Ehepaar Baur fördert in ihrem "Kleinen Kunstforum 9c" seit zehn Jahren die Kunst in der Region

Rahmen für interessante Begegnungen

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Seit zehn Jahren bieten Ulrike und Heinrich Baur mit großem Privatengagement eine Plattform für Kunst- und Kulturschaffenden im „Kleinen Kunstforum 9c“.

Kempten – Seit zehn Jahren bereichert das Kleine Kunstforum 9c in der Hochvogelstraße das Kemptener Kulturleben mit ausgesuchten Kunstausstellungen, interessanten Vorträgen und ungewöhnlichen Konzerten.

Und doch haftet der Kulturadresse auch zum zehnjährigen Jubiläum noch der Hauch von Geheimtipp an – Interessierte finden dennoch zahlreich ihren Weg dorthin. Zu verdanken ist der besondere Begegnungsort dem kulturellen Interesse und Privat- engagement von Ulrike und Heinrich Baur. Daran verdienen wollen sie nicht, verlangen keine Raummiete von den Künstlern und auch die Bewirtung zum Beispiel der Vernissagegäste müssen die Künstler nicht selbst finanzieren. 

Gut 100 000 Euro haben Baurs in den vergangenen zehn Jahren so schon aus ihrer Privattasche in die Veranstaltungen gesteckt, überschlägt der ehemals geschäftsführende Gesellschafter der Kemptener Firma Ott Hydrometrie, die er 2002 verkauft hat. Im Jahr darauf zog die Familie von Altusried in ihr neues Haus nach Kempten in das „statt Schwimmbad und Sauna ein Ausstellungs-, Konzert- und Vortragssaal gebaut wurde“, erzählt Heinrich Baur lachend. Das „Kleine Kunstforum 9c“ war geboren, um Kunst in der Region zu fördern und die Kunstinteressierten zum Gespräch einzuladen, so der Gründungsgedanke, der bis heute auf jeder Einladung – rund 1000 Adressen fasst die Kartei inzwischen – zu lesen steht. Ein Gedanke, der von den Gästen bereitwillig aufgegriffen wird. „Es ist auch ein gesellschaftliches Ereignis“, freut sich der Hausherr über die vielen unterschiedlichen Besucher, die bei den Veranstaltungen „beieinander stehen und diskutieren“. 

Zwischen 300 und 800 Besucher kommen in der jeweils einen Ausstellungswoche mit festen Öffnungszeiten. Die anschließend noch mehrere Wochen bestehende Möglichkeit auf Terminvereinbarung vorbeizuschauen nutzen zum Bedauern der leidenschaftlichen Kulturförderer dagegen nur Einzelne, wohl wegen der „Schwellenangst“, wie sie vermuten. Dennoch „wird nirgends so viel verkauft wie hier“, wissen sie von den Künstlern. Kein Wunder, dass es an Anfragen von Ausstellungswilligen nicht mangelt. Da allerdings „behalten wir uns die persönliche Auswahl vor“ – die Chemie muss schließlich stimmen und auch hinter der gezeigten Kunst wollen sie stehen können. So hat sich zu fast allen der ausgestellten Künstler ein persönliches Verhältnis entwickelt und „der Geschmack für bildende Kunst hat sich schon verändert mit den Jahren“, räumt Ulrike Baur ein. Erste Erfahrungen in diesem Bereich hatten Baurs schon ab 1998 mit dem zum 125-jährigen Firmenjubiläum eingerichteten „Ott-Museum“ gesammelt, der unter anderem für „Drei-Tages-Ausstellungen“ genutzt wurde, erzählt der einstige Firmenchef. Heute sind es fast ausschließlich bekannte Künstlernamen aus der Region, deren Werke vom Hängeteam mit viel Fingerspitzengefühl ins rechte Licht und an den optimalen Platz gerückt werden. 

Viel Austausch 

Am Ende der festen Ausstellungswoche, in der die Künstler zu den Öffnungszeiten immer auch persönlich anwesend sein müssen, werden traditionell alle bis dahin ausgestellten Künstler eingeladen, sodass auch unter den Kollegen viel Austausch stattfindet oder neue Beziehungen geknüpft werden. Eine wenig bekannte Besonderheit bei den Ausstellungen im „9c“ ist, dass die Künstler nicht, wie üblich, die Galeristen an den Erlösen aus verkauften Werken beteiligen, sondern zwischen zehn und 15 Prozent vom Verkaufserlös „für einen kulturellen Zweck“ abgeben müssen, den sie selbst bestimmen können, erklärt Heinrich Baur. So ist unter anderem das TheaterInKempten (TIK) schon mehrfach in den Genuss gekommen, die Schulbücherei der Berufsschule, Einrichtungen wie das Jugend- und das Künstlerhaus oder auch Fürstensaal Classix. 

Neben den Ausstellungen gibt es in „9c“ noch die im Anschluss immer heiß diskutierten Konzerte mit zeitgenössischer Musik. Über einen Mangel an Anziehungskraft der oftmals wagemutigen Herausforderungen an die Zuhörer, sich auf Neues einzulassen und gewohnte Hörkonzepte zu verlassen, können Baurs nicht klagen. Eine ungewöhnliche Mischung zeigt sich auch in den Themen der Fachvorträge, in denen sich wechselnde Referenten ebenso fundiert mit der Problematik der kontrollierten Kernfusion befassen, wie mit „Myanmar und der Lust am Reisen“. Mit ihrem dreispartigen Konzept haben Baurs offensichtlich ins Schwarze getroffen und füllen eine Lücke im Angebot für Kunst- und Kulturinteressierte wie für Künstler. „Wir wollen einfach denen eine Chance geben, die sonst nur schwer ein Publikum finden“, ist sich das Ehepaar Baur einig und bietet nicht nur den sehr familiären Rahmen für interessante Begegnungen, sondern auch die seitens öffentlicher Gelder immer seltener werdende finanzielle Unterstützung.

Christine Tröger

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