Die 66. Festwochen-Kunstausstellung zeigt breites Spektrum

Kunst in ihrer Vielfalt

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„down by the river into the sea“ hat Winfried Becker seinen zweiteiligen Betonguß (vorne) getauft. Im Hintergrund am Boden liegend zeigt Becker als Künstlergruppe mit Elisabeth Bader auch das 20-teilige „Gnade und Aufbruch“.

Kempten – In guter Tradition rückt die Allgäuer Festwoche auch die bildenden Künstler der Region mit einer Ausstellung im Hofgarten der Kemptener Residenz – zwei Werke auch im öffentlichen Raum – in den Fokus. In diesem Jahr wurden dafür 50 Werke – 16 Malereien, zehn Plastiken und Skulpturen, sieben Grafiken, neun Fotoarbeiten sowie jeweils vier Bildobjekte und Installationen – ausgewählt, die vom heutigen Samstag bis 6. September besichtigt werden können.

Noch im Eingangsbereich zieht „Der wahre Preis“ von Nina Schmidbauer den Besucherblick unweigerlich auf den Boden. Auf einer Sperrholzplatte ist der lebensgroße Umriss einer am Boden liegenden Frau skizziert. Eine Skizze, wie sie am Tatort eines Mordes von der Polizei gemacht wird. Asche und Mauerstückchen liegen darüber, daneben steht eine alte Nähmaschine und als letzter eindeutiger Hinweis: ein Preisschild einer „Billig-Klamotte“.

Einen tiefen Eindruck hinterlassen zwei schwarz-weiße Analog-Fotografien, „Portrait M.“ und „Portrait H.“ von Werner Prinz, die auf berührende Art große Ruhe ausstrahlen. Jeweils ein Mann und eine Frau– Geschwister? Eheleute? – mit einem (Lieblings-?) Tier. Jedes der Gesichter, der Hände, der Körperhaltungen trägt Lebensspuren. Ein Paar sitzt nebeneinander, die Frau blickt liebevoll auf das Huhn, das sie auf ihrem Schoss in den Händen hält. Zufrieden blickt auch der Mann auf dem zweiten Foto in die Kamera, die Hände gefaltet sitzt er neben dem (Sterbe-?)Bett, in dem mit eingefallenen Gesichtszügen zwischen dicken Kissen und Plumeau die Frau liegt. Im Eck dahinter der Herrgottswinkel. Dem Mann zu Füßen liegt ausgestreckt ein Hund und schläft. Das Interieur des Zimmers scheint in einer vergangenen Zeit zu verharren. Beide Bilder stammen aus dem Jahr 2013.

Sozusagen Programm ist der Titel „Nachtaktiv“ der Installation von Peter Wörner, der erstmals bei der Festwochen-Kunstausstellung eingereicht hat. Die „Zutatenliste“ lässt schon ahnen, dass es sich hinter den dicken schwarzen Vorhängen der Kabine um etwas Bewegtes handeln muss: PVC Leuchtfolie, LEDs, Carbongestänge, Aluminium, schwarzes MDF, Glas, 3x12 V Gleichstrommotoren. Drinnen malt leuchtendes Licht eine Spirale auf eine sich immer weiter schiebende Folie, unter zwei sich drehenden Scheiben. Daneben sind drei Drehregler. Einer für die Geschwindigkeit der Folie; die beiden anderen steuern jeweils die Drehgeschwindigkeit der Scheiben, was wiederum den Ausschlag der Leuchtdioden beeinflusst. Am Freitagabend (nach Redaktionsschluss für diese Ausgabe) wurden im Rahmen der offiziellen Ausstellungseröffnung die drei ausgelobten Preise an die im Kreisboten bereits vorgestellten Preisträgerinnen übergeben (Bericht folgt in der kommenden Mittwochsausgabe).

Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Christine Tröger

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