Eine Leiche im Sudkessel

Die Krimiautorin Mia C. Brunner über das Schreiben, die Krise und ihr neues Buch "Mordsklamm"

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Die Mordsklamm ist der vierte Allgäu-Krimi der Autorin Mia C. Brunner.

Kempten – „Ich habe mal in einer Brauerei gearbeitet, und als ich vor dem Sudkessel stand, habe ich mir gedacht: Wenn jetzt da einer drinliegt ...“, erzählt die Kemptener Krimiautorin Mia C. Brunner.

Zu diesem Zeitpunkt, wenn eine erste Idee auftaucht, wisse sie noch nicht, wer die Leiche sei. Rund um diese Szene baut sie dann die gesamte Geschichte auf und lässt dabei ihre eigenen Wahrnehmungen der Allgäuer Schauplätze einfließen. „Ich schreibe erstmal drauflos, ohne zu plotten. Erst, wenn ich etwa zwei Drittel geschrieben habe, beginne ich mit dem Verzieren.“

Was es mit der Leiche im Sudkessel auf sich hat, verrät sie in ihrem neuen Roman „Mordsklamm“, der am 10. Juni erschienen ist: Ausgerechnet beim zehnjährigen Brauereijubiläumsfest entdeckt der Braumeister des Baschtl-Bräu nahe der Starzlachklamm eine Leiche im Sudkessel. Dabei lautet sein Werbeslogan doch: „Kristallklar wie das Wasser der Starzlach!“ 

Wer ist der Tote? Gibt es einen Konkurrenten, der dem noch jungen, aber erfolgreichen Brauhaus schaden will? Hauptkommissar Florian Forster ermittelt in Brauereien, Biergärten und sogar auf der Allgäuer Festwoche. Mia C. Brunner stammt aus der Nähe von Hamburg und lebt seit 15 Jahren mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern in Kempten. „Mordsklamm“ ist bereits ihr vierter Allgäu-Krimi. Brunner hat den Anspruch, alle Orte, die im Buch vorkommen, selbst zu besuchen, auch, weil ihre Wahrnehmung sicher eine andere sei, als die eines alteingesessenen Allgäuers. 

Regional wichtige Elemente zu erwähnen, werde von den Lesern erwartet, sagt sie. Deshalb finden Allgäuer Besonderheiten wie die Festwoche, die Tracht oder auch Kässpatzn Eingang in ihre Romane. Dialekt komme allerdings nur wenig vor, dabei helfe ihr Mann. „Ich verstehe den Dialekt inzwischen“, aber den niederzuschreiben, sei doch eine andere Herausforderung. Wenn es dann doch einmal zu schlechten Rezensionen kommen sollte, bleibt sie entspannt. „Das ist wie für Gäste zu kochen und dann steht Onkel Willi auf und sagt: Das schmeckt scheiße.“ So etwas sei nicht schön, gerade, weil viele Kritiker sich auch im Ton vergreifen. Dennoch verderbe ihr dies nicht den Tag, denn: „Ich schreibe für mich.“ 

Die Corona-Krise und der Lockdown hatten erhebliche Auswirkungen auf die Buchbranche. Die Leipziger Buchmesse, ein Publikumsmagnet und Marketingmaßnahme, ist ausgefallen, der Präsenzbuchhandel musste für einige Wochen schließen. Trotz des Onlinehandels ist der aber noch immer ein sehr wichtiges Instrument für die Sichtbarkeit eines Buches. Ihre Bücher werden vor allem in Buchhandlungen der Ferienregionen verkauft, erzählt Brunner. Das habe in den vergangenen Wochen nicht funktioniert. Ob sich die Krise auch langfristig auf die Gesamtverkaufszahlen niederschlägt oder ob ein Aufholeffekt einsetzt, sei momentan noch nicht absehbar. Brunner zeigt sich aber optimistisch. 

Ansonsten habe die Krise in ihrer schriftstellerischen Arbeit kaum eingeschränkt. „Die Kinder sind erwachsen, deshalb gab es kein Homeschooling“ und auch sonst habe es ihr Leben kaum beeinflusst. Sie habe genauso viel geschrieben wie zuvor. Nur sei es während des Lockdowns etwas stiller gewesen und diese Ruhe beim Schreiben habe sie genossen. Lediglich ihr „G“ sei in dieser Zeit aus der Tastatur gebrochen. „Ein Krimi ohne G funktioniert nicht: Gefahr, Grab, Galgen ... Ein giftiger Gugelhupf ist dann einfach nur noch ein komischer Kuchen“, sagt sie und lacht. Was sie allerdings schade findet, ist, dass keine Lesungen mehr stattfinden. Bei solchen Gelegenheiten „mit Lesern zu agieren, den Kontakt mit ihnen zu halten“, liege ihr sehr am Herzen. 

Martina Ahr

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