Feedback zu den bisherigen Ergebnissen erwünscht

Kulturentwicklungskonzept ist in Arbeit

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Feedback erwünscht! Auf der Website www.Kulturlieferdienst.de können Interessierte am Kulturentwicklungskonzept mitwirken.

Kempten – Nicht nur den Kulturschaffenden selbst hat Corona einiges an überlebensstrategischer Kreativität abverlangt. Auch Einrichtungen wie das Kemptener Kulturamt mussten ihre Planungen neu justieren.

Unter anderem waren die ersten Schritte für ein neues Kulturentwicklungskonzept vor Corona noch planmäßig angelaufen (Kick-off war am 21. September 2019 im Rahmen der KunstNacht mit dem „Büro für Kulturelle Angelegenheiten“, und auch die 22 Interviews mit ausgewählten Schlüsselpersonen aus dem Kulturbereich der Stadt sowie VertreterInnen aus den relevanten Querschnittsfeldern Bildung, Soziales und Tourismus lagen bis Jahresende im Zeitplan). Der für Februar/März 2020 geplante Ideenworkshop mit Vertretern aus Kultur, Politik und Stadtgesellschaft war den Corona bedingten Veränderungen aber bereits zum Opfer gefallen. Statt dessen hatte das Kulturamt rund 30 freischaffende KulturakteurInnen und KünstlerInnen aus Kempten zu einer dreistündigen, moderierten Zukunftswerkstatt „Freie Szene Kempten“ mit den gebotenen Hygienevorgaben ins Alpin-Museum eingeladen. Im Fokus standen dabei einmal die Bedarfslage herauszufiltern sowie welche strukturellen Maßnahmen nötig sind, um die Situation von freien Kulturschaffenden und Einrichtungen in freier Trägerschaft in Zukunft nachhaltig zu unterstützen. Zuvor hatte das Kulturamt zusammen mit der Agentur Kulturgold als externer Projektleitung für das Kulturentwicklungskonzept die Onlineplattform www.Kulturlieferdienst.de ins Leben gerufen. Was ursprünglich zur Linderung des Kulturmangels (und der mangelnden Präsentationsmöglichkeit von Kulturschaffenden) zu Zeiten des Lockdowns konzipiert wurde, soll nun nachhaltig weitere Themenbereiche aufgreifen, unter anderem soll hier der seit vielen Jahren immer wieder ergebnislos andiskutierte Kulturkalender seinen Platz bekommen. Unter anderem ist auf der Website bereits eine kurze Zusammenfassung der vor Corona geführten Experteninterviews zu finden Darin wird die Situation der Kemptener Kultur als „grundsätzlich gut“ beschrieben. Positiv bewertet wird das kulturell breit gefächerte Angebot, u.a. mit den „Leuchtturm-Festivals“ oder auch dem Theater in Kempten, aber auch der „lebendigen freien Kulturszene und gelebten Brauchtumskultur“. Die „Strahlkraft auch über die Stadtgrenze hinaus“ ist laut Zusammenfassung allerdings „mit Blick auf die Rolle Kemptens als Kulturmetropole im Allgäu noch nicht ausgeschöpft“.

Als „großer Hemmschuh“ wird „unabhängig von Trägerschaft und Sparte“ die „geringe Kooperationskultur und -praxis der Kulturakteure untereinander beschrieben und auch die „fehlende Sichtbarkeit der kulturellen Angebote“ sei es im Stadtraum wie im Umland wird als problematisch erlebt. Einen großen Handlungsbedarf sehen die Befragten zudem bei der aktuellen Kulturförderpraxis. Aus den Befragung im „Büro für kulturelle Angelegenheiten“ während der letzten KunstNacht, den Experteninterviews und dem Workshop der Freien Szene wurden fünf Handlungsfelder abgeleitet, die Inhalt der für diesen Herbst anvisierten Themenworkshops sein sollen:

Kulturelle Teilhabe: Die Ursache für die eingeschränkte kulturelle Teilhabe einzelner Zielgruppen (u.a. Kinder, Jugendliche Menschen mit internationalen Wurzeln) wird nicht vor allem in einem Angebotsmangel gesehen, sondern im Mangel an flankierenden zielgruppenspezifischen Kommunikations- und Vermittlungsformaten.

Kommunikation und Digitalisierung: Das Kulturangebot der Stadt soll künftig „sichtbarer“ werden, sowohl in der Stadt selbst als auch im Umland.

Kulturförderung: Neben neuen Richtlinien zur monetären Förderung soll auch auf den wachsenden Bedarf nach einer zeitgemäßen Neuausrichtung der Förderpolitik und -praxis eingegangen werden.

Kooperation und Vernetzung: Die Vernetzungs- und Kooperationstätigkeit der Kemptener Kulturakteure sollen gestärkt und ausgebaut werden.

Partner Kulturverwaltung: Es gilt eine grundsätzliche Prüfung und Überarbeitung des Aufgabenprofils der Kulturverwaltung, die ihr personelles Korsett auch „angesichts eines wachsenden Aufgabenkatalogs“ nach wie vor als „eng geschnürt“ und generell überlastet einstuft.

Darüber hinaus hat sich genreübergreifend die Raumsituation für Kunstschaffende in Kempten als Thema herauskristallisiert. Bis zum Herbstworkshop können unter https://kulturlieferdienst.de/feedbackmodul Anmerkungen zu den einzelnen Handlungsfeldern abgegeben werden. Neu ist auch die mit Sabine Modzel-Hoffmann besetzte Beratungsstelle Kulturförderung im Kulturamt, um Kulturschaffenden bei der Akquise von Fördermitteln unter die Arme zu greifen (Kontakt über https://kulturlieferdienst.de/kulturfoerderung). Zwar kann das fertige Entwicklungskonzept nicht wie ursprünglich geplant diesen Herbst präsentiert werden. Anfang 2021 soll es aber voraussichtlich dann soweit sein, wie seitens des Kulturamts im Ausschuss für Kultur und Stadttheater vergangene Woche angekündigt wurde.

Christine Tröger

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