Gute Zeiten für den Tourismus, schlechte für den Wohnungsmarkt

Kulturausschuss Waltenhofen zieht Bilanz

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Erster Bürgermeister Eckhard Harscher lud die Gemeinde zum gemeinsamen Rückblick auf das Kulturjahr 2018 ein.

Waltenhofen – Tourismus, Jugendarbeit und Asylbewerber – diese Themenvielfalt bot die Agenda der öffentlichen Kulturausschusssitzung der Gemeinde Waltenhofen am Mittwochabend vor einer Woche im Sitzungssaal des Rathauses.

Den Beginn machte Jugendpflegerin Andrea Portsidis, die einleitend in ihrem Jahresbericht zur Offenen Jugendarbeit festhielt, dass es weder Gewalt- noch Suchtmitteldelikte gegeben habe und somit keinen Kontakt zur Polizei. „Wir setzen auf Prävention und begegnen den Jugendlichen auf Augenhöhe. Niemand wird ausgegrenzt“, erklärte Portsidis ihr Erfolgsrezept. Im weiteren Verlauf zählte sie zahlreiche kreative Aktionen und Veranstaltungen auf, die zum Teil Produkt einer großen Image-Kampagne waren, bei der viele Jugendhäuser aus dem Oberallgäu und dem Kleinwalsertal zusammenarbeiteten. Im Rahmen der Kampagne entstand unter anderem ein Film über die Offene Jugendarbeit in der Region, der Ende November 2018 im Filmtheater in Immenstadt seine Premiere feierte. „Der Film erzählt aus Sicht der Jugendlichen. Wie nehmen diese die Jugendarbeit selbst wahr?“, stellte die Jugendpflegerin die zentrale Frage des Films vor.  Im Jahr 2019 solle der Fokus wieder mehr auf die jüngeren Kinder gelegt werden, indem zusätzliche Nachmittagsangebote geschaffen würden, so Portsidis. Bereits das Herbstfest im letzten Jahr, das fünf Jahre Gemeindejugendarbeit feierte, wurde dazu genutzt, um neue Interessierte auf den Offenen Jugendtreff aufmerksam zu machen. „Wir würden uns sehr freuen, wenn die aufwendig von der Jugend organisierten Veranstaltungen künftig von der Bevölkerung noch besser angenommen würden, um deren Arbeit wertzuschätzen“, formulierte die Jugendpflegerin abschließend ihre Bitte an alle anwesenden Gäste. 

Im Anschluss erhielt Helmut Fichtweiler das Wort, der einen Einblick in die derzeitige Situation der Asylbewerber und deren Unterkünfte gab. „Aktuell leben 94 Asylbewerber in der Gemeinde, deren Versorgung durch die ehrenamtlichen Helferkreise, die Gemeindeverwaltung und die Zusammenarbeit mit Allgäu Medical sichergestellt werden kann“, berichtete Fichtweiler und machte auf die Herausforderung durch kulturelle Unterschiede bei über zehn vertretenen Nationalitäten aufmerksam.

Ein großes Problem sei außerdem die Wohnungsknappheit, durch die momentan acht Bedarfsgemeinschaften wohnungssuchend seien. „Der Wohnungsmarkt ist leergefegt. Ich hoffe, dass wir weiterhin Lösungen finden, damit Zwangsräumungen verhindert werden können“, gab Fichtweiler zu bedenken.

Sein Bericht endete mit der für die Ehrenamtlichen demotivierenden Tatsache, dass vielen Flüchtlingen ein Arbeitsplatz erfolgreich vermittelt werden könne, diese Engagement bei ihrer Arbeit zeigten und dann ohne große Vorankündigung abgeschoben würden. Erster Bürgermeister Eckhard Harscher zeigte Verständnis für die Situation, verwies zeitgleich jedoch auf die bestehende Gesetzeslage, nach der die Asylanträge von allen Instanzen abgelehnt würden und ihm somit die Hände gebunden seien. Christine Taube, Geschäftsführerin des Allgäuer Seenlandes, konnte in ihrem Bericht über das vergangene Geschäftsjahr eine positive Entwicklung festhalten, wonach sowohl die Besucher- als auch die Übernachtungszahlen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen seien. Des Weiteren konnte in Kooperation mit den Tourismus-Studierenden der Hochschule Kempten während des Schwerpunkts „Destinationsmanagement“ der Ist-Stand des Seenlandes analysiert und neue Ideen entwickelt werden. „Der Fokus sollte nicht nur auf die Badeseen, sondern auf die Authentizität durch das gelebte Brauchtum gelegt werden“, stellte Taube ein Ergebnis dar, mit dem man sich aus der Vielzahl an Freizeitmöglichkeiten der benachbarten Regionen hervorheben könne. Wichtig sei ein gemeinsames Auftreten der vier involvierten Gemeinden Buchenberg, Sulzberg, Waltenhofen und Weitnau. Ein denkbarer Schritt in diese Richtung wäre ein ganzheitliches Marketingkonzept, so die Geschäftsführerin. Dem pflichtete Gemeinderatsmitglied Johann Jordan bei: „Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Es braucht eine zentrale Regelung, um sich optimieren zu können.“

 Gemeinderatskollegin Marlies Kuhn erinnerte daran, dass genau diese Art der Vernetzung die ursprüngliche Intention für die Gründung des Allgäuer Seenlandes gewesen sei. Gemeinderat Stefan Sommer warf die Idee in den Raum, über eine neue Organisationsform nachzudenken, um Synergien besser nutzen und personelle Kapazitäten freisetzen zu können. Ratskollege Michael Fink schlug vor, neben den Partnergemeinden das Gespräch zu den Tourismusvereinen zu suchen und gemeinsam kreative Arbeit zu leisten. 

Den letzten Bericht des Abends zum Thema Tourismus stellte Gemeindemitarbeiterin Sonja Schaller vor, die den von Christine Taube angesprochenen Aufwärtstrend hinsichtlich der Ankünfte und Übernachtungen für die Gemeinde Waltenhofen bestätigen konnte. Besonders beliebt sei der Urlaub auf dem Bauernhof. Die prozentual größten Zuwächse seien jedoch im Campingbereich zu verzeichnen, so Schaller. Ziel für den weiteren Jahresverlauf sei unter anderem die Neugestaltung der Urlaubswebsite der Gemeinde sowie der Ausbau des Social-Media-Auftritts, eine intensivere Vernetzung mit den Vermietern sowie die Etablierung digitaler Meldescheine, listete Sonja Schaller die ambitionierten Ziele auf.

Dominik Baum

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