"Ich hätte nie damit gerechnet"

Krimi-Autorin Mia C. Brunner aus Kempten über die Lust am Morden, ihre Liebe zur zweiten Heimat und das Leben als Schriftstellerin

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Krimiautorin Mia C. Brunner hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Mittlerweile ist ihr dritter Band der Kommissar-Forster-Reihe erschienen.

Kempten – Besser kann es eigentlich nicht laufen. Mia C. Brunner kommt gebürtig aus Wedel bei Hamburg und zieht vor 15 Jahren der Liebe wegen ins Allgäu. Geschrieben hat sie schon immer gerne. Erst als Teenager, später für ihre Kinder.

Da waren es vor allem Feen- oder Elfengeschichten und natürlich ging es auch um Pferde und deren Abenteuer. Später hat sie sich an Liebeskomödien oder Fantasy gewagt. „Ich habe das die ganze Zeit als Hobby gesehen. Nie hätte ich damit gerechnet, dass ich mal Schriftstellerin werde“, sagt die gebürtige Norddeutsche, die früher im Büro des Axel Springer Verlags gearbeitet hat. Mittlerweile hat sie mit „Tödliche Klamm“ ihren dritten Allgäu-Krimi veröffentlicht und den Vierten gerade ins Lektorat gegeben. Damit aber längst nicht genug. Mit dem Schreiben des fünften Teils startet sie in diesen Tagen. „Man kann halt einfach nicht aufhören. Ich habe so viele neue Ideen, wie es mit meinem Kommissar Florian Forster weitergehen kann“, sagt Mia C. Brunner und lacht.

Es klingt ein bisschen wie aus dem Bilderbuch. Da sie selbst gerne Krimis liest, hat sich die zweifache Mutter vor etwa sechs Jahren aus purer Neugier darangemacht, selbst einen zu schreiben. „Ich hatte keinen Auftrag oder so, sondern habe es einfach mal für mich probiert und wollte das Resultat dann meinen Freunden zu lesen geben. Mein Mann Florian hat mich schließlich gedrängt, den fertigen Krimi doch bei verschiedenen Verlagen einzureichen. Gesagt getan und dann habe ich auf der Frankfurter Buchmesse erfahren, dass ich tatsächlich genommen wurde. Aber nicht nur das. 

Der Verlag war sogar so begeistert, dass er mich gebeten hat, das Ende umzuschreiben. Denn eigentlich wäre mein Kommissar Florian Forster schon im ersten Buch gestorben. Das war ja eine abgeschlossene Sache für mich. Der Verlag wollte aber gerne eine Reihe daraus machen und daraufhin habe ich kurzerhand die letzten 100 Seiten einfach umgeschrieben. So ist mein Debüt ‚Schattenklamm‘ entstanden, der als erster Band veröffentlicht wurde“, erzählt Brunner. Der Vorname des Kommissars ist übrigens ihrem Mann Florian zu verdanken. Es war seine Vorgabe, als sie mit ihrem Krimi-Versuch begonnen hat. „Mehr als den Namen haben beide aber wirklich nicht gemeinsam. Der Kommissar hat mit ihm rein gar nichts zu tun.“ 

Erstaunen über ihr verbrecherisches Talent

Ihre Kinder haben ihr Erstlingswerk, das 2016 veröffentlicht wurde, damals nicht gelesen. „Die waren zu der Zeit um die 18 Jahre alt und meinten nur, es sei blutig und das wäre nichts für sie.“ 

Ob ihr Ehemann denn erstaunt sei, was für ein verbrecherisches Talent in seiner Frau stecke? „Meine Verwandten vor allem. Die sind erstaunt. Sie haben schon mal gefragt: Aber deinen Mann lässt du jetzt nicht verschwinden, oder? Du bist doch sonst ganz friedlich“, sagt sie mit einem Schmunzeln im Gesicht. Es bringe ihr aber schon viel Spaß, „das Blutige und das bisschen Brutale“. 

Dabei sei sie allerdings eine chaotische Schreiberin. „Ich schreibe einfach drauf los und ermittle quasi mit meinem Kommissar zusammen. Was passiert, weiß ich immer erst paar Minuten früher als Kommissar Forster. Da komme ich natürlich manchmal ganz schön ins Taumeln und muss das Ganze wieder entwirren, weil es nicht mehr logisch ist. Aber das ist ja gerade das Spannende bei meiner Arbeit.“ Für ein Buch braucht die Allgäuer Schriftstellerin in der Regel vier Monate. 

