Kreative Auseinandersetzung mit der eigenen Identität

"Scheherazades Rache" bei fantasTIK Kempten

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Fürst Sheherban.

Kempten – Das Motto „Wer willst Du sein?“ des diesjährigen jungen Theaterfestivals Kempten – fantasTiK spiegelte sich auch am letzten Tag des Festivals in den einzelnen Aufführungen der Schul- und Jugendgruppen wider.

Die Schulspielgruppe der Maria-Ward-Schule präsentierte letzten Freitag im Stadttheater Kempten das Theaterstück „Scheherazades Rache“, angelehnt an die persischen Geschichten aus Tausendundeiner Nacht. Mit dem Bühnenstück unter der Regie und Leitung von Angelika König und Philip Kuschner gelang eine beindruckende Aufführung, die sich auf kreative Weise mit der Suche nach dem eigenen Selbstverständnis, der Gleichberechtigung und Gleichbehandlung von Frauen und Mädchen auseinandersetzte. 

Das Theaterspiel beginnt mit einem Mädchen, das die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht liest, die bei ihr immer wieder Kopfschütteln und Verständnislosigkeit hervorrufen. Ein zweites Mädchen aus dem Publikum gesellt sich zu ihr. Gemeinsam diskutieren sie über das frauenfeindliche und rohe Verhalten des Protagonisten – Fürst Scheherban. Der Herrscher behandelt seine Frau und auch seine Untertanen sehr ungerecht. Als er sich auf eine Reise begibt und bei seiner Rückkehr entdeckt, dass seine Ehefrau sich seinen Anweisungen widersetzt hat, befiehlt er, sie zu töten. Für ihren Ungehorsam will er sich an dem ganzen weiblichen Geschlecht rächen. Deshalb verkündet er, jeden Tag eine neue Frau zu heiraten und sie am nächsten Tag töten zu lassen. 

Als es im ganzen Land keine heiratsfähigen Frauen mehr gibt, verlangt er nach den beiden Töchtern des Großwesirs – Scheherazade und Dinharazade. Die beiden diskutierenden Mädchen, Nela und Veronika beschließen, in das Märchen einzutauchen und die Rollen der beiden Töchter des Großwesirs einzunehmen. Beide Mädchen wollen mit klugem Taktieren und geschicktem Erzählen den Fürst Scheherban zum Umdenken zu bringen und damit die Handlung des Märchens beeinflussen. Scheherazade, die ältere der beiden Schwestern, beginnt dem Fürsten eine Geschichte zu erzählen, die sie am nächsten Morgen unterbricht, um ihre Hinrichtung zu verzögern. Neugierig auf das Ende der Geschichte, lässt Scheherban sie am Leben. Scheherazade erzählt ihm von dem Kaufmann Ali, einem reichen Mann, der seinen Freund Hasun bittet, während seiner Abwesenheit eine Olivendose aufzubewahren. In der Dose befinden sich 1000 Goldstücke und eine Schicht Oliven. 

Nach Jahren kehrt er von seinen Reisen zurück und möchte seine Olivendose wieder. In der Zwischenzeit hat sein Freund Hasun aber die Dose geöffnet, die Goldstücke an sich genommen und frische Oliven eingefüllt. Der Kaufmann Ali versucht Recht vor Gericht zu bekommen, doch ohne Erfolg. Bald verbreitet sich die Geschichte der beiden ehemaligen Freunde im ganzen Land. Kinder finden besonderen Gefallen daran, die Verhandlung nachzuspielen. Ein kleines Mädchen spielt den Richter, sie aber löst den Fall mit gesundem Menschenverstand – die Oliven, die sich nach der Rückkehr des Kaufmanns in der Dose befinden, sind ganz frisch, sie können unmöglich seit Jahren in der Dose aufbewahrt worden sein. Sie gibt dem Kaufmann Ali Recht und verurteilt seinen Freund Hasun. Nela und Veronika gelingt mit dieser Erzählung den Fürsten wachzurütteln, ihm zu zeigen, wie gewitzt und intelligent Mädchen sind. Die beiden Mädchen können die Handlung des Märchens ins Gute wenden und sogar Leben retten. 

Denn der Fürst hat ein Einsehen, die Hinrichtung wird abgesagt und er ist überglücklich, dass seine Ehefrau trotz seines Tötungsbefehls noch lebt. Überzeugend und eindrucksvoll In dem Theaterstück „Scheherazades Rache“ wurden die typischen Merkmale einer Rahmenerzählung mit Schachtelgeschichten umgesetzt. Das Ensemble der Schulspielgruppe der Maria-Ward-Schule verstand es sehr überzeugend und eindrucksvoll die drei ineinandergreifenden Handlungen auf der Bühne darzustellen. Das Bühnenbild und auch die musikalische Untermalung mit einer tänzerischen Einlage waren perfekt auf die einzelnen Szenen des Bühnenstücks abgestimmt. So wurde die Aufführung für das Publikum kurzweilig und gleichzeitig anspruchsvoll. Die Zuschauer applaudierten begeistert. Die jungen SchauspielerInnen setzten sich mit dem Begriff Identität in einer ganz eigenen wunderbaren Inszenierung auseinander. Nicht nur die Personen im Märchen wurden zum Nachdenken gebracht, sondern auch das zahlreich erschienene Publikum. 

Christine Reder

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