"Es muss wehtun"

Kronenstraße, Burghalde: Altstadtfreunde sprechen bei ihrer Versammlung über Missstände

+
Die frischgewählte Vorstandschaft der Altstadtfreunde ist um zwei Beisitzer stärker als die bisherigen. Per neuer Satzung wurde die Aufstockung beschlossen. Zu sehen sind (v.l.) Schriftführerin Sandra Wölfle, Schatzmeisterin Ursula Speiser, Beisitzerin Karina Bauernfeind, Zweite Vorsitzende Annette Rampp, Vorsitzender Dietmar Markmiller, und die vier Beisitzer Stefan A. Schmidt (hinten), Gerhard Juli, Franz G. Schröck und Sonja Wilhelm-Swierowski.

Kempten – Als Mittler zwischen Politik und Bürgern sehen sich die „Freunde der Altstadt Kemptens“ unter anderem. Und eine ihrer anderen Rolle als „wenn nötig unbequemer Mahner“ nahmen sie wieder bei ihrer Jahreshauptversammlung ein, bei der es neben Neuwahlen und altbekannten Themen auch Neuigkeiten zum Sparkassenquartier gab.

„Wenn ich in einem Café in der Kronenstraße sitze, geht mir der Hut hoch“, echauffierte sich der neue und alte Altstadtfreunde-Vorsitzende Dietmar Markmiller. Die Kronenstraße war wieder heiß diskutiert bei der Jahreshauptversammlung. 20 Autos würden in der Kronenstraße innerhalb einer Stunde 25 bis 30 statt der erlaubten vier bis sieben Kilometer pro Stunde auf dem Tacho haben. „Ein Autofahrer kapiert’s erst, wenn es wehtut“, verlangte Markmiller nach strengeren Kontrollen und kritisierte den Stadtratsbeschluss „aus der Steinzeit“, der die Einsatzzeit des städtischen Blitzgeräts auf zehn Stunden pro Woche begrenzt. Markmiller könnte sich vorstellen, mit einer Völkerball-Spiel-Aktion Aufmerksamkeit auf das Thema und den Verein zu lenken.

 „Aber da müssen wir uns warm anziehen“, sagte er, „denn das wird nicht schön.“ Seit Längerem plädieren die Altstadtfreunde für eine Einbahnstraßenregelung in der Straße, an der aktuell das Zeichen Spielstraße prangt. Der Vorsitzende zitierte aus einer E-Mail, die ihn von einem Anwohner aus der Altstadt erreicht hatte: „Ich wohne in der Burgstraße und die Lärmbelästigung durch die getunten Autos und Rennen an der Ampel ist mittlerweile wirklich unerträglich“, schrieb der Verfasser, der meinte, selbst nicht alt zu sein und für Tempo 30 in der gesamten Innenstadt plädierte. 

Viele der Anwesenden – darunter einige Stadträte, deren Fraktionen selbst schon Anträge für eine Veränderung der Situation eingereicht hatten – pochten darauf, dass die Stadt stärker auf die Einhaltung der Regeln achten sollte. Insbesondere auch des Parkverbots. „Gerade am Sonntag, wenn nicht kontrolliert wird, ist der Gehsteig der Kronenstraße komplett zugeparkt, da kommt kein Kinderwagen durch, kein Rollstuhl!“, klagte eine Dame. 

Für Irritation sorgte da die Aussage von Oberbürgermeister Thomas Kiechle in Sachen Kontrollen: „Es ist eine Abwägungssache.“ Er wies darauf hin, dass es zwei Lager in der Bevölkerung gebe, die er beide in den Sprechstunden hautnah mitbekomme. Die Parteien könnten jederzeit einen Antrag stellen, da gehe er jede Entscheidung mit, „da bin ich völlig entspannt“. Kiechle gab zu bedenken, dass ein grundsätzlicher Beschluss in Sachen Kronenstraße bauliche Konsequenzen in anderen Straßen, wie zum Beispiel auf der Sankt-Mang-Brücke, nach sich ziehen würde. Daher werde die Sache noch zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen.

"Da kann man auch was Kleines klauen" 

Für SPD-Stadträtin Ingrid Vornberger war es „eine Frage der Gerechtigkeit“, die Einhaltung der Verkehrsregeln angemessen zu kontrollieren. Eine Gesellschaft könne nur funktionieren, wenn sich alle an die Regeln hielten. Und Stefan Keppeler, Vorsitzender des Stadtjugendrings, nannte die Lenzfrieder Straße als positives Beispiel, wo fast jeder das vorgeschriebene Tempo 30 einhalte, weil dort oft kontrolliert werde. Der Oberbürgermeister wies, flankiert von CSU-Fraktionsvorsitzendem Erwin Hagenmaier, auf das begrenzte personelle Kontingent hin. Für die Kommunale Verkehrsüberwachung, die jetzt auch Ordnungsaufgaben zu stemmen hätte, finde man schlecht Personal, „das ist kein so toller Job“, sagte Hagenmaier. 

