"Kultur-Kutter" auf der Iller?

Die Projektbeteiligten Alexander Siebers (v.l.) Christian Tonger, Timo Pietschmann und Anna-Sophie Siebers stießen mit ihrem Konzept für den „Kemptener Kultur Kutter“ zur Belebung der Iller auf großes Interesse bei Altstadtfreunde-Vorsitzendem Dietmar Markmiller, Baureferentin Monika Beltinger und Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann. Tröger

Spannend ist nicht nur der bunt gemischte Haufen aus zwölf jungen Stuttgartern, die das von den Kemptener Altstadtfreunden angestoßene Projekt „Iller erleben“ durch einen „Kemptener Kultur Kutter“ mit Gastronomie- und Kulturangebot bereichern wollen. Jeder von ihnen auf seine Art mit dieser Stadt verbunden, eint sie das Ziel, ihre verschiedensten Fähigkeiten – im Team findet sich vom Landwirt, Architekt, Ingenieur über Gastronom, Landschaftsgärtner bis hin zum Schauspieler so einiges – in einem gemeinsamen Projekt einzubringen und zwar in Kempten.

Bei der Vorstellung des allerdings noch detailliert auszuarbeitenden Konzeptes stießen die Projektbeteiligten Anna-Sophie Siebers, Kinderkrankenschwester und Team-Mitglied des „Café Galeo“, der angehende Architekt Timo Pietschmann und der Informatiker Christian Tonger bei Vertretern der Stadt und der Altstadtfreunde auf offene Ohren. Und auch Investoren haben laut Pietschmann bereits Interesse bekundet. Eine Plattform für die hiesige wie internationale Musikszene, für Theater, Lesungen und auch Kunstausstellungen, dazu ein kulinarisches Angebot aus vorwiegend regionalen Zutaten – bevorzugt biologisch – mit „reichen bis leichten Speisen“, Frühstück sowie Kaffee und Kuchen am Nachmittag soll nach Wunsch der „Macher“ einen möglichst „breit gefächerten Kundenstamm“ anlocken. Den schwierigen Gegebenheiten der Iller Rechnung tragend, soll den örtlichen Rahmen ein „Kutter“ alias einer zweigeschossigen Schwimmplattform auf dem Fluss bieten. Je eine Führungsstütze an den vier Ecken soll die Position sichern und ein seitliches Abdriften verhindern, zugleich aber vertikal Pegelschwankungen ausgleichen können. Barbereich, Gastraum und alle nötigen Nebenräume sollen in der unteren Ebene Platz finden. Zur Sicherung des Umgangs im Außenbereich sollen Auffangnetze dienen, zugleich nutzbar als Liegemöglichkeit. Weitere Sitzmöglichkeiten sind auf der Dachterrasse angedacht. Ein „möglichst maritimes“ Ambiente will die Gruppe durch natürliche Materialien wie Holzböden, Beplankung oder helles Segeltuch schaffen. Rund 100 Menschen sollen im 50 Quadratmeter großen Innenraum Platz finden. Dazu soll der Außenbereich inklusive der Netze weitere 200 Quadratmeter bieten. Als Zukunftsvision stellte Siebers einen „interkulturellen Garten“ im nahen Uferbereich in Aussicht sowie „Illerfestspiele Kempten“. „Wir sind überzeugt, dass der Kutter eine Attraktion zur Belebung der Iller wird und die Leute von der Iller auf die Iller ziehen wird“, gab sie sich optimistisch. "Der Knackpunkt ist in erster Linie die Iller" Einen kleinen Dämpfer erfuhr das ambitionierte Projekt durch den ehemaligen Baudirektor im Wasserwirtschaftsamt, Dieter Schade. Zwar schloss er sich dem Unisono-Lob für das „wunderschöne Konzept“ an, nannte aber als „Knackpunkt in erster Linie die Iller“. Nach Rücksprache mit dem für den Fluss zuständigen Amt, prognostizierte er „schlechte Aussichten“. Aufgrund bis zu fünf Metern variierender Wasserstände, enormer Unterschiede in der Fließgeschwindigkeit, wegen des Treibgutes und der Probleme durch Niedrigwasserstände würde das Konzept dort „sehr kritisch“ gesehen. Bedenken, auch wegen zu niedriger Wasserpegel konnte Pietschmann ausräumen. Statt des Wunschstandorts bei den Brückensurfern oder im südlichen Erholungsbereich hielt Schade den nördlichen Illerbereich eher für machbar. Altstadtfreunde-Vorsitzender Dietmar Markmiller sagte auf Anhieb „Unterstützung des Vereins“ zu, machte dabei aber klar, dass die Entscheidung des Wasserwirtschaftsamtes Kempten das „on/off-Kriterium ist“. Zwar räumte Tonger ein, auch für Alternativen offen zu sein, aber Siebers brachte das Problem dabei auf den Punkt: „Wir haben überlegt, wie schafft man es, nicht die 23. Kneipe in Kempten zu werden“, sondern sich abzuheben. Heinz Christ, Chef des Allgäuer Brauhauses, bestätigte ein mangels Konzepten „ziemlich gleichförmiges Angebot“ in der Kemptener Kneipenlandschaft und begrüßte die „sehr gute Idee“ der Stuttgarter. Auch wenn er sich die Realisation an der problematischen Iller noch nicht recht vorstellen konnte, bot er nach dem Gespräch mit dem Wasserwirtschaftsamt ein „Treffen im kleinen Kreis“ wegen möglicher Hilfestellungen an. Das Konzept „trifft genau unser Ziel“ für die Illerbelebung, zeigte sich auch Kemptens Baureferentin Monika Beltinger von der Vorstellung „fasziniert“. Die Realisierbarkeit müsse man aber erst „abchecken“.

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