Eröffnung Museum im Zumsteinhaus und viele spannende Themen

Kulturamt ist 2019 "offen"

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Noch bis 19. Mai ist „Mensch.Land.Flucht – Eine Ausstellung vom Weggehen und Ankommen“ im Alpin-Museum im Marstallgebäude zu sehen.

Kempten – Als ein Jahr voller Neuerungen und „Highlights“ kündigt Kulturamtsleiter Martin Fink das Programm an, mit dem sein Amt die Menschen 2019 für Kultur jeder Art begeistern will. Und auch „Jubiläen“ gibt es zu feiern: 70 Jahre Festwochen-Kunstausstellung und fünf Jahre KunstNachtKempten (21. September). „Offen sein“ lautet das Motto des Jahres, schließlich versuche man „immer wieder aktuelle und schwierige Themen aufzugreifen“, wies Fink auf beispielsweise die noch bis 19. Mai laufende Ausstellung „Mensch.Land.Flucht“ oder diverse Vorträge hin.

Von vielen Kemptenern bereits sehnsüchtig erwartet, steht unter den zweifellos großen Kulturereignissen am 26./27. Oktober die Eröffnung des neuen Stadtmuseums im Zumsteinhaus mit einem „großen Fest für alle“ an. Im Rahmen des Internationalen Museumstags gibt es vorab noch eine Zwischeneröffnung (18./19. Mai), bei der die Architektur und Sanierung des Gebäudes im Mittelpunkt stehen. „Es sind dem Haus würdige Sanierungsarbeiten“ gewesen, „mit viel Liebe zum Detail“, sagte Museumsleiterin Dr. Christine Müller-Horn gegenüber dem Kreisbote. Erst im Anschluss an die Zwischeneröffnung soll die Ausstellung eingebaut werden, die Ausschreibung laufe bereits. Ein bisschen Sorge hat Müller-Horn allerdings, weil die guten Firmen wegen großer Projekte in ganz Deutschland bereits gut beschäftigt seien. Immerhin laufe die Arbeit mit der Schweizer Arge Gillmann Schnegg „wie am Schnürchen“. Sie sei „ein guter Partner“, um solch ein niederschwelliges Mitmachmuseum realisieren zu können. 

Aktuell ist das Kulturamt für das neue Stadtmuseum auf der Suche nach Bildern (bis 31. August 2019), die beliebte Freizeitorte und -aktivitäten der Menschen in Kempten zeigen. Mit auch überregionalem Medieninteresse rechnet Fink, wenn auf dem Gelände des Archäologischen Parks Cambodunum (APC) die öffentliche Schau-Grabung „Wie lebten die Römer in Kempten“ von 29. Juli bis 6. September 2019 läuft. In der wissenschaftlichen Ausgrabung, die in Kooperation mit der LMU München durchgeführt wird und als mehrjähriges Projekt angelegt ist, sieht er einen wichtigen Schritt, wieder in die Fachwelt einzusteigen. Man erwarte davon zwar „keine Goldschätze“, aber „Erkenntnisse zur Besiedelung Kemptens“ sowie die Chance aufgrund geophysikalischer Messungen Wissenslücken in der Römerstadt schließen zu können. Das Grabungsfeld liegt am Westrand eines römischen Wohnviertels, als Insula 1 bezeichnet, wo das einzige Bürgerhaus von Cambodunum untersucht werden soll, das nicht durch moderne Bebauung zerstört wurde und bislang nur in den Berichten von 1892 des ersten Cambodunum-Forschers August Ullrich Erwähnung findet. 

Vom 27. bis 30. Juni steht erneut ein verlängertes Wochenende mit dem APC Sommer-Festival auf dem Programm, mit Gästen aus der weiten musikalischen Welt und auch auf eine Römerwoche (11. – 14. Juni) können sich die Fans wieder freuen. 

Ferner ist in Kooperation mit der vhs ein „TalentCampus“ geplant, bei dem es um Schindeln von der Produktion bis zum Decken eines Daches geht sowie diverse Vorträge zur Antike, zur Stadtgeschichte und zu antiker Musik. Am Tag des offenen Denkmals (8.September), heuer unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“, widmet sich der APC der Neuorganisation der Römerstadt unter Kaiser Vespasian. Dazu sollen laut Fink erstmals großformatige virtuelle 3D-Rekonstruktionen der Römerstadt zu sehen sein, als Vorschau auf das 2020 abgeschlossene LEADER-Projekt „Reise in die Römerzeit im APC“. 

