Kulturelle Plattform zum Anfassen

Keine Festwoche ohne Plattform für die Kultur. Und die war auch zum 60. Jubiläum der Wirtschaftsausstellung in so ziemlich allen Varianten, mal sehr professionell, mal weniger, von morgens bis spät in die Nacht, an verschiedenen Orten vertreten. Auf der kleinen Bühne in der Kulturecke von Halle 8 faszinierte beispielsweise Pierre Dumas „Der Zuckerbäcker“ sein Publikum aller Altersklassen mit Zauberkunst und süßen Naschereien, die er wortgewandt an den Mann respektive die Frau brachte. Ebenfalls begehrt war es, den Abdruck der eigenen Hand in schillernden Farben bemalt als Festwochen-Souvenir mit nach Hause zu nehmen, wozu am vergangenen Wochenende Gelegenheit war.

Kinder-Mitmachtheater, Kasperletheater, Tanzvorführungen und Co. boten zehn Tage lang ein vielfältiges Programm in der Kulturecke um inne zu halten und sich erstaunen zu lassen. Eine Reihe toller Aktivangebote gab es auch im Zumsteinhaus, wo neben dem immer beliebten polieren von Steinen Eltern und Kinder beim „Museum zum Anfassen“ auf den Spuren der Römer wandeln konnten. Sie fertigten eigene Abdrücke römischer Fundstücke, schrieben einen „wichtigen Brief auf Papyrus mit Rohrfeder, Tusche und Siegel und zeigten sich schließlich von Kopf bis Fuß römisch gewandet auf der Zumsteinwiese. Volles Programm gab es natürlich auch auf der Bühne im Stadtpark, wo sich Musiker, Tänzer und Darsteller aller Sparten die Klinke in die Hand gaben. Tagsüber fieberten Kinder und Erwachsene bei der mittelalterlichen Rittershow von „Trutwin“, applaudierten den orientalischen Tänzen des „El Hawanem Ensemble“, bewunderten die traditionellen Trachten und Tänze der Unterillertaler und so einiges mehr. Abends lieferten hiesige Bands wie „Honky Tonk“ oder die „Vivid Curls“ dem abends überwiegend recht jugendlichen Publikum den richtigen Feier-Groove. Genüsse im Residenzhof Wem das Festgelände abends zu voll war, der konnte sich im Innenhof der Residenz kulinarischen und kulturellen Genüssen hingeben. Zu den Highlights außerhalb des Festwochengeländes zählte sicher die Residenzhofserenade mit dem Schwäbischen Blechbläserensemble, die allein schon eine unübersehbare Menschenmenge anzog und eigentlich am Brunnen auf dem Residenzplatz stattfand. Mit einem abwechslungsreichen Repertoire durch verschiedenste Epochen und Stile stimmten die exzellenten Musiker das Publikum auf das krönende Höhenfeuerwerk zum Abschluss ein. Tausende von Menschen hatten sich auf dem Platz eingefunden als Residenz und Basilika zu unterstreichender Musik – diesmal vom Band – in den farbigen Explosionen der Leuchtkörper erstrahlten. Einen wahren Ansturm hatte die Premiere von „Erntedank. Ein Allgäukrimi“ ausgelöst und einige lange Gesichter an den ruckzuck ausverkauften Vorverkaufsstellen hinterlassen. Mit der Entscheidung der Organisatoren, der möglichen Gewittervorhersage zu trotzen und den Film im Residenzhof zu zeigen, hatte dem Kartenmarkt mehrere hundert weitere Tickets beschert, die am Ende dennoch nicht für alle Fans reichten. Die 1200, die es geschafft hatten, wurden von den beiden Krimiautoren Volker Klüpfel und Michael Kobr mit Auszügen aus ihrem geschriebenen Werk eingestimmt, wobei die Zuhörer herzhaft über die offenbarten Eigenheiten der Allgäuer lachten. Vom Start des Films weg hatte der mit nahezu dem gesamten Filmteam anwesende Herbert Knaup in der Hauptrolle des schroffen Kommissars Kluftinger die Sympathie der Zuschauer auf seiner Seite. Gebannt folgten sie den in der Region gedrehten Bildern, die von humorvollen Szenen und Dialogen strotzten. Und dann kam es doch – das Gewitter. Erst nur mit einem kurzen Schauer als Vorbote etwa 20 Minuten vor Schluss, um fünf Minuten vor dem Finale als handfestes Gewitter loszubrechen. Ein kurzer Filmstopp gab den letzten Optimisten Zeit, in trockene Gefilde zu flüchten. Dicht gedrängt unter allem was Schutz vermuten ließ, konnte auch der Film gleich wieder gestartet werde. Denn der Stimmung und dem Verlangen, den Krimi bis zu Ende zu sehen, tat das bisschen Allgäuer Regen keinen Abbruch. Tolle Geburtstagsparty Fast ausverkauft war auch die Festwochen-Geburtstagsparty „60 Jahre und kein bisschen leise“ am vergangenen Mittwochabend. Die Zutaten: Eine laue Sommernacht, nostalgischer bis moderner Sound von den Publikumslieblingen „Babel and the Goodmen“ mit der Sängerin Mia Weirich, anmutige Stelzenläufer im Ambiente des Residenzhofes, eine Show aus „Illumination und Feuerzauber“. Einzig die zu lange Modenschau dämpfte die Feierlaune der Geburtstagsgäste zeitweilig ein wenig und gab Anlass, den Programmablauf zu ändern.

Auch interessant

Meistgelesen

Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Feiern verbindet
Feiern verbindet
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz

Kommentare