"Künftig weniger Leute für die Posten"

Der stellvertretende Regimentskommandeur: Oberstleutnant Andreas Steinert. Foto: privat

Am Montag vergangener Woche haben in der Artillerie-Kaserne Kempten letztmals Wehrpflichtige ihren Dienst angetreten. Nach dem Beschluss des Bundeskabinetts Mitte Dezember, die Wehrpflicht auszusetzen, werden bereits ab dem 1. März nur noch Freiwillige auf eigenen Wunsch zur Bundeswehr eingezogen. Der KREISBOTE hat mit dem stellvertretenden Regiments- kommandeur des Gebirgssanitätsregiments 42 „Allgäu“, Oberstleutnant Andreas Steinert, über die Aussetzung der Wehrpflicht und die damit verbundenen Auswirkungen auf den Kasernenalltag, die Ausbildung oder die Nachwuchssicherung gesprochen.

Wie bewerten Sie die Entscheidung der Regierung, die Wehrpflicht auszusetzen? Steinert: „Ich persönlich finde diese Änderung schade, da damit eine Ära zu Ende geht. Die Wehrpflicht war immer eine sehr gute Bindung an die Gesellschaft. Es steht aber nicht zur Debatte, die Entscheidung zu bewerten. Das ist der politische Wille und der wird durch uns auf der militärischen Ebene umgesetzt.“ Welche Auswirkungen hat die Änderung auf den Kasernenbetrieb? Steinert: „Fest steht, dass wir künftig keinen Nachwuchs mehr aus der Wehrpflicht rekrutieren können. Auf die direkte Arbeit im Gebirgssanitätsregiment 42 Allgäu hat es natürlich Auswirkungen. Künftig werden weniger Leute für die verschiedenen Dienstposten zur Verfügung stehen und die Dienstposten, die für Grundwehrdienstleistende vorgesehen sind, unbesetzt bleiben.“ Hat die Aussetzung der Wehrpflicht Auswirkungen auf die Auslandseinsätze der Bundeswehr? Steinert: „Nein, gar keine. Wehrpflichtige machen keine Auslandseinsätze, dafür wurden bisher nur Zeit- und Berufssoldaten ausgewählt.“ Wird die Grundausbildung wieder verlängert oder intensiviert? Steinert: „Das steht noch nicht fest. Die Entscheidung, ob die Grundausbildung so bleibt wie jetzt oder ob sie geändert wird, wird noch getroffen.“ Können Sie kurz erklären, was die Grundausbildung ist? Steinert: „Die Grundausbildung liefert die Basics für die Soldaten. Sie vermittelt grundsätzlich allen Soldatinnen und Soldaten militärische Grundkenntnisse und Grundfertigkeiten. Die Rekruten lernen, wie man sich als Soldat verhält, wie man mit einer Waffe umgeht und notwendige Dinge, um auf einem Gefechtsfeld überleben zu können. Nach der Grundausbildung kennen die Rekruten die Grundlagen für das Überleben im Einsatz, können nach den gesetzlichen Rechten und Pflichten handeln sowie Sicherungs- und Wachaufgaben wahrnehmen. Die Grundausbildung schafft Grundlagen vom Einfachen zum Schweren. Beispielsweise wird das Soldatengesetz behandelt. Was für Rechte und Pflichten habe ich als Soldat? Die Soldaten verfügen über grundlegendes Wissen der Regeln des militärischen Zusammenlebens und über Verhaltenssicherheit im täglichen Dienst.“ Kann ihrer Meinung nach der Nachwuchs der Bundeswehr in Zukunft noch gesichert werden? Steinert: „Ja, weil der Soldatenberuf ein attraktiver Beruf ist.“ Inwieweit attraktiv? Steinert: „Ich kann nicht beantworten, wie attraktiv die Bundeswehr für junge Menschen wirkt. Das weiß ich nicht. Bei mir persönlich war es die Überzeugung, einen Beruf zu ergreifen der nötig ist, um zur Sicherheit Deutschlands beizutragen. Ich bin der Meinung, dass wir nach wie vor Streitkräfte brauchen.“ Wie geht es nach Aussetzung der Wehrpflicht mit dem Bundeswehr-Standort Kempten weiter? Steinert: „Das kann ich nicht sagen. Die Entscheidungen zu Struktur und Standort werden erst im Laufe des Jahres fallen.“

Auch interessant

Meistgelesen

Feiern verbindet
Feiern verbindet
Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten

Kommentare