Trotz Krankheitsfall präsentiert Theaterdirektorin Silvia Armbruster eine ihrer Regiearbeiten

Unterhaltung als oberstes Gebot

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Ernst Konarek sollte in allen vier Regiearbeiten von Silvia Armbruster eine Rolle übernehmen. Aufgrund dessen Erkrankung müssen jetzt Ersatzvorstellungen stattfinden.

Kempten – Von heiter bis böse reichen die vier Regiearbeiten von Theaterdirektorin Silvia Armbruster, die sie für die Theaterreihe „WERK SCHAU FENSTER“ im TheaterInKempten (TIK) inszeniert hat – Werke, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Jetzt hat ihr ein Krankheitsfall einen Strich durch die Rechnung gemacht und die geplante erste Vorstellung am morgigen Donnerstag, 4. Februar, musste bereits abgesagt werden.

Für diesen Abend war eigentlich die Aufführung von „Die Judenbank“ geplant. Das Stück des Allgäuer Autors Reinhold Massag, einer der wenigen Theaterautoren des Allgäus, soll dafür gleich zweimal am 19. und 20. Februar im TIK zu sehen sein. „Mir war es wichtig, auch ein Stück eines Allgäuer Autors auf die Bühne zu bringen“, betont Armbruster. Das Volkstheater spielt in Kauf- beuren. Ein ehemaliger Bauer – für die Rolle ist Wolfgang Seidenberg anstelle von Ernst Konarek eingesprungen – berichtet von den Geschehnissen in seinem Dorf zur Zeit des Nationalsozialismus, als seine Bank mit der besten Aussicht auf das Allgäu plötzlich nur noch von Juden besetzt werden darf und er um sein Recht und seine Bank zu kämpfen beginnt. Die Rolle des ehemaligen Bauers wäre eine der vier Rollen gewesen, die Konarek im Rahmen des Werk Schau Fensters spielen und so den Zuschauern „eine Bandbreite seines Könnens“ präsentieren sollte, wie Armbruster erklärt. „Man bekommt selten die Möglichkeit einen Schauspieler in so kurzer Zeit in so vielen verschiedenen Rollen zu sehen.“ So sollte Konarek neben dem Bauer auch eine amerikanische Dame, einen polnischstämmigen Penner und einen Provinzbeamten spielen. Durch dessen Erkrankung fällt diese Besonderheit jetzt weg, was Armbruster sehr bedauert. „Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine Lösung zu finden. Trotz des schweren Schocks freue ich mich jetzt, dass ich eine meiner Inszenierungen meinem Publikum zeigen kann – besonders da sie stark mit dem Allgäu verbunden ist.“

Bei der Inszenierung der vier Werke habe Armbruster nach dem Gebot des amerikanischen Regisseurs Billy Wilder „Du sollst nicht langweilen“ gehandelt und versucht, das Thema, das vom jeweiligen Autor vorgeschlagen wird, möglichst emotional, sinnlich und geistreich zu präsentieren. Auch den Schauspielern sei kein strenges Konzept vorgegeben worden, wodurch ein besonders kreativer Prozess entstanden sei. „Die Schauspieler können auf der Bühne auch die Fantasie zu den Charakteren mit einbringen“, erzählt Armbruster. Im Gegensatz zu den 1950/60er Jahren arbeite man heute lockerer und gleichwertiger mit den Schauspielern zusammen.

Acht Wochen schreiben, acht Wochen proben 

Bis zu acht Wochen schreibt Armbruster an ihrer Inszenierung einer Erzählung. Neben der Komprimierung des Textes gehören auch verschiedene Entscheidungsvorgänge zum Schaffensprozess dazu. Wo kommt die nächste Szene? Wo setzte ich den Filmschnitt? „In aller Regel bemühe ich mich beim Text am Original zu bleiben und den Inhalt lediglich zu komprimieren“, so Armbruster. Sobald die Inszenierung steht, ist Proben angesagt. Insgesamt sechs bis acht Wochen pro Stück, je nach Anzahl der Vorstellungen der beteiligten Schauspieler. Bei Erzählungen wie „Der ewige Gatte“ beginne der Prozess mit der Dramatisierung, mit Überlegungen zu Besetzung und räumlicher Gestaltung.

Bei jedem Stück neue Herausforderungen

Pauschalisieren könne man den Schaffensprozess eines Regisseurs aber nicht, denn jeder Text berge seine eigenen Herausforderungen. „Man fängt jedes Mal wieder bei Null an, man liest das Stück immer wieder, dann folgt das erste Gespräch mit dem Ausstatter.“

Eine besondere Herausforderung ergab sich für Armbruster bei der „Legende vom heiligen Trinker“ nach Joseph Roth bei der Darstellung der „Wandlung“, ein Begriff, der in dem Stück immer wieder auftaucht, wenn sich ein durch Kriminalität und Drogen beschmutzter Mensch von Innen heraus erneuert und am Ende, von Gott begnadet, stirbt. „Immer an diesen Stellen der Wandlung übernimmt bei meiner Inszenierung ein anderer Schauspieler die Rolle des Andreas“, präsentiert Armbruster ihre Lösung für die bildliche Umsetzung des Begriffs.

Die bekannteste von Armbrusters Regiearbeiten im Rahmen des Werk Schau Fensters ist „Der Kontrabass“. Das Stück handelt von einem pensionierten Kontrabassist, geplagt von der unerfüllten Liebe zu einer Sängerin, der den Zuschauern einen Einblick in sein fragiles Seelenleben bietet. Die Vorstellung am 21. Februar war bereits im Januar ausverkauft, aufgrund Konareks Erkrankung wird sie an diesem Abend jetzt durch „Miss Geschicke“ ersetzt – eine Mischung aus Kabarett und Pantomime. Katalyn Bohn erzählt darin vom kleinen ABC der Körpersprache, von der Liebe und vom ganz normalen Wahnsinn des Familienlebens.

Erworbene Karten für den 4. Februar werden zurückgenommen oder können getauscht werden. Tickets für die anderen Vorstellungen behalten entsprechend dem Wochentag ihre Gültigkeit, können aber auch zurückgegeben oder in eine andere Vorstellung getauscht werden.

Vorstellungstermine

4. Februar: Vorstellung entfällt

19. Februar: „Die Judenbank“, 20 Uhr Stadttheater.

20. Februar: „Die Judenbank“, 19 Uhr Stadttheater.

21. Februar: „Miss Geschicke“, 16 Uhr Stadttheater

Lea Stäsche

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