Die Sache mit der Kunst

Die Künstlerin Julia Miorin verleiht Alltagsgegenständen neue Bedeutungen

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Kunst trifft Humor: ein dreckiger Lappen majestätisch präsentiert.

Kempten – Worin die einen nur einen scheinbar willkürlich zusammengesetzten Klecks Farbe erkennen, sprechen andere von einem bedeutenden Meisterwerk. Über Kunst lässt sich bekanntermaßen streiten.

Von der Leistung der in Memmingen geborenen Julia Miorin überzeugt, war hingegen die Jury, die 2017 zum ersten Mal das Ausstellungsstipendium der Sparkasse Allgäu an die junge Künstlerin vergeben durfte. Die mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung ermöglicht Miorin eine Einzelausstellung ihrer skulpturalen Werke, die mit der Vernissage vergangene Woche in der Kunsthalle Kempten feierlich eröffnet wurde.

Dass die Kunst im Mittelpunkt des Geschehens stehen sollte, zeigten die die Veranstaltung einleitenden kurz gehaltenen Ansprachen. Manfred Hegedüs, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Allgäu, verdeutlichte den über 50 Gästen das wichtige Anliegen der Sparkasse, sich an gemeinnützigen Aufgaben in der Region zu beteiligen, wozu die Förderung junger und talentierter Personen aus den Bereichen Kunst und Kultur zähle. Auch Kulturamtsleiter Martin Fink ist vom Talent Miorins überzeugt: „Die Werke sind sehr durchdacht aufgebaut. Selbst der durch die Spots an der Decke verursachte Schatten ist bewusst so eingesetzt“. Außerdem erwähnt er in seiner Rede die Spitze Humor, die die jeweiligen Skulpturen mit sich brächten.

Besagten Humor braucht es mitunter bei einem Ausstellungsstück, das lediglich einen verschmutzten Lappen auf einem rotierenden Sockel zeigt, einem wertvollen Kunstwerk gleich ausgestellt. „Die Form des ehemals flexiblen und mittlerweile genau auf diese Art und Weise erstarrten Gegenstands ist faszinierend“, erklärt Julia Miorin dazu. Mit diesem und zahlreichen weiteren Werken möchte sie den im Alltag über den Zweck hinaus keinerlei Beachtung geschenkten Gebrauchsmaterialien, eingebettet in einem den Ort der Objekte vorgebenden Gestell, eine neue Bedeutung verleihen. Dabei gleicht keine ihrer Ausstellungen der anderen, wie die Künstlerin verrät: „Das Grundgerüst bleibt bestehen, während sich die Details wandeln. Es ist immer wieder von Neuem ein sinnlich assoziativer Wahrnehmungsprozess“. Ganz wichtig ist Miorin dabei, dass all ihre Werke durch den Betrachter frei interpretiert werden können.

Kunstinteressierte haben noch bis zum 22. Dezember die Gelegenheit, die „Instrumentarien“ in der Kunsthalle (Memminger Straße 5) aufzusuchen, um sich von Bonbonpapieren, Hornhautentfernungssteinen, Polstervariationen und vielen weiteren Gegenständen des täglichen Alltags fern des Alltags inspirieren zu lassen. Geöffnet ist die Ausstellung Do./Fr. jeweils von 14 bis 18 Uhr sowie Sa./So. von 12 bis 18 Uhr.

Dominik Baum

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