Kunst für Autofahrer

Sozialbau-Chef Herbert Singer (v.l.), Künstler Christian Hof und Galeria Kaufhof-Geschäftsführer Klaus-Michael Kurz betrachten im Parkhaus „Colosseum“ in der Hirnbeinstraße den Standort „Glück“. Foto: Läufle

Ein besonderes Kunsterlebnis können Autofahrer derzeit in fünf Parkhäusern und einer Tiefgarage in Kempten erleben. Der Kemptener Konzeptkunstler Christian Hof verlässt mit seinem Ausstellungsprojekt „Standortfragen“ bewusst Museen und Ausstellungsräume und präsentiert erstmals Kunst frei hängend in öffentlichen Parkhäusern. Insgesamt 24 Arbeiten können noch bis zum 1. Mai entdeckt werden.

Via Google hat Christian Hof nach Lebensinhalten bzw. Grundwerten gesucht, die ihm wichtig sind. Entstanden sind so 24 Quadratmeter große „Standortbestimmungen“ in Form von Stadtplänen, die jeweils einen öffentlichen Ausschnitt der weltweiten Infrastruktur unserer Mobilität samt rotem Zielpunkt zeigen. Die Bilder mit verschiedenen Werten wie beispielsweise Glück, Harmonie oder Toleranz hängen nun verteilt in den aufgrund ihrer zentralen Lage gewählten Parkhäusern der Sozialbau „Am Rathaus“ (Kronenstraße), „Colosseum“ (Hirnbeinstraße), „Altstadt“ (Burgstraße) und „Laetitia“ (Freudenberg) sowie im Parkhaus des Reischmann-Outlet und der Tiefgarage des Galeria Kaufhof. „Ich gehe den umgekehrten Weg und stülpe die museale Welt nach außen“, erklärte Hof seine Idee, die Bilder in Parkhäusern auszustellen. Eine spezielle Eröffnung der Ausstellung gab es übrigens nicht. „Die Exponate sind plötzlich da und plötzlich wieder weg“, meinte Hof. Interessant fand der Kemptener Künstler beim Auswählen der Orte für seine Werke, wie unterschiedlich die Parkhäuser in Kempten sind. Im Vorfeld des Bürgerentscheids zu einer möglichen Tiefgarage am Hildegardplatz (10. April) hat Hof mit seiner Ausstellung ein besonderes Ziel. Er möchte, dass die Bürger sich auf den Weg in den Kemptener Parkraum machen und sich mit der Parksituation auseinandersetzten. „Danach sollen sie wie auch immer abstimmen.“ Das Projekt soll also dazu anregen, sich der Bedeutung von Parkraum bewusst zu werden. „Eine Parksituation ist immer der Anfang zu etwas anderem“, so Hof, bzw. stelle das Ende eines Fahrweges zu einem Ziel dar. Spannend ist für den Künstler auch die Frage, ob derjenige, der vor oder neben einem Bild parkt, überhaupt merkt, dass dort ein Bild hängt. „Für kurze Zeit ist er dann der alleinige Nutznießer“, sagte Hof. Ob die Kunst den Passanten dabei erreicht, bleibt unklar. Spontane Unterstützung Gespannt auf die Reaktionen zum Projekt ist Herbert Singer, Geschäftsführer der Sozialbau. Als Christian Hof mit seiner Ausstellungsidee an die Sozialbau herangetreten sei, habe er zwar kurz die Stirn gerunzelt, dann aber die Idee spontan unterstützt, schilderte Singer. Verwundert war im ersten Moment auch Galeria Kaufhof-Geschäftsführer Klaus-Michael Kurz. Er ist aber der Meinung, dass „öffentlicher Parkraum eigentlich mehr wert ist, als dass Autos bloß herumstehen“. Damit die Autofahrer das Projekt wahrnehmen, soll es in jedem Parkhaus weiterführende Informationen zur Ausstellung von Christian Hof geben.

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