Keinesfalls wollte der OB das Thema Geschwindigkeit bagatellisieren, „das haben wir überall, an jedem Kindergarten“, wo auch kontrolliert werde. Kein Geld für die Burghalde Eine deutliche Absage erteilte der Oberbürgermeister allen größeren Investitionen für die Burghalde und das Beginenhaus in den nächsten Jahren. Für den Bauunterhalt am Aufgang – angemahnt von Dieter Schade, Baudirektor a.D. - und eine bessere Müllbeseitigung auf der Burghalde, die Stadtrat Siegfried Oberdörfer (SPD) angeregte, könne gesorgt werden. Zu groß seien andere Aufgaben wie die Schaffung von Wohnraum, KiTa- und Schulplätzen. 

Der „Märchensommer“, der die Stadt „maßvoll“ belaste und ein großer Erfolg sei, werde beibehalten. „In den nächsten Jahren keine Entwicklung auf der Burghalde“, zeigte sich Vereinsvorsitzender Markmiller enttäuscht, „das höre ich seit Jahren und mein Vorgänger auch“. Markmiller hatte sich von den Modellen, die Architektur-Studenten der Hochschule Augsburg für die Burghalde als Semester-Aufgabe entwickelt haben, einen Anschub erhofft. „Woher kommt denn dann das Geld für eine Seilbahn?“, wollte er vom OB wissen. Dieser sagte zu diesem Thema nichts, „denn dann kommen wir in eine politische Diskussion, die Sie alle nicht wollen“. 

Sparkasse in Warteposition 

Um über den aktuellen Stand im Sparkassenquartier zu berichten, war Manfred Hegedüs als Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Allgäu, extra zur Versammlung der Altadtfreunde gekommen. „Die ursprünglichen Skizzen sind längst verworfen“, sagte er. Vor zwei Jahren war eine umstrittene komplette Überbauung des Bereichs zwischen Promenade-, König- und Horchlerstraße im Raum gestanden. Gewerbe und eine Tiefgarage sollten dort Platz finden. 

Zwischenzeitlich steht das Sparkassenquartier als alternativer Standort für die Stadtbibliothek zur Diskussion (der Kreisbote berichtete). Erst wenn sich die Stadt für die Schwaigwiesschule oder das Sparkassenquartier als Bibliotheksstandort entschieden habe, könne es weitergehen. Falls die Bibliothek komme, werde ein gemeinsamer Wettbewerb für „zwei stimmige“ Nutzungen im Sparkassenquartier ausgelobt. Auf jeden Fall soll dort die kleingliedrige Struktur erhalten bleiben, erklärte Hegedüs. 

Im Moment finden dort Begehungen mit dem Denkmalschutz statt. Durch getätigte Grundstückskäufe in der Nachbarschaft könne die Hinterhofsituation aufgelöst werden. Kommt die Bibliothek am anderen Standort unter, lobe die Sparkasse den Wettbewerb alleine aus. Auch hier solle die Kleingliedrigkeit erhalten bleiben. Auch wie es mit der Tiefgarage weitergeht, war lange Zeit von der Bibliotheksfrage abhängig. 

Jetzt reicht die Sparkasse einen Bauantrag für die Renovierung der Garage am Friedensplatz unter anderem mit neuem Brandschutz ein. Wie das neue Einfahrtbauwerk aussehen soll, wird noch untersucht. Es soll mehrere Funktionen erfüllen. Optisch zum Stadtpark passend soll es nicht nur Platz für die Einfahrt, sondern auch für einen Rückkühler und einen Fußgängerweg bieten.


Susanne Lüderitz

Auch interessant

Meistgelesen

Zimmer brennt in der Fischersteige
Zimmer brennt in der Fischersteige
Der erste Waldkindergarten Kemptens öffnet Wipfel, Tipi und Bauwagen
Der erste Waldkindergarten Kemptens öffnet Wipfel, Tipi und Bauwagen
Bauvorhaben in der Breslauer Straße im Gestaltungsbeirat
Bauvorhaben in der Breslauer Straße im Gestaltungsbeirat
Initiative "100 Euro Ticket auch für Kempten" gegründet
Initiative "100 Euro Ticket auch für Kempten" gegründet

Kommentare