Kultur zeigt wieder Präsenz

Das Kulturamt hat der Corona-Krise von Anfang an die Stirn geboten – Ausschuss sieht‘s gespalten

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Zoe Lau ist eine der hiesigen KünstlerInnen, denen Kulturamt mit Kleinkunstverein Klecks im Rahmen des Kultursommers wenigstens einen Auftritt ermöglichen.

Kempten – Unzufrieden zeigte sich die Kulturbeauftragte des Stadtrats Annette Hauser-Felberbaum (FW) über die Ihres Erachtens lediglich sechs Konzerte des vergangenen Samstag angelaufenen Kultursommers im Innenhof der Residenz (immer samstags, jeweils um 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr), die das Kemptener Kulturamt zusammen mit dem Kleinkunstverein Klecks e.V. auf die Schnelle aus dem Boden gestampft haben.

Prinzipiell sei das zwar gut, „aber eindeutig zu wenig“, beharrte die Kulturbeauftragte mit Blick auf die von der Corona-Krise gebeutelten Kulturschaffenden und betonte, man müsse die Zeit jetzt für Veranstaltungen nutzen, da im Oktober draußen wetterbedingt vielleicht nichts mehr gehen werde und man auch nicht wisse wie sich die Pandemie entwickle. Da half auch nicht, dass Kulturamtsleiter Martin Fink ihr erklärte, dass der aus dem Hut gezauberte Kultursommer nur Dank der guten Kooperation mit dem Klecks überhaupt so schnell möglich sei, man auf der Suche nach weiteren Optionen – vor allem Spielorten – sei und man jetzt zum Wiedereinstieg in das analoge kulturelle Leben bewusst lokale und vor allem professionelle Musikerinnen und Musiker engagiert habe – und das ohne die Gage herunterzuhandeln. Parallel sei Christa Eichhorst beauftragt, sich um die lokalen Vereine und Kapellen zu kümmern. 

Im aktuellen Bericht zu den Aktivitäten des Kemptener Kulturamts konnte Fink auf zahlreiche Veranstaltungen seit Mitte Mai verweisen: der Bewegte Donnerstag im Kempten-Museum, Vorträge zur Antike mit Publikum, Wiederaufnahme der öffentlichen Führungen, APC-Sommer Festival, eine außerplanmäßige Veranstaltung auf dem Hildegardplatz mit den Wendejacken. Neben dem Kultursommer Kempten – Residenzhof Open Air wird Ende dieser Woche die jährliche Kunstausstellung, die in diesem Jahr ohne den Rahmen der Allgäuer Festwoche auskommen muss, mit einem breit gefächerten Begleitprogramm eröffnet.

Kommentar

Verblüffend die Kritik trotz der vielen Aktivitäten, die das Kulturamt während der Corona-Krise auf den Weg gebracht hat, sowohl um den KemptenerInnen zu signalisieren, dass diese auch in schweren Zeiten auf es zählen können, als auch Kulturschaffenden die Möglichkeit zu geben, während des Lockdowns gegen Gage online präsent zu bleiben. Auch nach den ersten Lockerungen war das Kulturamt in Kooperation mit dem Kleinkunstverein Klecks erstaunlich schnell mit Live-Veranstaltungen zurück, sei es mit dem APC-Sommer oder aktuell dem Kultursommer, der großen Kunstausstellung... Daneben lief und läuft selbstredend der „normale“ Betrieb weiter, von der Weiterentwicklung des Kulturkonzeptes über die Museumsaktivitäten und vieles mehr. Dass vom Theater in Kempten seit dem Lockdown nichts mehr zu hören und sehen war, abgesehen von Terminabsagen, und auch der neue Spielplan vor allem Wiederholungen bietet und ein Gesamtprogramm, das keinen Plan B im Falle einer zweiten Pandemie-Welle vorsieht, scheint dagegen kein Problem zu sein. Fakt ist außerdem, dass einfach nur mehr Veranstaltungen das Problem der Kulturschaffenden nicht annähernd löst. Dass Kulturveranstaltungen wieder stattfinden ist definitiv gut und richtig. Für die Akteure ist es ein Tropfen auf den heißen Stein. Da ist ein umfassenderes Konzept gefragt.

Christine Tröger

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