»Pflichtaufgabe für Kempten«

Kulturentwicklungskonzept erntet Lob

Ein künftiges Kulturquartier auf dem Gelände der Allgäuhalle, könnte das „Leuchtturm“-Projekt des KEKK werden
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Ein künftiges Kulturquartier auf dem Gelände der Allgäuhalle, könnte das „Leuchtturm“-Projekt des KEKK werden.
  • VonChristine Tröger
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Kempten – Dass Kultur ein einendes Instrument ist, bewies der Kulturausschuss, als er in seiner jüngsten Sitzung das zwischen 2019 und 2021 erarbeitete Kulturentwicklungskonzept Kempten (KEKK) einstimmig dem Stadtrat empfahl und das mit Lob aus allen Fraktionen.

Damit erhält die Stadt für ihre Kulturarbeit ein sparten- und sektorenübergreifendes Zukunftskonzept, das im Kern aufzeigt, welche Wege und kulturpolitischen Schwerpunkte die Stadt mit ihren Akteuren in der Kulturentwicklung mittel- bis langfristig einschlagen will. 

So waren am Prozess neben dem Kulturamt städtische Kulturakteure wie auch Vertreter angrenzender Bereiche wie Bildung, Soziales und Tourismus beteiligt. Als externer Projektleiter war die Stuttgarter Agentur Kulturgold in der KunstNachtKempten 2019 gleich mit einem viel gelobten „Kick-off“ gestartet als sie mit ihrem inszenierten „Büro für Kulturangelegenheiten“ vor der illuminierten Residenz 76 Bürgerinnen und Bürger aus Kempten und der Region Wünsche und Anregungen für die Kulturstadt Kempten entlockten. Es folgten leitfadengestützte Interviews mit Kemptener Kulturexperten sowie Leuten aus Politik und Verwaltung; auch die Freie Kulturszene kam in einer Zukunftswerkstatt zu Wort. In vier Themenworkshops mit insgesamt 80 Akteurinnen und Akteuren der beteiligten Disziplinen wurden daraus konkrete Ziel- und Maßnahmenvorschläge abgeleitet und von 50 Köpfen nochmals gefiltert.

Herausgekommen ist ein 46seitiger KEKK-Entwurf, der im Ausschuss für Kultur und Stadttheater vorgestellt wurde. Ein „Desiderat“, das sich laut Céline Kruska von der Agentur Kulturgold durch den gesamten Prozess gezogen habe, sei „der Wunsch nach kulturellen Begegnungs- und Austauschorten“.

Um die Kemptener Kulturlandschaft zukunftsorientiert weiter zu entwickeln, setzt das Konzept auf vier strategische Handlungsfelder, die als besonders bedeutend identifiziert wurden:

1. Vernetzung und Kooperation nach innen und außen sollen neue Impulse setzen und den Austausch zwischen den Kulturschaffenden untereinander ebenso wie zu den relevanten Stellen in Politik und Verwaltung fördern.

2. Kulturelle Bildung und Teilhabe (KuBiT) sollen durch mehr Partizipation und Diversifizierung gestärkt werden. Teilhabeorientierung soll auch über die Kemptener Stadtverwaltung hinaus als eine Querschnittsaufgabe wahrgenommen werden.

3. Das dritte Handlungsfeld setzt auf Kulturförderung und Verwaltung im Sinne von: „Mehr (Frei)RÄUME ermöglichen durch eine bedarfsgerechte und zeitgemäße Kultur(RAUM)förderung und Kulturverwaltung.“ Einmal mehr wird hier der auch von anderen Seiten immer wieder gehörte Ruf nach einem Kulturreferat laut, um den wachsenden Aufgaben gerecht werden zu können. Auch das Aufgaben- und Rollenprofil des Kulturamtes soll nachjustiert werden. Als wichtig werden zeitgemäße Richtlinien für die Kulturförderung sowie der Aufbau einer Kultur-Raumbörse erachtet. Einen „sehr großen Bedarf“ gibt es laut Kruska bei Serviceleistungen durch das Kulturamt, vor allem bei der Drittmittelakquise.

Aufwind dürfte den Befürworten des Nachnutzungskonzeptes für das Kulturquartier Allgäuhalle für die Freie Szene geben, dass das KEKK ein „Neues Kulturquartier/Kulturzentrum“ als einen mittelfristig zentralen Austausch- und Veranstaltungsort als „Leuchtturmprojekt“ sieht.

