Hiobsbotschaft in Gemeinderatssitzung

Kostenexplosion: Kindergartenumbau kostet  270.000 Euro mehr

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Eine Hiobsbotschaft bei der Gemeinderatssitzung in Haldenwang: Die Umbaumaßnahmen im Kindergarten in Börwang kosten rund 270.000 Euro mehr, die Gesamtsumme beläuft sich auf 1.146.000 Euro.

Haldenwang/Börwang – Der Kindergarten in Börwang wird umgebaut. Im Erdgeschoss wird ein Speisesaal angebaut, zudem wird eine ehemalige Wohnung im 1. Stock zu Gruppen- und Nebenräumen für die Tagesstätte umfunktioniert.

Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung hatte der Planer nun eine Hiobsbotschaft im Gepäck: Die gesamte Maßnahme wird um rund 270.000 Euro teuer als zunächst gedacht. Die Gesamtsumme beläuft sich somit auf knapp 1,5 Millionen Euro.

Im Zuge der Vorarbeiten sei viel Unerwartetes zutage getreten, erklärte Architekt Thorsten Leekes vom Kemptener Architekturbüro „architektur + raum“ den Gemeinderatsmitgliedern und Zuschauern. Die Bestandspläne des historischen Gebäudes, die ihm die Gemeinde zur Verfügung gestellt hatte (diese stammten aus der Zeit vor der Sanierung 1990), hätten teilweise nicht gestimmt. „Da waren Massivdecken und tragende Wände eingezeichnet, wo in Wirklichkeit gar keine sind.“ Ungünstig habe sich auch der Umstand ausgewirkt, dass die obere Wohnung erst ab Oktober zugänglich gewesen sei. „Erst als wir darin eine Vormauerung abgerissen und den Boden geöffnet haben, haben wir die maroden Deckenbalken entdeckt.“ Daraufhin habe man genauer hingeschaut und festgestellt, dass es sich bei der acht bis neun Meter breiten Decke des großen Gymnastikraums im Erdgeschoss „um eine hoffnungslos überlastete, nicht tragfähige Holzbalkendecke handelt“. 

Das Gebäude sei zwar nicht einsturzgefährdet, dennoch bestehe Handlungsbedarf, betonte er. „Alles andere wäre fahrlässig.“ Auch die Brandschutzvorschriften (F30) seien nicht eingehalten worden. „Von so etwas geht man bei einem Gebäude, das 1990 saniert wurde, nicht aus.“. Kurt Zügner vom Ingenieurbüro ZGT-Zügner Gebäudetechnik ergänzte in seinen fachlichen Ausführungen, dass „aktuell überhaupt keine Blitzschutzanlage vorhanden“ sei. Dies müsse behoben und zudem eine Brandmeldeanlage mit Brandschutzschaltern eingebaut werden. Außerdem empfahl er eine Lüftungsanlage für den Speisesaal. 

Die „zugegeben sportliche“ Kalkulation für den ursprünglichen Auftrag würden eigentlich passen, betonte Thorsten Leekes. Was die massiven Mehrkosten in Höhe von rund 270.000 Euro verursacht, seien die zusätzlichen Arbeiten, die im Vorfeld nicht hatten abgesehen werden können und die nicht zum Auftrag gehört hatten, wie er klarstellte. „Wir können jetzt aber nicht einfach so tun, als hätten wir das alles nicht gesehen. Da muss nachgebessert werden.“ Nötig seien etwa statische Eingriffe in die Decke des Erdgeschoss´, darüber hinaus müssten die technischen Anlagen wie Strom, Wasser und Lüftung komplett neu gemacht werden, samt Leitungsführung und Abschottung im Hinblick auf den Brandschutz. 

Deutlich kritische Worte aus dem Gremium 

3. Bürgermeister Michael Hauke äußerte sich deutlich kritisch: „Jetzt haben wir nach der Fleschützer Straße schon wieder so einen Fall, wo es massive Kostenabweichungen gibt, monierte er. Er fühle sich, als habe der Planer die Gemeinde „mit einer niedrigen Summe geködert und weil wir da A gesagt haben, müssen wir nach dem ganzen Vorlauf jetzt ja fast B sagen.“ Zumal ja bekannt sei, dass Haldenwang eine gut gestellte Kommune sei, ließ er im Raum stehen. „Mir reicht in Zukunft so ein low-budget-Kostenansatz nicht mehr. Das ist mir eine Lehre.“ 

Gemeinderat Maximilian Hold empörte sich: „Ich finde es nicht seriös, wie das gelaufen ist. 270.000 Euro mehr, weil ganze Kostengruppen nicht hinterfragt wurden - das geht mit mir in Zukunft nicht mehr.“ Thorsten Leekes zeigte grundsätzliches Verständnis für den Unmut, bemühte sich aber auch, die Vorwürfe sachlich zu entkräften. „Ich hätte gar nichts davon, Sie zu ködern. Dies alles ändert an meinem Honorar nichts.“ Es sei aber tatsächlich sein Versäumnis gewesen, die Kalkulation ohne die Fachplaner zu erstellen. 

Hierzu habe auch der Zeitdruck beim Stellen des Förderantrages beigetragen. Mehrmals betonte er, beim ursprünglichen Auftrag seien sowohl die Gemeinde als auch er von einem An- und Umbau, nicht von einer Generalsanierung ausgegangen – „in die Richtung geht es jetzt aber“. Für diese Aussage forderte er ausdrücklich die Rückendeckung von Bürgermeister Josef Wölfle ein, die dieser auch gewährte. Auch Manfred Gabler sprang Leekes zur Seite. „Es wäre mir nicht Recht, wenn alle Kritik bei ihm läge“; sagte er. Der gemeindliche Bauausschuss müsse sich da ebenfalls „an die eigene Nase packen“ und künftig Voruntersuchungen in Fällen einleiten, in denen er selbst nicht zur Einschätzung der Situation in der Lage sei. 

Zusätzliche Förderung 

Auf Christian Holls Frage, wo man denn nun das Geld aus dem Haushalt hernehmen solle, konnte Wölfle gute Nachrichten vermelden. Die Gemeinde habe jüngst eine zusätzliche Förderzusage im Höhe von 130.000 Euro für das Projekt bewilligt bekommen. Letztlich beschloss der Gemeinderat bei zwei Gegenstimmen, das Projekt trotz der erhöhten Kosten durchzuführen sowie eine Erhöhung der bisher bewilligten Fördersumme zu beantragen. Die Arbeiten beginnen in der zweiten Juliwoche. „Sofern Corona uns keinen Strich durch die Rechnung macht“, so Leekes, werde der Großteil während der Sommerferien erledigt. Das Gebäude werde aber nie komplett für den Kindergartenbetrieb gesperrt, man achte stets auf Ausweichmöglichkeiten.

Sabine Stodal

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