"Kunst to go für jedermann"

Freudenbergunterführung: Einfarbig und bunt, leuchtend und reflektierend

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„Donnie‘s Planet and the Dark Times of the Sun” – eine Traumwelt, ästhetisch, kindlich verspielt und gleichzeitig ernst vom Legauer Künstler Florian Rautenberg.

Kempten – Unter dem Motto „Farbe Bekennen“ stand die Vernissage der Künstlergruppe K-art-on e.V., die dieses Jahr ihr 15-jähriges Jubiläum feiert. Das Thema wurde bewusst gewählt, so die Veranstalter, es soll nicht nur in die Welt der Farben entführen, sondern auch zu vielfältigen Assoziationen und Bedeutungen inspirieren. Und es soll ermutigen, die eigene Ansicht und Meinung nach außen zu tragen. Zahlreiche Gäste waren letzten Donnerstag der Einladung zu diesem außergewöhnlichen Kunsterlebnis in das mannigfaltige Areal der Freudenbergunterführung in Kempten gefolgt.

Alle elf mitwirkenden Künstlerinnen und Künstler haben das Motto sehr individuell umgesetzt, so Bernd Henkel, der stellvertretende Vorsitzende von K-art-on e.V., der die Ausstellung gemeinsam mit Silvia Schäfer, Kulturbeauftragte des Kemptener Stadtrates, und Sozialbau-Geschäftsführer Herbert Singer eröffnete. Mit Ideen und Kreativität wurde aus dem einst schwierigen Ort der Freudenbergunterführung etwas Besonderes geschaffen, so Singer. Eine kreative Raumgestaltung mit einzigartigen Installationen ist entstanden, die viele neugierige Menschen anregen soll, sich mit Farbe auseinander zusetzen, resümierte Schäfer. 

Die Künstlergruppe, die 2019 das Areal in der Freudenbergunterführung aufwendig verspiegelt hatte, eröffnete nun im Rahmen ihrer Projektreihe „Reflektarium“ ihre dritte Ausstellung „Farbe bekennen“. Durch die Förderung der Sozialbau, dem Kunstfond der Regierung von Schwaben und der Stadt Kempten war eine Umsetzung des Projektes möglich, erklärte Traudl Gilbricht, Vorsitzende des Künstlervereins. 

Alles begann im Jahr 2005 mit dem Gesamtkunstwerk „die roten Schuhe“, mit Tanz, Theater, Gedichten und Kurzgeschichten, erzählte Gilbricht. Seitdem hat sich das Kunstgenre wesentlich erweitert und es sind neue besonders vielfältige Themenstellungen hinzu gekommen. Für Gilbricht muss ein Künstler Leidenschaft haben, Menschen begeistern und mitnehmen können. Ihre Gruppe möchte Kunst für jedermann kreieren, erklärte die Vorsitzende. Das Markenzeichen ihrer Ausstellungen sei immer ein gewähltes Thema, dadurch entstehe mehr Kreativität und Inspiration, mit immer wieder neuen Exponaten. 

Die Werkschau zeigt einfarbige und bunte, leuchtende und reflektierende Konstruktionen und Installationen bis hin zu interaktiven Rauminszenierungen. Die Illusionen, Spiegel-, Licht-, Schatten-und Videowelten – verstärkt durch die verspiegelten Räume und Wände – nehmen den Betrachter mit auf eine Reise, die ins Unendliche zu gehen scheint. Das Konzept stellt die eigene Identität und Wahrnehmung durch Selbstreflexion in den Mittelpunkt. Durch die verspiegelten Wände entsteht ein Erlebnisraum ohne Grenzen, der auch den geneigten Betrachter augenblicklich miteinbezieht. Die Kunst wird zum reflektierenden Kommunikationsmittel. 

So haben die ausstellenden Künstler die Themenstellung sehr unterschiedlich umgesetzt, es geht etwa um Dreidimensionalität und Poesie bei Barbara Wolfart mit ihrem Werk „Den Mond auskehren“, um Interaktivität und eine neue und individuelle Wahrnehmung von Farbe bei Bernd Henkel, mit „e-rot-isch“ um die Eroberung der Frau, in „Man(n) will sie erobern, sie ist das Objekt der Begierde“ von Bärbl Auer und um Verwandlungsprozesse und Lebensphasen bei René Nebas. Er kreierte einen „Kokon“ aus Spiegeln. Sein Umrunden soll symbolisch zu einem Gang durch das „Labyrinth des Lebens“ inspirieren.

Die Kalligraphin Antoniette Fraedrich bewegt Heimat und Wohnen sehr. Ihre Konstruktion „Räumliches trifft Schrift“ verbindet unterschiedlichste Materialien wie Büttenpapier, Teppichboden, Kabel, Metallunterlegscheiben und Holzstäbe, dominiert von der Farbe Rot, angeordnet als liegende Acht, das Zeichen für Unendlichkeit und beschriftet mit den einzelnen Buchstaben des Wortes „Farbe“. 

Der Legauer Künstler Florian Rautenberg entwarf mit seinem komplexen ganz in Weiß und Schwarz gehaltenen Kunstwerk „Donnie‘s Planet and the Dark Times of the Sun“ eine Traumwelt, ästhetisch, kindlich verspielt und gleichzeitig ernst. Seine Konstruktion soll den Betrachter anregen, sich eigene Gedanken zum Leben zu machen. „Bilder drücken gewisse Zusammenhänge in einer Sprache aus, die man mit Worten nicht erfassen kann“, so der Künstler. 

Ganz anderes die Rauminstallation „Die Entscheidung“ von Eva-Caroline Dornach. Ein Foto mit Türen, Treppen und einer Frau, gedruckt auf einer LKW-Plane spiegelt sich auf rechts und links angebrachten Spiegeln wider. Sie möchte damit zum Ausdruck bringen, hinter jeder Tür gibt es einen Weg, man muss nur den Mut aufbringen, ihn zu gehen. 

Die elf Künstler schufen vielfältige und außergewöhnliche Kunstwerke, die Jung und Alt zum Entdecken, Staunen und Verweilen einladen. „Kunst to go für jedermann“. Musikalisch begleitet wurde die Vernissage mit Allgäuer Folkrock – Rolf Ebenhoch von der Band Kähl.

Christine Reder

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