"Tausende von Stauden angepflanzt"

Kritik am Stadtpark gekontert

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Blick in den „alten“ Stadtpark...
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 ...und in den neuen.

Kempten – Die vielen „Stimmen aus der Bevölkerung“, die sich kritisch über die Neugestaltung des Stadtparks äußern, haben den Festwochenbeauftragten des Stadtrats Hans-Peter Hartmann (Freie Wähler) so gewurmt, dass er das Thema am Ende des öffentlichen Teils in der Sitzung des Werkausschusses außertourlich ansprach.

Besonders den häufig geäußerten Vorwurf, der Stadtpark sei vor allem nach festwochentauglichen Kriterien geplant worden, wollte er so nicht einfach stehen lassen.

Wie von Zauberhand hatte Festwochenleiterin Martina Dufner auch gleich die passende Folie zur Hand, um zu belegen, dass sie durch die Neugestaltung des Parks mit einigen Schwierigkeiten für die Festwoche zu kämpfen habe. „Ich bin auch immer wieder verwundert, was ich in der Zeitung lese“, meinte sie und erläuterte die „sehr komplexe“ Festwochengestaltung, bei der es oft um Zentimeter bei den Zeltplatzierungen gehe. So müsse nun unter anderem eine neue Lösung für Halle 6 gefunden werden; die Lösung für„Heels Alpe“ müsse noch „optimiert“ werden; bei Halle 7 sei die Realisierung noch komplett offen. Ein Problem seien z.B. die Sitzmauern, die Begrenzungen bilden würden. „Insgesamt gehen wir davon aus, dass weniger Fläche für die Aussteller zur Verfügung steht“, wies sie auf nun offensichtlich eher erschwerte Bedingungen hin. 

Es gehe jetzt darum, „die Festwoche im Stadtpark nochmals neu zu denken“, sagte sie. Auch OB Thomas Kiechle hielt den LeserbriefschreiberInnen entgegen und meinte, „einen transparenteren Prozess als den zum Stadtpark habe ich in sechs Jahren nicht erlebt“. Der Klage über zu wenig Grün setzte er allein 6000 Sträucher im Park entgegen, die aber halt „im Winter im Allgäu nicht sichtbar“ seien. Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann bestätigte auf Nachfrage des Kreisboten, „dass Tausende von Stauden“ angepflanzt worden seien, die zur Blütezeit zusammen mit den Bäumen sicher „ein schönes Zusammenspiel“ mit dem gelben Spielgerät ergeben würden. Ein Zuwenig an Grün wollte er ebenso wenig gelten lassen. „Das sieht man noch nicht“, erklärte er, da die derzeit noch Stein- und Schotterflächen „in den großen Grüninseln“ noch mit Humus bedeckt und bepflanzt würden – ein Aufwand, der wegen der Doppelnutzung Park/Festwoche nötig sei. 

Dadurch soll der Boden während der starken Beanspruchung während der Festwoche „nicht mehr so stark zerstört“ werden, was allerdings erst in etwa zwei Jahren richtig zum Tragen kommen werde – Zeit, die die Natur für ihre Entwicklung eben brauche. Insgesamt konnte er nicht verstehen, dass nur alles kritisiert werde, statt z.B. anzuerkennen, dass man vor dem Finanzamt jetzt schön flanieren könne. Kein Problem habe er mit Detailkritiken, zum Beispiel wenn jemand den früheren Ententeich dem jetzigen Wasserspiel vorziehe. 

Wie der OB wies Wiedemann auf den „ganz transparenten Prozess“ vor der Planung hin, mit X Bürgerbeteiligungen, die den Bürgerwunsch nach einem „offenen, transparenten Bereich“ ergeben hätten und nach Aufenthaltsqualität. Besonders enttäuscht äußerte er sich über die Kritik bestimmter Stadträte, die in den – natürlich auch am Bedarf für die Festwoche orientierten – Planungsprozess involviert gewesen seien. Laut Tiefbauamt liegt der Anteil der Vegetation (grüne Bodenfläche) nun bei 7700 Quadratmetern (qm), zuvor 6300 qm; die versiegelte Fläche beträgt neu 6100 qm (zuvor: 6000 qm). Dabei dürfe man aber nicht vergessen, gibt Wiedemann zu bedenken, dass viele Bereiche zuvor nicht grün gewesen seien, wie z.B. der Streifen entlang der Königstraße, der eher einem Trampelpfad mit Split geglichen habe. 

Christine Tröger


Ein Kommentar von Christine Tröger:

So sehr der Stadtpark schon vor seiner Umgestaltung, sprich im Planungsprozess, die Gemüter bewegt hat, so sehr bewegt er sie jetzt kurz vor und zur Eröffnung. Man wird das Gefühl nicht los, dass sich hier zwei absolut konträre Lager aufgetan haben und dazwischen: ein tiefer Graben. Harsche Kritik da, beleidigte Rechtfertigung dort. Ob berechtigt oder nicht, liegt wohl hier wie da im Auge des Betrachters. Sicher ist jedenfalls, dass bei aller beschworenen Transparenz ein gewaltiges Kommunikationsproblem zugrunde liegt. So reicht es beispielsweise eben nicht, gebetsmühlenartig vorzutragen, dass jetzt mehr Grün im Stadtpark sei als zuvor, statt einfach zu erläutern, dass die Stein- und Schotterflächen so nicht bleiben sollen, wie Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann es auf Nachfrage jetzt getan hat. Ohne auch nur ansatzweise Interpretationsversuche zu wagen sei die Frage erlaubt, was davon zu halten ist, dass die Festwoche ein großes Thema in jeder Ausschussund Stadtratssitzung zum Thema Stadtparkplanung war, jetzt aber doch keine so große Rolle dabei gespielt haben soll.

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