"Kultur gibt’s nicht zum Nulltarif"

Publikumsmagnet – und trotzdem offenbar ein Minusgeschäft: Der Kemptener Weihnachtsmarkt, für den KTV ab nächstem Jahr ebenfalls zuständig ist. Foto: Archiv

Der Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs der Stadt, Kempten Tourismus- und Veranstaltungsservice (KTV), für das kommende Jahr sorgte am Donnerstagabend erneut für Diskussionsbedarf im Finanzausschuss. Der Grund: KTV-Geschäftsführerin Martina Dufner-Wucher rechnet mit einem Jahresergebnis von rund 2,643 Millionen Euro Minus. „Das Ziel muss sein, dass die Aufgaben so effizient wie möglich gemacht werden, aber dieser Bereich wird uns immer so zwei Millionen kosten“, meinte dazu OB Dr. Ulrich Netzer (CSU).

Neben den Sparten Tourismus, Allgäuer Festwoche, Kornhaus, Allgäuhalle, Markthalle, Stadttheater und Veranstaltungsräume der Residenz, ist der KTV ab dem kommenden Jahr auch für den Kemptener Weihnachtsmarkt zuständig. Der Eigenbetrieb der Stadt übernimmt somit die Aufgaben des Vereins Kempten Regio Tourismus, der zum Ende des Jahres aufgelöst wird. „Das Stadttheater ist unsere weitaus größte Verluststelle“, betonte Dufner-Wucher in ihrem Vortrag. Der Zuschuss für das TheaterInKempten musste gegenüber dem ersten Ansatz nochmals um 70 000 Euro erhöht werden, sodass er jetzt 550 000 Euro beträgt. Alles in allem ist im Wirtschaftsplan 2012 für alle acht Sparten ein Verlust eingeplant. Der Zuschussbedarf für den KTV liegt daher bei 2,275 Millionen Euro. Helmut Hitscherich (UB/ödp) rief in Erinnerung, dass das Ziel im vergangenen Jahr gewesen sei, das Minus zu verringern. „Warum machen der Weihnachtsmarkt, die Allgäuhalle oder die Markthalle solche Verluste und warum wird die Standmiete für die Allgäuer Festwoche nicht angehoben?“ fragte er. Hitscherich zufolge müssten jetzt Sparmaßnahmen ergriffen werden, um von dem großen Minus herunterzukommen. OB Netzer war in Sachen Weihnachtsmarkt gleicher Meinung. „Kurz- bis mittelfristig muss man sich die Frage stellen, warum wir da ein Minus haben.“ Die schwarze Null sollte schon das Ziel sein. Harald Platz (CSU) erklärte, dass das Defizit mit dem ausgewogenen Angebot zu tun hat, das auf dem Weihnachtsmarkt angeboten werden soll. Man könne von Kunsthandwerkern nicht die gleiche Standmiete verlangen, wie von Glühweinverkäufern. Im Bezug auf die Festwoche meinte Netzer, dass er Verständnis dafür habe, dass Dufner-Wucher vorsichtig kalku- liere, allerdings sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass man mit einem Plus oder zumindest „rund um die Null“ rauskomme. Bei der Markthalle sei die Hoffnung nicht eingetreten, dass sie auch außerhalb des Wochenmarktes gut vermietet werden kann. „Bei der Allgäuhalle stehen 2012 hohe Bauunterhaltskosten an, die erforderlichen Brandschutzmaßnahmen werden 2012 zum Abschluss kommen“, erklärte Dufner-Wucher. Daher seien die Kosten ab 2013 wieder wesentlich geringer. Insgesamt sei die Lage in den Veranstaltungshäusern stabil, trotz der Kostensteigerungen. „Eine schwarze Null werden wir in vielen Bereichen nicht schaffen“, betonte Bürgermeister Josef Mayr (CSU). Er wies jedoch darauf hin, dass die Kulturveranstaltungen Kempten „gut tun“ und zu dem guten Image der Stadt beitragen. Zudem dürfe nicht vergessen werden, dass „wir von diesen 2,5 Millionen viele Aufwände trotzdem hätten“. Denn Bauunterhalt würden viele der Gebäude trotzdem kosten. CSU-Fraktionsvorsitzender Erwin Hagenmaier pflichtete ihm bei und verdeutlichte: „Kultur gibt’s nicht zum Nulltarif.“

Auch interessant

Meistgelesen

Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Indien trifft Allgäu
Indien trifft Allgäu
Zwischen Romantik und Realität
Zwischen Romantik und Realität
Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro

Kommentare