Das "Nordtor" Kemptens soll zum Aushängeschild werden

Ein Kunstwerk als Visitenkarte

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Der Entwurf „Auf dem Weg“, mit zwei Stelen auf der Fläche des Kreisels und einer Säule auf Dachser-Gelände, erzeugt – so Dachser-Firmenchef Bernhard Simon – den Eindruck eines Tors.

Kempten – Eines der formulierten Ziele Kemptens beschäftigt sich mit den Einfahrten in die Stadt. Denn diese seien „eine Art Visitenkarte“, über die ein erster Eindruck entstehe, wie OB Thomas Kiechle beim Pressegespräch meinte. Ein besonderes Augenmerk werde durch die bevorstehende Inbetriebnahme der Nordspange künftig auf der Einfahrt am – wegen des dort angesiedelten Hauptsitzes der Firma Dachser – so genannten „Dachser-Kreisel“ liegen. Umso mehr begrüßte er das Angebot des Unternehmens, an dessen Gestaltung mitzuwirken.

Laut Stadt habe das Unternehmen Dachser im Bereich der Memmingerstraße und der entstehenden Nordspange bereits mit dem Verwaltungsgebäude sowie der Parkanlage der Unternehmenszentrale städtebaulich „ein modernes und einladendes Gesicht gegeben“, das nun, entsprechend dem seit einigen Jahren bestehenden Wunsch der Stadt und ihres damaligen OB Dr. Ulrich Netzer, auch auf den öffentlichen Straßenverkehr ausgedehnt werden soll.

Bei Unternehmenschef Bernhard Simon war das Anliegen bereits damals auf offene Ohren gestoßen und hat inzwischen konkrete Formen angenommen. Als „Nordtor“ zur Stadt schwebt Simon ein Kunstwerk nach einem Entwurf der Allgäuer Künstler Christian Hörl und Gerhart Kindermann vor. „Auf dem Weg“ besteht aus insgesamt drei circa 20 Meter hohen Stelen, zwei auf der Fläche des Kreisels und eine auf dem Dachser-Gelände. Dadurch soll, so der Firmenchef, der „Eindruck eines Tores“ entstehen, das dem entgegentrete, was jeder Kreisverkehr vermittle: sich im Kreis zu bewegen. Die Symbolkraft der Weltoffenheit, Dynamik und Ideenkraft passe zum Unternehmen Dachser wie auch zur Stadt Kempten. Es grenze nicht ab, sondern öffne, inspiriere und lade ein. Die Sensibilität dieser Stadteinfahrt, „war uns bewusst, als wir hier gebaut haben“, betonte Simon „kein Firmenlogo“ und auch „kein Täfelchen“ unterzubringen.

Die beiden Künstler beschreiben ihr Werk als „drei mutig in den Himmel ragende Säulen aus gestapelten Kuben“, die die Höhe des Dachser-Verwaltungsgebäudes aufnehmen und einen weithin sichtbaren Wegweiser zum nördlichen Stadteingang von Kempten bilden. Die innen spiegelnden und mit metallisch schimmernden Farben lackierten Flächen werden vielfach gebrochen und reflektiert und entfalten ein mannigfaltiges agiles Innenleben, das einlädt, seine Zusammenhänge zu entdecken und daran teilzuhaben. Die Vielzahl der Einzelelemente und ihr immer neues Farbspiel verweisen genauso auf die Komplexität eines global arbeitenden Logistikunternehmens, wie auf das Prinzip der Arbeitsteilung einer weltweit vernetzten Wirtschaft.

In weiterem Sinne kommt zudem die bunte Vielfalt der Stadt Kempten zum Ausdruck. Sie verbindet auf besonders fruchtbare Weise viele Ebenen wie Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft sowie weitere Dimensionen städtischen Lebens und Gestaltens miteinander. Untrennbar damit verbunden ist die zukunftsorientierte Ideenkraft aus der Hochschule, der Wirtschaft und der Bevölkerung. Der von Norden kommende Verkehr passiert die Stelen gleichsam durch ein zeitgenössisches Stadttor. Die hoch aufeinander gestapelten Kuben erinnern an logistische Infrastruktur, an Container, an Signaltürme mit Lichtreflexionen sowie an Ingenieurskunst.

Das Unternehmen Dachser mit seiner 85-jährigen Geschichte, rund 1000 Mitarbeitern am Standort und mit dem Hauptsitz in Kempten sei „untrennbar mit der jüngeren Geschichte der Stadt verbunden“, erinnerte Kiechle auch an das vielfältige Engagement des Unternehmens, u.a. an der Hochschule, dem Theater oder mit dem jährlich im Rahmen der Festwochen-Kunstausstellung zu vergebenden Thomas-Dachser-Gedenkpreis. „Wenn das Unternehmen nun die künstlerische Gestaltung an der Stadteinfahrt Memminger Straße sponsert, ist das ein Engagement, für das die Stadt Kempten sehr dankbar ist.“

Nach Erledigung aller vorbereitenden Arbeiten – u.a. Vertrag zwischen Stadt und Unternehmen, Bauantrag, Genehmigung und Ausschreibungen – wird ein Baubeginn idealerweise in den Sommerferien 2016 anvisiert, da in dieser Zeit die Frequentierung durch den Straßenverkehr erfahrungsgemäß geringer sei.

Eins ist für Simon aber klar: „Wenn ich den öffentlichen Raum gestalte“, gehöre es heute einfach dazu auch „in die öffentliche Diskussion zu gehen“. Deshalb werden ein Modell des Kunstwerks sowie Skizzen, ab kommenden Montag, 19. Oktober, im Foyer des Kemptener Rathauses ausgestellt, die von Montag bis Donnerstag jeweils von 8 bis 18 Uhr besichtigt werden können, freitags von 8 bis 13 Uhr. Eine öffentliche Präsentation des Kunstwerks mit OB Thomas Kiechle, den Künstlern Christian Hörl und Gerhart Kindermann sowie Bernhard Simon von der Firma Dachser, findet am Donnerstag, 29. Oktober, um 19 Uhr in der Schrannenhalle im Rathaus Kempten statt.

Daten zum Kunstwerk:

Maße eines Kubus: 50 x 50 cm, deren Länge variiert zwischen 60, 100 und 140 cm

Höhe einer Stele: etwa 20 Meter

Materialstärke: zwischen 10 bis 20 mm

Material: Stahl lackiert, z. T. mit eloxiertem Aluminium verkleidet

kb/Christine Tröger

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