Seit vergangenem Herbst ganzjährig geöffnet, bietet auch das Alpin-Museum im Marstall wieder ein vielfältiges Programm. Neben der Dauerausstellung „Leuchtendes Mittelalter“, gibt es noch bis 10. Mai Gelegenheit „Mensch.Land. Flucht – Eine Ausstellung vom Weggehen und Ankommen“ und/oder deren Rahmenprogramm zu besuchen: z.B. die Denkrunde, mit dem von Karl Valentin aufgeschnappten Thema „fremd ist der fremde nur in der fremde“; den Tanzworkshop für Kinder „Ich – Du – Wir“ am 4. Mai; oder den Workshop „Erfolgreiche Integration ausländischer Arbeitnehmer im Unternehmen“. 

Was Müller-Horn besonders freut: Die Anmeldungen für die museumspädagogischen Angebote „gehen nach oben“ und künftig soll es da ebenso Angebote für Erwachsene geben. Darüber hinaus soll Kunstpädagogik eine Rolle spielen, allerdings nicht praktisch wie in der Kunstschule, sondern es soll um „Sehen lernen“ gehen. Auch Kindergeburtstage können jetzt im Museum gefeiert werden, was bereits gut angenommen werde. Zur 70. Festwochen-Kunstausstellung ist ein Jubiläumskatalog geplant, in dem nicht nur die in 70 Jahren gezeigte Festwochen-Kunst ihren Platz finden soll, sondern auch Ausstellungsgestaltung oder Preisentwicklung.

Volles Programm heißt es weiter in der Kunsthalle, die mit neun Ausstellungen erneut ganzjährig bespielt ist. Der Fokus soll laut Fink wieder verstärkt auf regionaler Kunst liegen. Bestückt wird der Ausstellungsort u.a. von zwei KunsthallenstipendiatInnen (Florian Rautenberg und Antje Seeger); der Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Allgäu/Schwaben-Süd zeigt in seinem Werkblock „Die Neuen“ KünstlerInnen, die dem Verband in den letzten drei Jahren beigetreten sind; das Ausstellungsstipendium der Sparkasse Allgäu wurde Elisabeth Bader zuerkannt, die „Artgerecht“ präsentiert; Jürgen Meyer zeigt in seiner Einzelausstellung „Cluster“; ferner darf man gespannt sein auf das „BaumLaboratorium“ und die Ausstellung der Vorjahres-Kunstpreisträgerin der Stadt Kempten, Brigitte Hafer. Natürlich ist auch die „erfolgreichste Ausstellung in der Kunsthalle, wie Fink den „Klassiker“ bezeichnete, die Mitmach-Ausstellung von Flora Fassnacht und Anna-Wiebke Groß, wieder dabei. 

Das gesamte Programm 2019 des Kulturamts liegt in gedruckter Version an vielen öffentlichen Orten aus und steht online hier zur Verfügung. Bei der Vorstellung des Programms im Kulturausschuss entbrannte eine Diskussion darüber, ob die Broschüre „offen sein“ – Programm Kulturamt.2019“ für die Nutzer nicht irreführend sei, da sie suggeriere, es gebe sonst keine kulturellen Angebote, wie z.B. Theater. Das wollte unter anderem Birgit Geppert (CSU) schon allein wegen des Märchensommers auf der Burghalde „prominenter“ mitgenommen haben. Lothar Köster (SPD) verwies darauf, dass genau die Vernetzung der unterschiedlichen Kulturangebote in einer Gremiums-Diskussion vor ca. zwei Jahren „eingedampft“ worden und personell so auch nicht machbar sei. Barbara Haggenmüller (Die Grünen) stellte ferner die Frage, wie das „strukturell“ gehen solle, da die Angebote ja nicht mehr, wie früher, „in einem Amt gebündelt sind“. Für alle vorstellbar war am Ende eine für alle kulturellen Angebote gemeinsame Internetplattform als Kompromiss.

Christine Tröger

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