Kempten taucht in Magenta

Eine ganze Nacht lang Kunst in Kempten 

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Als LYBES DIMEM gestaltet der in Memmingen geborene Künstler und Komponist Lukas Rehm immersive Konzertsituationen und Installationen. Das audiovisuelle Showcase auf der Parkgeschossebene 2 des Parkhauses Kronenstraße lädt mit einer langen Projektionsfläche zum Verweilen, Tanzen und Lauschen ein.

Kempten – Sicher werden sich auch in diesem Jahr wieder tausende Kunstfreunde auf den Weg machen, wenn die 5. KunstNachtKempten am Samstagabend, 21. September von 19 Uhr bis spät in die Nacht mit prallem Angebot aufwartet.

Der Nachmittag aber gehört den Kindern, die sich beim KinderKunstFest „Fünffingerspuren“ in der Volkshochschule Kempten von 13 bis 17.30 Uhr künstlerisch austoben können. 

Zur fünften Auflage der KunstNachtKempten hat das Event auch ein „neues Gesicht“ bekommen, das Kulturamtsleiter Marin Fink kurz vorstellte. Mit der neuen Linie für Plakat, Homepage und Katalog in Schwarztönen mit Magenta „müssen wir uns nicht mehr verstecken“. Und Magenta soll auch die KunstNacht-Besucher*innen wieder durch die Kemptener Innenstadt begleiten. Das Programm, das es durch Erwerb des Eintrittsbändchens gibt), ist säuberlich chronologisch gegliedert mit der Angabe der jeweiligen Orte. Das Bändchen ist außerdem das Ticket für den KunstNachtBus, der ab 20 Uhr im circa 20-Minuten-Takt seine Runden dreht. 

Zur besseren Orientierung gibt es einen Flyer mit Ortsplan und Busroute. Attraktive Möglichkeiten bietet auch die neue Homepage (www.kunstnacht-kempten.de), durch die man sich navigieren lassen kann und zwar indem man via Smartphone „den Zielort anklickt und sagt, führ mich hin“, erklärt Funk. Auch eine praktische Filterfunktion dient einer leichteren Planung. Über diese kann man sich gezielt die Orte anzeigen lassen, die das Angebot bieten, das man sucht, wie z.B. moderne Kunst, Zeichnungen, Fotografien oder – Kulinarik. Außerdem gibt es Hilfestellung an zwei Infopoints (Hildegardplatz und St.-MangPlatz). Stöhnten viele Besucher*innen schon über den nächtlichen Marathon mit 50 Kunstorten bei der letzten KunstNacht im Jahr 2017, stehen diesmal satte 64 zur Auswahl, bespielt von rund 150 Künstler*innen in Einzel- und Gruppenausstellungen, dazu zahlreiche Performances.

Mitmachen „können alle, die wollen“, es gebe keinen „Cut“, wie Leonie Flaig (externe Projektkoordinatorin) und Susan Funk (Künstlerische Leitung) betonen. Lediglich für Kunsthandwerk gebe es bei der KunstNachtKempten kein Spielfeld. Fink sieht die Kunst damit gut aufgestellt, nämlich „auf zwei Beinen“: einmal die zeitgenössische Kunst in den kuratierten Ausstellungen und zum anderen die KunstNacht „mit allen, die wollen“. Den Kern dazu liefert das Kulturamt der Stadt, u.a. mit großem Programm zur Eröffnung um 19 Uhr auf dem Hildegardplatz, in deren Rahmen auch der Publikumspreis der 70. Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche vergeben wird. Als Kulisse dient die Installation „Wald“ von Adrianne Wilson und Tobias Wootton, als Teil einer Trilogie zusammen mit Live-Muisk von Samuel Wootton und Silvan Strauß sowie drei Tanzperformances des Kari Tanzhauses, durch die der urbane Hildegardplatz zu einem Schauspiel von Wald-Projektionen wird. 

Es sei eine „ökopolitische Sache“, erklärt Funk die interaktive Zwei-Kanal-Video-Installation aus Waldfotografien, in der Besucher zu Akteuren werden. Indem sich möglichst viele von ihnen gemeinsam organisieren, wird mehr Wald sichtbar – wie bei einem politischen Ökosystem. Gleich nebenan, auf dem Residenzplatz, können sich übrigens Besucher*innen zwar nicht direkt künstlerisch betätigen, aber indirekt durchaus. Dort beschäftigt sich nämlich das „Büro für kulturelle Angelegenheiten“, mit der Frage, wie die Kulturlandschaft in Kempten 2030 aussehen soll. „Kunst trifft Architektur“ im Atelier Becker Architekten in der Keselstraße 14, wo vier eingeladene Künstler (Franziska Schmidt, Max Schmelcher, Winfried Becker, Reinhard Blank) ihre Werke in den nicht primär auf die Präsentation von Kunst ausgerichteten Räumen so prä- sentieren, dass Wechselbeziehungen entstehen. 

Einen besonderen Film an besonderem Ort gibt es in der Erasmuskapelle. „Kempten unterirdisch“ heißt das Werk über unbekannte Kellerräume, wie Bunker, Grotten, Käsekeller, die Krypta unter der Lorenzbasilika u.v.m., die die Videokünstlerin Veronika Dünßer-Yagci zusammen mit der Theaterpädagogin Johanna Hartmann zeigt (ab 19 Uhr im 20-Minuten-Takt). Ein originelles „Drunter und Drüber“ bietet Wolfgang Steinmeyer mit seinen schelmischen Zeichnungen im Theater in Kempten (TiK). Im Haus International rückt die Fotografin Ann MacKinnon das „Frauenbild“ – passend zum diesjährigen KunstNacht-Motto „Licht und Schatten“ – ins rechte Licht. 

Und natürlich gib es keine KunstNacht ohne Party für die hartgesottenen Nachtschwärmer*innen. Die finden ab 21.30 Uhr bei Evi Endras im Gewölbekeller der Sing- und Musikschule (Memminger Straße 5) den passenden Ort für die „Kunstnacht-Party mit DJ Roman & DJ Dr. J“. „Prägnante, knackige Projekte, mit klarer Definition“, sieht Fink im Angebot der 5. KunstNachtKempten, und siedelt ihr „Niveau nochmals höher“ an, als das der Vorgänger. Es sei eine gute Mischung aus Hobbykünstlern, denen, die davon leben und international agierenden, die die Plätze bespielen. Dabei „haben alle einen Bezug zum Allgäu“, ergänzt Susan Funk. 

Eintrittspreise

Das KunstNacht-Bändchen gilt als Eintrittsnachweis für alle KunstNacht-Orte, Museen, Ausstellungen, Konzerte, die KunstNacht-Party, das OpenAir-Programm sowie für Fahrten im KunstNacht-Bus. Zum Bändchen erhält man einen KunstNacht-Katalog, in dem alle KunstNacht-Orte beschrieben sind. Erwachsene Abendkasse: 10 Euro (Ermäßigt: 5 Euro), Vorverkauf: 8 Euro (Ermäßigt 4 Euro) Ermäßigten Eintritt erhalten Jugendliche von 13 bis 17 Jahren, Schüler*innen, Studierende, Empfänger*innen von Arbeitslosengeld II und Grundsicherung sowie Menschen mit Behinderung. Kinder bis 12 Jahre und Begleitpersonen von Menschen mit Behinderung erhalten freien Eintritt. Sie können sich am Veranstaltungstag ein gratis KunstNacht-Bändchen am Info-Stand am Hildegardplatz abholen.

Christine Tröger

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