"Keine Nacht für Kempten!"

Die Jungs von Kraftklub sorgen mit fulminanter Show für "dicke Luft" in der bigBOX

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Spaß an opulenten Effekten zeigte die Chemnitzer Band Kraftklub am Freitagabend in der bigBOX. In einer ausdauernden Show begeisterten (v.l.) Steffen Israel (Gitarre, Keyboard), Felix Brummer (Rap, Gesang), Max Marschk (Schlagzeug), Karl Schumann (Rhythmusgitarre, Gesang) und Till Brummer (Bass).

Kempten – Und am Ende hat er sich doch ausgezogen. Zwar nur das Oberteil und nur in Begleitung des Publikums, aber immerhin. So propellerten zahlreiche T-Shirts über den Köpfen der Zuhörer, als Kraftklub in ihrer zweiten Zugabe „Let it be“ von den Beatles und zum Finale „Songs for Liam“ anstimmten.

Immer wieder während des Konzerts hatte das Publikum „ausziehn – ausziehn!!“ gefordert. Allen voran wedelte also Rapper und Kraftklub-Frontmann Felix Brummer. Scheinbar unermüdlich hatte er 6000 Fans durch „das bisher längste Kraftklub-Konzert überhaupt“ geführt, in dem quer aus allen vier Alben ein Schmeißer auf den nächsten folgte: „Ich will nicht nach Berlin“, „Fenster“, „Mein Leben“, „Scheiß in die Disco“ und und und. Das Publikum hüpfte, sang und tanzte vom ersten Takt an mit.

Ihre Textsicherheit bewiesen die Fans, als es die komplette erste Strophe von „Chemie Chemie Ya“ aus dem aktuellen Album „Keine Nacht für niemand“ alleine sang. Aber auch unveröffentlichte Lieder saßen zur Freude der Band bei den teils von weit angereisten Feierwilligen.

Die bigBOX bebt

Die Securitys vor der Bühne hatten alle Hände voll zu tun, erschöpfte Menschen aus der Menge in Empfang zu nehmen und hinauszubringen. Von Zeit zu Zeit wedelten die Aufpasser dem Publikum mit großen Tüchern Luft zu. Das war auch nötig, im „Moshpit“ (Pogo-Kreis) und bei der „Wall of death“, bei der die Menge einen Graben bildet, um anschließend aufeinanderzuzuspringen, war der Sauerstoffverbrauch in der Halle deutlich erhöht. Aber auch die Vorband „Gurr“ hatte schon eingeheizt. Kraftklub holte die beiden Sängerinnen Andreaya Casablanca und Laura Lee zum gemeinsamen Abfeiern von Blurs „Song 2“ auf die Bühne. Den Jungs schien daran gelegen, die „Gurr“ ein guter „Support“ zu sein. Vor ihrem Auftritt hatten sie extra gebeten, auch bei ihrer Vorband mitzuklatschen und auch mal die Feuerzeuge zu zücken. Das wäre aber gar nicht nötig gewesen. Auch die Mädels hatten die Halle gut im Griff.

Wie Frontmann Brummer erzählte, war es das dritte Kraftklub-Konzert in Kempten: Beim ersten Mal als Vorgruppe von „Fettes Brot“, dann vor vier Jahren schon vor „ausverkauftem Haus“, allerdings in der KultBOX. Und jetzt vor ganzen 6000 Menschen. „Unsre Fans sind jetzt ­mainstream,…, unsre Fans haben sich verkauft“ thematisiert die Band ihren Ruhm in „Unsre Fans“. Wie viel von der gewohnten (Selbst)ironie dahintersteckt, bleibt die Frage.

Auch der von religiösen Anspielungen gespickten Song „Band mit dem K“ geht in diese Richtung: Zu Glockengeläut fuhr langsam ein funkelndes und glitzerndes „K“ auf dem Bühnen-Bildschirm nach oben. Passend dazu kniete sich das Kemptener Publikum vor den Chemnitzern auf den Boden.

Für Überraschung sorgte das Auftauchen der Musiker auf einer hydraulisch auffahrenden Würfel-Bühne vor der Empore. Die Musiker hatten sich bereits verabschiedet und die Fans skandierten das obligatorische „Zugabe!“, als der Scheinwerfer auf die Band fiel, die sichtlich Spaß an der zusätzlichen Publikumsnähe zeigte. Auch bei den Zuhörern kam das an. Mehrere bezeichneten das als ihr persönliches Highlight des Konzerts.

Nach dem Motto „Keine Nacht für niemand“ dürften noch einige beschwingt durch Kemptens Nachtleben gezogen sein.

Susanne Kustermann

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