Sie schreibe immer, wenn sie Lust habe: „Wenn es sein muss, dann sitze ich durchaus mal zwölf Stunden am Laptop mit kleinen Unterbrechungen, weil der Hund Gassi muss oder ich was einkaufen sollte. Aber danach geht’s gleich wieder zurück an den PC. Ich kann ohne Probleme ein Wochenende durchschreiben und dann mal wieder eine ganze Woche lang überhaupt nicht. Das kommt eben darauf an. Aber bislang ist es mir noch nie passiert, dass mir nichts mehr eingefallen ist oder mir die Ideen ausgehen. Das höre ich öfter von Kollegen, ist bei mir aber Gott sei Dank nie der Fall.“ 

Kritik, keine waschechte Allgäuerin zu sein

Vor mehr als 15 Jahren hat Brunner den Norden verlassen und ist der Liebe wegen nach Kempten gezogen. Ist es nicht ein wenig mutig, sich als Norddeutsche an Allgäuer Regionalkrimis zu wagen? Wo das Autorenfeld mit Duo Klüpfel & Kobr oder auch Nicola Förg bereits äußerst erfolgreich und prominent besetzt ist? 

„Wenn jemand kritisiert, dass ich gar nicht aus dem Allgäu komme, muss ich damit leben. Das ist ja auch so. Und ob ich jemals als eine waschechte Allgäuerin gelten werde, weiß ich nicht. Aber ich fühle mich hier pudelwohl, liebe die Allgäuer Berge, die Menschen, die gute Luft und kann mir kein anderes Leben mehr vorstellen. Es war zu Beginn nicht meine Absicht, einen typischen Allgäu-Krimi zu schreiben. Der erste Teil fängt schließlich in Hamburg an und endet nur am Schluss im Allgäu. Der zweite Teil ist schon eher ein richtiger Allgäu-Krimi, weil der Verlag gerne eine Fortsetzung wollte. So bin ich in diese Sparte Regionalkrimi reingerutscht. Aber ich fühle mich prima damit“, sagt Brunner. 

Alle Orte, die in ihren drei Büchern auftauchen, hat sie selbst besucht und gesehen. Als leidenschaftliche Wanderin und Spaziergängerin ziehe es sie ohnehin oft in die Berge zum Abschalten.

Schreiben geht überall – Hauptsache Musik im Ohr 

Einen Lieblingsort zum Schreiben ihrer Krimis hat Mia C. Brunner nicht direkt. Das gehe überall, im Garten, am Esstisch, auf dem Sessel im Wohnzimmer, im Wohnmobil während des Sommerurlaubs oder auf einer Parkbank, so die Autorin. „Aber was ich wirklich immer brauche, sind meine Ohrstöpsel mit Musik. Mal höre ich Klassik, gerne auch mal was härteres Rockiges, völlig egal. Nur Schlager geht gar nicht, ansonsten kann ich auch einen Mord beschreiben, wenn gerade Chopin läuft“, plaudert sie aus dem Nähkästchen. 

„Wenn ich nachts aufwache und mir eine super Idee für einen neuen Hinweis kommt, den Kommissar Forster bekommen könnte, dann stehe ich schnell auf und schreibe es auf.“ 

Ein paar weitere Anekdoten aus dem Leben einer Krimi-Autorin gibt sie anschließend auch noch preis: „Manchmal schlage ich die Zeitung auf und lese bestimmte Namen. In Todesanzeigen oder einem Bericht. Dann denke ich mir: Ach der Name ist ja ganz nett, und verwende ihn dann irgendwann mal in meinen Büchern. Und es ist auch schon vorgekommen, dass ich im Supermarkt an der Tiefkühltruhe stehe und mich plötzlich frage, wie lange da schon jemand unter den Erbsen liegen könnte, bevor man ihn entdeckt. Da kommen mir dann so Fragen in den Kopf: Wie oft wird das Sortiment wohl hier gewechselt? Viele halten mich da für etwas verrückt, aber das Krimi schreiben ist eine große Leidenschaft, die mich voll und ganz gepackt hat.“ 

Reich geworden sei sie mit dem Schreiben allerdings bislang nicht. „Man verdient da keine Unsummen. Es ist ein nettes Taschengeld und der dritte Band meiner Krimis verkauft sich ganz gut, aber ich habe insgesamt mehrere tausend Bücher verkauft. Das ist nicht die Welt.“ 

Besonderen Wert legt Mia C. Brunner auf möglichst viel Authentizität und nimmt da auch gerne mal Tipps von ihrem Schwager entgegen. Der ist bei der Kriminalpolizei in Kempten und hat ihr erst kürzlich eingehend die Frage erläutert: Wie schusssicher sind eigentlich schusssichere Westen? „Ich wollte doch nicht, dass mein Kommissar Forster plötzlich stirbt und da habe ich kurzerhand meinen Schwager um Rat gefragt. Der muss es schließlich wissen. Er hat mir das daraufhin ausführlich erklärt und so war ich auf der sicheren Seite und mein Kommissar am Ende glücklicherweise auch“, verrät die Autorin abschließend.

Kathrin Dorsch

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