Kinderschutz feiert zehntes Jubiläum

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Renate Reich stellt die Arbeit des KoKi-Teams vor.

Kempten – Lange Zeit sei es ihr vorgekommen, sagt Jugendamtsleiterin Kerstin Engelhaupt, als agierten unterschiedliche Systeme, die mit dem Kindswohl zu tun haben, wie etwa die Jugendhilfe und das Gesundheitswesen, nebeneinander, ohne miteinander zu arbeiten.

Sie erinnert sich an heftige Diskussionen zu Fragen wie: Wer ist für Kinderschutz zuständig? Abhilfe geschafft und für Vernetzung gesorgt hat das Projekt Koordinierter Kinderschutz (KoKi). Am Mittwoch feierte das Netzwerk sein Jubiläum. Die zweite Bürgermeisterin Sibylle Knott zeigte sich in ihrem Grußwort zur Feier davon überzeugt, dass die Investition in das Netzwerk eine gelungene sei. Unter dem Motto „Erste Schritte gemeinsam gehen“ steht Schwangeren und jungen Familien mit Kindern bis zu drei Jahren ein breites Netzwerk von Angeboten der sogenannten „Frühen Hilfen“ kostenlos zur Verfügung. 

Die Koordinierung und der Ausbau dieses interdisziplinären Netzwerkes und die Bereitstellung von Informationen hierfür ist Aufgabe des KoKi-Teams. „Das Angebot ist für die Familien freiwillig“, betont Stefanie Grocholl, eine der drei Sozialpädagoginnen des KoKi-Teams. Ihre Kollegin Renate Reich nennt das Netzwerk „eine Herzenssache“. Die Liste der Akteure, die sich im Netzwerk engagieren, ist lang und reicht von Hebammen und Kinderäzten über die Kliniken bis zum Stadtjugendring, verschiedenen städtischen Ämtern, Förder- und Beratungsstellen und Vereinen. Eine bunte Liste, auch, weil die Problemlagen junger Familien vielfältig sind. So gehe es häufig um Fragen zur Elternzeit, um finanzielle Schieflagen, manche Familien sind aber auch auf der Suche nach Hilfe bei Partnerschaftskonflikten, bei Erkrankungen eines Elternteils oder des Kindes, zählt Renate Reich auf. „Selbst bei guten Bedingungen können sich Eltern überfordert fühlen und Hilfe benötigen.“ 

Die steigenden Fallzahlen zeigen die Notwendigkeit, aber auch den Erfolg der Einrichtung: Im Jahr 2009 waren es noch 29 Familien, die den Kontakt zum KoKi-Team gesucht haben, im Jahr 2018 waren es bereits 192 Familien, die vom Team betreut wurden. Doch es bleibt nicht bei der Beratung der Familien. Eine wichtige Aufgabe komme dem Team auch in der Beratung von Fachleuten zu, erzählt Renate Reich. Es habe sich gezeigt, dass sich oft schon Probleme lösen lassen, wenn ein kurzer, telefonischer Austausch über einen anonymen Fall stattfindet und die Familie dann zu weiteren Hilfsangeboten begleitet werden kann. Auch für die Zukunft sieht sich das KoKi-Team vor großen Aufgaben. Auch deshalb sei das Netzwerk auf Ehrenamtliche angewiesen, betont Renate Reich. Familienpaten, Leihoma und -opas seien zur Zeit dringend gesucht. 

Martina Ahr

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