4. Handlungsbedarf sieht das KEKK schließlich noch bei Kommunikation und Sichtbarkeit, wobei eine digitale Kulturplattform besonders im Fokus steht. Sie müsse allerdings kreativ sein, wie Kruska darlegte.

Die Kulturentwicklung sieht Kruska als „keine freiwillige, sondern eine Pflichtaufgabe für eine Stadt wie Kempten. Das Positionspapier gelte es jetzt durch die Politik prüfen zu lassen.

OB Thomas Kiechle bezeichnete Kultur als „Teil der Daseinsvorsorge“. Gleichwohl gehe es aber „immer um das Ringen um die Ressourcen für alle strategischen Ziele“. Dennoch, meinte er, „sollten wir uns jetzt nicht vom finanziellen Spielraum abschrecken lassen“, sondern gut überlegen, „wie wir uns aufstellen wollen“. Nicht nur er sah hier einen „langfristigen Prozess“.

Annette Hauser-Felberbaum (FW), Beauftragte des Stadtrats für Kultur, erkannte „viele Weichenstellungen“ im vorliegenden KEKK. Besonders gut gefiel ihr, dass Akteure viele Punkte „klar definiert haben“.

Michael Hofer (UB/ödp) begrüßte das Konzept nicht zuletzt deshalb, weil man bald über die Allgäuhalle zu entscheiden habe. In seiner Fraktion habe man aus der Perspektive Big Box dazu bereits „einen Vortrag von Herrn Feneberg gehört“. Nun habe er gesehen, dass es gut wäre die Allgäuhalle als „Graswurzel“-Projekt für Kultur zu sehen.

Lajos Fischer (Die Grünen) begrüßte es, dass im KEKK auch schwierige Themen „nicht umschifft“, sondern angegangen worden seien. Das Resultat sei „sehr gut“ und auch die interkulturelle Öffnung habe von Anfang an eine große Rolle gespielt.

Von einem „ganz tollen Aufschlag“ um zu entscheiden, „was machen wir wirklich“, sprach Sibylle Knott (parteilos bei der CSU). Für die Politik liefere es eine „sehr gute Grundlage“ auch um den Austausch untereinander zu fördern“, da man von vielen Akteuren und Angeboten gar nicht wisse, dass es sie gibt.

Silvia Schäfer (CSU) hatte vor allem Menschen mit Migrationshintergrund im Blick, die sie stärker involviert sehen würde.

Andreas Kibler (FW) interessierte sich für Vergleichszahlen, wie viel Prozent des Haushalts andere ähnlich große Städte für Kultur ausgeben. Die gibt es laut Kurska aber nicht, aber sie könne sagen, „dass Kempten keinen großen Prozentsatz für Kultur zur Verfügung stellt“.

Die Zielsetzung für das „Starter-Kit“ ist klar: Fundamente legen, Leuchttürme setzen, schnelle Resultate erzielen. 18 Maßnahmen sind dafür in einem prioritären Paket für den Umsetzungszeitraum 2022/23 herausgepickt worden.

• Schaffung eines Kulturbeirats

• Gründung Freies Netzwerk Kultur

• Städtischer Eventmanager

• Regionaler Kick-Off-Workshop Kultur und Tourismus

• KuBiT-Stelle einrichten

• Interkulturelle Ankereinrichtung

• Kulturlotsen-Pools aufbauen

• Urban Art Festival der Popkultur

• „Urban Maker Space (AT)“

• Kriterienkatalog inklusive und barrierearme Kulturveranstaltungen

• Kulturpass für sozial- bzw. einkommensschwache Personen

• Kulturreferat einrichten

• Bedarfsgemäße Kulturförderrichtlinien

• Serviceleistungen Drittmittelakquise am Kulturamt ausbauen

• Raumbörse inklusive Leerstands- und Zwischennutzungsmanagement

• Modellprojekt: Kulturquartier entwickeln als Austausch- und Ermächtigungsort

• Modellprojekt: Digitale Kultur- und Austauschplattform

• Konzeptentwicklung städtische Werbeflächen für Kultur.

Lesen Sie auch: Was ist der Stadt Kempten Kultur wert?

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