Entrüstung im Werkausschuss

Kornhaus liegt im Zeitplan - Verwirrung um Eröffnungstermin klärt sich auf

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Das Kornhaus von hinten gesehen.

Kempten – Für Entrüstung im Werkausschuss hat die Meldung aus der Tagespresse vom 26. September gesorgt, dass das Kornhaus bis 2022 geschlossen bleiben werde.

Zur Sitzung waren Georg Müller und Adrian Hochstrasser vom gleichnamigen Architekturbüro bis aus Ulm angereist, um im Ausschuss Rede und Antwort über die „Verzögerung“ von zwei Jahren zu stehen. „Das Projekt wird genau so fertig, wie angekündigt“, sagte Hochstrasser, „eigentlich könnten wir jetzt wieder fahren.“

Ursprünglich war als Termin für die Fertigstellung das Jahr 2020 veranschlagt worden. Doch bereits bei der Dreifach-Sitzung von Bauausschuss, Werkausschuss und Haupt- und Finanzausschuss im März dieses Jahres hatte Martina Dufner-Wucher, Geschäftsführerin des Kempten Messe- und Veranstaltungs-Betriebs über ein neues Einzugsdatum informiert (der Kreisbote berichtete): Erst die Feierlichkeiten zur Festwoche 2021 könnten im umgebauten Veranstaltungshaus stattfinden. So bestätigte es jetzt auch noch einmal die Architekten. „Der große Saal und die Treppe können zur Festwoche 2021 benutzt werden.“ Mit einem vollständigen Einzug rechnen sie im vierten Quartal 2021, wobei ein kleines Zeitfenster hinzukommen könne.

Auch bezüglich der Kosten „legen wir mit 9,7 bis 9,9 Millionen Euro nach der privilegierten Kostenschätzung eine ziemliche Punktlandung hin“, so Hochstrasser.

Für zusätzliche Brisanz hatte ein Antrag der Freien-Wähler-Fraktion Anfang Oktober gesorgt (der Kreisbote berichtete). Hierin hatten Landtagsvizepräsident und Stadtrat Alexander Hold sowie Klaus Knoll Aufklärung gefordert über die Verzögerung bis 2022. Pikant: Sie waren immer noch von einem Einzugstermin im Jahr 2020 ausgegangen.

Die sichtlich aufgewühlte Festwochenleiterin stellte in der jetzigen Sitzung den bisherigen zeitlichen Ablauf noch einmal dar und wehrte sich gegen den Vorwurf aus dem Antrag, das Landesamt für Denkmalpflege sei erst diesen Juli in die Arbeiten eingebunden worden. Dies sei bereits im Jahr 2017 geschehen. Auch sei der Kempten Messe- und Veranstaltungsbetrieb keineswegs mehrfach aufgefordert worden, ein Raumprogramm zu erarbeiten, dies wiederum sei unverzüglich geschehen, nachdem der Kulturausschuss im Oktober 2016 beschlossen hatte, dass das Allgäumuseum aus dem Kornhaus ausziehen solle. „Schon im Januar 2017 konnte die Raumplanung vorgelegt werden“, erklärte Dufner-Wucher.

In der Pressemitteilung der Tagespresse war als Grund für die Verzögerung die Entscheidung des Landesamt für Denkmalpflege genannt worden, die auf sich warten lasse. Wie im Werkausschuss erläutert wurde, war das OK für die geplanten Umbauten just am 26. September gefallen. Hochstrasser zeigte sich froh, dass „diese Hürde schon genommen“ ist.

„Die zerstörerische Prüfung“ könne erst erledigt werden, wenn alle Nutzer das Haus verlassen haben. Die letzten Exponate des Allgäu-Museums sind erst vor wenigen Tagen ausgezogen.

Auch die von Hans-Peter Hartmann (FW) bemängelte Zeitspanne, von der Feststellung der Brandmängel bis zur Beauftragung von Fachleuten konnte Hochstrasser erklären. Die Vorgaben für ein EG-geregeltes Vergabeverfahren (VGV) würden immer komplizierter und zögen sich dadurch hin. „Das läuft ganz anders als in der Privatwirtschaft“, so Hochstrasser.

Trotzdem blieb für den Architekten „unerklärlich, woher 2022 als Datum kam“.

Jetzt äußerte sich der Oberbürgermeister, der im September auf eine Presseanfrage die Befürchtung kundgetan hatte, 2021 als Eröffnungstermin nicht halten zu können: „Die Zusage des Denkmalamtes war lange Zeit nicht klar. Sie war wie ein Damokles-Schwert über uns gehangen.“

Dies war für Regina Liebhaber (SPD) Anlass für Kritik. „In einer nicht ganz so gelungenen Kommunikation auf politischer Ebene entstehen Unsicherheiten.“

Und Peter Wagenbrenner (CSU) monierte – wohl in Richtung seiner FW-Ratskollegen – dass man sich nicht bei Martina Dufner-Wucher erkundigt habe. „Wir müssen uns auch mal an der eigenen Nase fassen und den kurzen Dienstweg gehen, bevor wir die ganze Stadt jaloux machen.“

Susanne Lüderitz

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