Leuchtender Raum für Kunst und Kultur

Hochwertiger Kulturgenuss

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Die Graffiti-Box am St. Mang-Platz wurde durch junge Künstler umgestaltet, die sich längst einen Ruf in der internationalen Street-Art-Szene erobert haben.

Kempten – Es hätte nur ein wenig wärmer sein müssen, dann hätte man sich am Samstagabend in der Kemptener Innenstadt fast wie im Urlaub im Süden gefühlt: Spätabends noch waren die Straßen und Plätze wohlgefüllt mit gutgelaunten Menschen, die ein Eis schleckten und, begleitet von angenehm ruhigen Klängen aus den überall verteilten Lautsprechern in heimeliger Atmosphäre von einem Kunstort zum nächsten spazierten.

Bei der vom städtischen Kulturamt initiierten KunstNachtKempten, die im Jahr 2011 Premiere feierte und heuer zum zweiten Mal stattfand, verwandelten über 100 Künstler die Innenstadt von 19 Uhr bis Mitternacht in einen offenen, leuchtenden Raum für allerlei verschiedene Spielarten von Kunst und Kultur und bescherten den zahlreichen Besuchern, vom Kleinkind bis zum Senior, einen angenehm unverkrampften, trotzdem aber hochwertigen Kulturgenuss.

39 KunstNachtOrte in Museen, Galerien, Ateliers und an einer Reihe von Schauplätzen unter freiem Himmel standen zur Auswahl, an denen sich teils Spektakuläres, teils Beschauliches bot. Auch wenn die einzelnen Orte mit den im Viertelstundentakt verkehrenden KunstNachtBussen, wie auch zu Fuß gut erreichbar waren, war es angesichts der schieren Fülle des Angebots kaum machbar, alles zu sehen und alle (terminlich nicht immer ideal aufeinander abgestimmten) Performances mitzuerleben. OB Dr. Ulrich Netzers Vorschlag lautete daher: „Lassen sie sich einfach treiben.“

Den Auftakt machte ab 17 Uhr das KinderKunstFest im Zumsteinhaus, wo die kleinen Besucher Gruselmasken, Monsterwagen und Instrumente bauen konnten. Ganz gruselig geschminkt zog dann ab 20 Uhr der „Gruselgewusel“-Umzug durch die Innenstadt. Am leider noch nicht fertiggestellten Hildegardplatz konnte man das Skulpturendreieck der mehrfach preisgekrönten Künstler Max Schmelcher, Stephan Rustige und Oliver Köhl durchwandern – sie hatten eigens für diesen Abend eine Kombination von großformatigen, abstrakten Skulpturenensembles aus Metall, Holz und Kunststoff installiert –, um dann am Kornhausplatz Zeuge zu werden, wie der Salzburger Künstler Jürgen Fux auf einer scheinbar einfach nur weißen Leinwand (unter der sich ein mit Wachs und weißem Lack überzogenes Bild verbarg) mit dem Flammenwerfer ein großformatiges Selbstporträt freilegte.

"Total schräg"

Außergewöhnlich war auch die Performance der Aktionskünstlerin Patricia Murawski. Sie zeigte im Rahmen der Kunstausstellung artig `13 in der Markthalle am Königsplatz live ihre Malerei per Headbanging und führte den Begriff „Echthaarpinsel“ dabei in neue Dimensionen: Auf der (zum Schutz des Umfeldes vor Farbspritzern) mit Folie verhüllten Bühne, die nur durch ein paar wenige herausgeschnittene Öffnungen den Blick auf das Geschehen freigab, tauchte sie ihre langen Haare in einen Eimer mit dunkler Farbe und schlug diese mit kreisenden Kopfbewegungen zum Sound von Metallica u.ä. auf die am Boden ausgelegten Leinwände. Die Besucherreaktionen reichten von „total schräg“ über „unterhaltsam – wer´s mag“ bis hin zu schmunzelndem (gemäßigtem) Kopfschütteln.

Leicht schräg, aber beeindruckend war auch die „Performance und Mundtrompete“ von Nadja Starz-Schönborn, die ihren Stimmbändern ganz eigenartige Töne zu entlocken vermag. Zu ihren asiatischen Klängen malte die Kemptener Künstlerin Eva-Maria Urbat live ein Bild in chinesischer Pinselmalerei. Bei den vielen kleinen und großen Ausstellungen, bei denen es meist mit Snacks und Musik gemütlich zuging, waren die Künstler – vom Newcomer, bis hin zum etablierten Kunstpreisträger, vom Schüler oder Graffiti-Sprayer bis zum Kunst-Senior –, teilweise selbst anwesend und konnten ins Gespräch verwickelt werden.

Wer zeitgenössische Kunst ersteigern wollte, war im Kleinen Kornhaussaal richtig. Hier kamen 23 Original-Werke von Edit Baumann und Manfred Maussner unter den Hammer. Mancher Besucher packte an dem Abend auch gleich die Gelegenheit beim Schopfe, für nur fünf bzw. sechs Euro Eintrittsgeld endlich einmal Bildungslücken zu schließen und sich die Prunkräume der Residenz, die Erasmus-Kapelle oder auch die festen Ausstellungen der Kemptener Museen anzusehen.

Den Abschluss des offiziellen Teils bildete der Auftritt der Band FleXpisToLs, die an der Südwand der Basilika mit Metallfässern und Flexgeräten für wummernde Rhythmen mit gleißendem Funkenflug sorgten. Nachtschwärmer konnten die rundum gelungene Veranstaltung schließlich auf der KunstNachtParty in der Sing- und Musikschule ausklingen lassen.

Sabine Stodal

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